Naturschutzgebiet : Gadow bangt um seine Douglasien

Begehrt sind die Zapfen der Gadower Douglasien.
Begehrt sind die Zapfen der Gadower Douglasien.

Schärfere Naturschutzziele stoßen auf Widerstand bei Anwohnern und Forstwirten / Biosphäre sagt: Noch ist nichts entschieden

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11. März 2015, 22:00 Uhr

Der bisherige Schutzstatus für das Gebiet Gadow soll verschärft werden. Das Biosphärenreservat Flusslandschaft Elbe-Brandenburg arbeitet an einem Managementplan und an der Ausweisung von Kernzonen Dabei geht es unter anderem um den Fortbestand der Douglasien und um eine Anhebung des Wasserstandes der Löcknitz. In Gadow selbst formiert sich Widerstand gegen diese Pläne. Es hat sich die Bürgerinitiative Rettet den Gadower Wald gegründet.

„Das regt mich auf“, sagt Heinrich Michalik. Der Rentner lebt seit 1945 in dem Dorf und versteht die Welt nicht mehr. Die Umwelt sei intakt, die Gadower leben im Einklang mit der Natur und doch soll alles anders werden. „Wir haben die Löcknitzniederung in den 80er Jahren entwässert und seitdem keine nassen Keller mehr“, sagt er. Wird der Wasserstand tatsächlich wie vorgesehen erhöht, befürchtet er feuchte Wände.

Damit ist er nicht allein. In Gadow leben 41 Einwohner und sie alle haben einen Protestbrief unterschrieben, sind der BI beigetreten. Sie haben Fragen: Warum soll die Douglasie aus dem Gadower Forst verschwinden? Weil sie keine heimische Art ist? „Reicht diese Begründung tatsächlich aus, um den ältesten Douglasienbestand ganz Mitteleuropas abzuholzen?

„Wer die Unterlagen liest, bekommt den Eindruck, dass die Douglasien unsere Natur regelrecht vergiften“, sagt Holger Galonska, der in Gadow lebt und als Geschäftsführer der Forstbetriebsgemeinschaft Ferbitz die meisten Waldbesitzer in der Region vertritt. Die ersten Bäume wurden vor 150 Jahren gepflanzt. Forstwissenschaftler interessieren sich für sie, für ihr maximales Lebensalter, für Insekten die in den Beständen leben, so Galonska. Und die Zapfen mit ihren Samen sind auf dem Markt heiß begehrt. Während der Ernte kommen Zapfenpflücker aus ganz Deutschland nach Gadow.

Galonska kritisiert die fehlende Ortskenntnis derjenigen, die die Entwürfe erarbeitet haben. „420 Hektar wurden schon im Mai 1990 durch den Bezirk Schwerin unter Naturschutz gestellt, darunter Douglasien“, sagt er. Es gibt Flächen und Wege, die nutzbar bleiben müssen, zum Beispiel für die Urlaubsgäste des Schlosses, dessen Park Denkmalstatus genießt. Das Schloss hält Pferde und bietet unter anderem Reitferien an. „Rechne ich alles zusammen, weiß ich nicht, wie noch zusätzlich 140 Hektar Kernzone ausgewiesen werden sollen, in denen der Mensch nichts mehr verändern darf.“

Aber es gibt Hoffnung. In der vergangenen Woche gab es ein Gespräch zwischen der Biosphäre und den Einwohnern. Was die Douglasien betrifft, zeichnet sich ein Kompromiss ab und auch was die Instandhaltung des Schlossparks sowie der Wege zum Schloss und zum Mausoleum betrifft, ergänzt Holger Galonska.

Auch Rita Rothenstein, in der Biosphäre zuständig für Arten- und Biotopschutz, spricht von einem nicht abgeschlossenen Prozess. Die Managementplanung erfolgt im Auftrag der EU und diene in erster Linie einer Bestandserfassung. Sollte sich daraus ein Handlungsbedarf für den Naturschutz ergeben, so sei dieser nur für Landesflächen bindend. „Privateigentümer können freiwillig Maßnahmen umsetzen, dafür Fördermittel beantragen“, sagt Rita Rothenstein.

Anders sei es bei den Kernzonen. Mindestens drei Prozent des Unesco Biosphärenreservats müssen als solche eingestuft werden. „Wir sind angehalten, mögliche Zonen zu prüfen“, erklärt sie. In diesen gilt dann tatsächlich ein vollständiges oder zumindest eingeschränktes Veränderungsverbot.

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