Fußballgucken auf Sparflamme

Deutschland-Fans feuern beim Public Viewing ihre Mannschaft mit Vuvuzelas. dpa
Deutschland-Fans feuern beim Public Viewing ihre Mannschaft mit Vuvuzelas. dpa

svz.de von
03. Juni 2012, 07:47 Uhr

Potsdam | Die ersten schwarz-rot-goldenen Fähnchen wehen an den Autos, die Vorfreude bei den Fußballfans steigt. Wenige Tage vor dem Start der Fußball-EM am 8. Juni sind in Brandenburg jedoch kaum Großveranstaltungen geplant. Die meisten öffentlichen Live-Übertragungen finden in Restaurants, Biergärten und Kneipen statt.

Die Landeshauptstadt Potsdam plant nach Angaben ihrer Verwaltung keine Public-Viewing-Veranstaltungen. "Es wird für die Europameisterschaft nicht allzu viel geben", sagt Stadtsprecher Jan Brunzlow. Einzelne Restaurants und Kneipen würden zwar Spiele für ihre Gäste live auf den Bildschirm holen, mit Massenveranstaltungen sei das jedoch nicht vergleichbar. "Wir gehen davon aus, dass sich gerade viele junge Menschen, die den Trubel suchen, nach Berlin aufmachen."

Fußballfreunde, die eine gesellige Atmosphäre suchen, können in Potsdam auf das Jugend- und Familienzentrum "Lindenpark" setzen. "Wir werden alle Spiele live auf einer großen LED-Wand übertragen", sagt Sprecherin Juliane Riedel. Bis zu 4000 Zuschauer werden erwartet. Eine Besonderheit: "Wir nutzen die EM, um das Thema Toleranz zu gestalten." Bei den Vorrundenspielen werde es nachmittags eine "Kinderbespaßung" mit Musik, Märchen und Spielen geben.

Wer eine ausgefallenere Atmosphäre sucht, wird bei Ludwigsfelde fündig. Dort lockt wie bereits zur Fußball-WM eine Open-Air Veranstaltung unter der Autobahnbrücke Zuschauer. "Je nachdem, wer spielt, können sich dort mehrere tausend Fußballfans einfinden", sagt die Pressesprecherin der Stadt Ludwigsfelde, Marina Ujlaki. In der Vergangenheit sei das Event sehr gut angenommen worden. Die große Fan-Party bleibt in Frankfurt (Oder) gänzlich auf der Strecke. "Es wird kein Public Viewing geben", sagt Sprecher Christian F. Hirsch. "Weder die Stadt plant solche Veranstaltungen, noch liegen Anträge beim Gewerbeamt vor." Die Nähe zum Austragungsland spiele keine Rolle.

"Brandenburg ist kein klassisches Fußball-Land, es gibt keine Bundesliga-Tradition", erklärt sich Brunzlow die vorwiegend kleinen Veranstaltungen. "Die Europameisterschaft hat zudem nicht den Stellenwert der Weltmeisterschaft", sagt auch der Geschäftsführer des Städte- und Gemeindebundes, Karl-Ludwig Böttcher. "Im gesamten Osten stehen wir fußballtechnisch nicht gut da. Mehr Erfolg würde auch mehr Lust bringen." Jedoch habe er Verständnis, dass die Metropole Berlin gerade auf junge Menschen eine große Anziehungskraft ausübe - auch zum Fußballgucken. "Viele ältere Brandenburger sind wohl auch froh, dass es hier beschaulicher zugeht."

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