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Der Prignitzer

14. Dezember 2017 | 23:56 Uhr

Fünf Tonnen Sand und zwei Flaschen

vom

svz.de von
erstellt am 11.Dez.2012 | 07:29 Uhr

Lenzen | Als sich am vergangenen Mittwoch die Tore zum 5. Adventstürchen des historischen Adventskalenders öffnen und Sven und Andrea Reinert damit den Blick durch die Kellerstraße 27 auf den Innenhof freigeben, ahnten die vielen Besucher noch nicht, welche gravierenden Veränderungen und historischen Entdeckungen die beiden in den vergangenen Jahren vorangetrieben haben. Grund genug einmal auf die Geschichte der Lenzener Familie und des Großprojektes zurückzublicken.

Die Eheleute hatten 1992 die Seetorstraße 2 gekauft und anschließend drei Jahre lang saniert, bevor sie einziehen und das Gebäude als Wohn- und Geschäftshaus nutzen konnten. Wenige Jahre später wurde allerdings das Bedürfnis nach Erweiterung spürbar, wie Sven Reinert erzählt: "Es ging der Familie in erster Linie eigentlich nur um den Innenhof. Das Haus in der Seestraße 1 gab es dann dazu." Auch dieses Projekt wurde angegangen, zwei Maisonettewohnungen samt einem Ladengeschäft geschaffen. Doch auch das sollte noch nicht die letzte Baustelle auf dem Gelände gewesen sein. "Nachdem wir uns zehn Jahre lang den Verfall des Pferdestalls in der Kellerstraße anschauten und zum Teil immer mehr Bauschutt herunterstürzte, haben wir den Inhabern, eine englischen Limited (Kapitalgesellschaft d. Red.), ein Angebot gemacht und 2011 das Teilstück erworben", beschreibt der Tischlermeister.

Was dann folgte war wieder einmal ein Zusammenspiel von Hartnäckigkeit, vielen Arbeitsstunden, Fördermitteln, Helfern und Erspartem. Denn eigentlich hatte es einen Abrissauftrag für das Scheunengebäude gegeben. Allerdings wäre dann eine Lücke zur Straße entstanden und damit Attraktivität verloren gegangen, wie der Besitzer des Wohnquartiers Reinert verdeutlicht. "Eine Sanierung war wenig reizvoll, aber wir wollten wenigstens das Gebäude erhalten", macht er deutlich. Also wurden marode Balken ausgetauscht, das Dach gestützt und ein neuer Anstrich vorgenommen. Und dann hatte das Areal selbst noch eine Überraschung für seine Besitzer parat.

"Nach dem Abriss des ehemaligen Pferdestalls haben wir dann unter viel Gerümpel die oberste Stufe eines Kellereingangs freigelegt", erzählt Reinert. Die Lichtschächte waren zugemauert und auch von außen war nichts zu sehen, was darauf hingedeutet hätte. Nachdem das barocke Kellergewölbe zugänglich gemacht und ausgefegt worden war, gab es gleich die nächste kleine Sensation - ein Brunnenring wurde sichtbar. Allerdings ließ der Geschäftsführer der RB Reinert Bauelemente GmbH dieses Projekt zunächst unangetastet. "Erst als mich Frau Hülsebeck gefragt hat, ob ich nicht im Rahmen des historischen Adventskalenders meinen Hof öffnen will, hab’ ich gedacht, dann können wir ihn auch ganz aufmachen und damit ein Stück Lenzener Stadtgeschichte neu entdecken", so Sven Reinert.

Diese Hoffnungen zerstreuten sich jedoch schnell. "Insgesamt haben wir fünf Tonnen feinen Kies aus dem Brunnen geholt und das Einzige, was wir fanden, waren zwei Flaschen", resümiert der gebürtige Lenzener. Dennoch zeugen Brunnen und Kellergewölbe von der wechselhaften Historie der Stadt. "Zwischen 1627 und 1703 ist Lenzen acht Mal abgebrannt. Insgesamt gab es in der Stadt 19 Brunnen, die größtenteils zum Zweck der Brandbekämpfung entstanden. Der Brunnen ist also wahrscheinlich aus dieser Zeit oder älter", wie Stadtführerin Erika Otto den zahlreichen Gästen an diesem Nachmittag verdeutlichte.

Und diese konnten sich dann auch an einem reichhaltigem Tagesprogramm erfreuen. Neben dem Spielmannszug Glöwen/Bad Wilsnack sorgte vor allem die Vorführung von moderner Feueralarmierung für Unterhaltung. "Ich selbst bin technikaffin und habe dann den Brunnen und die damit verbundenen Lenzener Brände zum Aufhänger für den Tag genommen", erklärte Sven Reinert, der bereits auf den Tag genau vor fünf Jahren Teile seines Anwesens im Rahmen des Adventskalenders öffnete.

Dementsprechend erfreut war Margit Hülsebeck, Bauamtsleiterin und Mitglied der AG Städte mit historischem Stadtkern, dass die Familie ihr Zuhause wieder für die Öffentlichkeit freigab. "Wir sind immer froh über Engagement, besonders Familie Reinert ist sehr aktiv. Davon wünschen wir uns mehr", so Hülsebeck, die auch zu bedenken gab, dass so ein Projekt nicht ohne Förderung funktioniert.

So richtig ausruhen auf dem Geleisteteten kann und wollen sich die Reinerts allerdings wohl nicht. Bereits für 2013 ist der Baubeginn für den laufenden Sanierungsantrag für das Wohngebäude in der Hamburger Straße 42 geplant. Und vielleicht können Sven und Andrea Reinert dann in fünf Jahren wieder die Tore öffnen, um Besuchern historische Mosaiksteine zu präsentieren.

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