Für alle Steppkes einen Kita-Platz

<strong>Nach dem Mittagsschlaf</strong> der Kinder haben Christine Krambeer (l.) und Uta Ilgeroth alle Hände voll zu tun, denn die Kinder benötigen doch noch so manche Hilfe beim Anziehen oder Kämmen. <foto>Petra Ferch</foto>
Nach dem Mittagsschlaf der Kinder haben Christine Krambeer (l.) und Uta Ilgeroth alle Hände voll zu tun, denn die Kinder benötigen doch noch so manche Hilfe beim Anziehen oder Kämmen. Petra Ferch

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20. März 2013, 07:21 Uhr

Prignitz | Ab dem 1. August gilt deutschlandweit der neue Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz. Egal, ob Eltern berufstätig sind oder nicht, dürfen sie ihre Kinder, sofern diese ein Jahr alt sind, in eine Einrichtung geben. Dabei handele es sich um einen unbedingten Rechtsanspruch, sprich ohne Vorbedingungen, macht Danuta Schönhardt, zuständige Geschäftsbereichsleiterin des Landkreises Prignitz, deutlich.

Sind wir in der Prignitz auf diese neue Anspruchsregelung vorbereitet?

"Kapazitätsmäßig werden wir den Rechtsanspruch flächendeckend erfüllen können, aber sicher nicht jeden Wunsch nach ganz bestimmten Einrichtungen, ohne Umlenkungen", erklärt die Geschäftsbereichsleiterin auf "Prignitzer"-Nachfrage. Und sie erläutert die Situation an einem konkreten Fall. So hatte die Stadt Wittenberge zum letzten Stichtag (1. Dezember 2012) eine Kapazität von insgesamt 1021 Plätzen. Also in allen kommunalen Einrichtungen und auch in den privaten bzw. denen freier Trägerschaft. Abzüglich auch der belegten Hortplätze waren 83 Plätze frei. Das würde ausreichen, um die 80 anspruchsberechtigten Mädchen und Jungen, die derzeit keine Einrichtung besuchen, ab 1. August aufzunehmen.

Doch das sei bislang ein reines Zahlenspiel, denn inzwischen könnten in einzelnen Kindertagesstätten schon wieder Anmeldungen vorliegen, Plätze vergeben sein, erklärt Danuta Schönhardt. Deshalb werde ab dieser Woche konkret abgefragt, wie viele freie Plätze tatsächlich ab 1. August zur Verfügung stehen, betont sie. In Lenzen zum Beispiel gebe es derzeit 243 Kinder im Alter von 1 bis 12 Jahren, aber nur 214 Plätze. Doch da nicht wenige Eltern ihre Mädchen und Jungen in Einrichtungen am Arbeitsort bringen, reiche die Kapazität dennoch aus.

An Kapazität mangele es nicht, zumal gerade auch in Vorbereitung des neuen Rechtsanspruches im Landkreis rund zwei Millionen Euro einschließlich der Eigenmittel investiert wurden. "Wir sind einer der wenigen Landkreise in Brandenburg, die die Fördermittel aus dem so genannten U3-Programm voll ausgeschöpft haben, sogar noch zusätzliche Mittel, die andere Regionen nicht in Anspruch nahmen", unterstreicht Danuta Schönhardt. Dabei sei nicht alles Geld in die Erweiterung von Kita-Einrichtungen geflossen, sondern auch in die Qualitätsverbesserung. Rein kapazitätsmäßig gesehen sei der Landkreis also gut vorbereitet.

Doch wie sieht es mit dem Personal aus, gibt es auch genügend Erzieherinnen bzw. Erzieher?

Das ist ein Knackpunkt, weiß Danuta Schönhardt. Denn salopp gesprochen sei der Markt an ausgebildeten Erziehern leer gefegt, wie es beispielsweise Heinz Schneider, Leiter der allgemeinen Verwaltung im Amt Putlitz-Berge, beschreibt. Danuta Schönhardt kennt das Problem, nicht nur Erzieherinnen seien rar, sondern auch Sozialarbeiter. Deshalb seien gerade auch in Brandenburg die Zugangsnormen gelockert worden, was die Einstellung von Seiteneinsteigern anbelange. "So kann man gerade ausgesprochene Beaufsichtigungszeiten wie früh am Morgen oder am späten Nachmittag, wenn keine qualifizierte Erziehungsarbeit geleistet wird, überbrücken." Erfahrungen damit hätten schon mehrere Einrichtungen im Kreis gesammelt wie in Meyenburg, in Breese, in Kleinow oder in Perleberg. Verantwortlich dafür sei aber der jeweilige Träger, macht Danuta Schönhardt deutlich.

Zu denjenigen, die als Quereinsteiger in die Kita kamen, gehört Christine Krambeer. Für die 41-Jährige ist es schon der dritte Beruf, denn sie ist eigentlich Bäckerin, hat später auf Steuerfachangestellte umgeschult. "Aber das ist jetzt meine Berufung, hier will ich nicht mehr weg, es macht so viel Spaß mit den Kindern", gesteht sie. Das freut natürlich auch Uta Ilgeroth, die Betreiberin der Kita "Sonnenschein" in Perleberg. Denn sie hat die Gorlosenerin ja nicht nur als Hilfe eingestellt, sondern finanziert auch deren dreijährige Ausbildung zur Erzieherin mit.

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