Frustrierte Kameraden in Weisen

<strong>Seit 34 Jahren ist </strong>dieses Fahrzeug im Einsatz, aber mittlerweile eine Gefahr für die Kameraden und die Umwelt.<foto>Hanno Taufenbach</foto>
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Seit 34 Jahren ist dieses Fahrzeug im Einsatz, aber mittlerweile eine Gefahr für die Kameraden und die Umwelt.Hanno Taufenbach

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27. Januar 2013, 06:33 Uhr

Weisen | Betagte 34 Jahre alt ist das Löschfahrzeug. In manchem Festumzug würde es als Oldtimer eine gute Figur machen, doch Weisens Feuerwehr muss es für Einsätze nutzen und daran wird sich wohl auch vorerst nichts ändern. Dabei ist das Fahrzeug offenbar eine tickende Zeitbombe für die Gesundheit der Kameraden und für die Umwelt. Das wurde auf der Jahreshauptversammlung der Feuerwehr Freitagabend deutlich.

Schon häufiger habe das Fahrzeug die Männer und Frauen im Stich gelassen, aber was Ende Dezember geschah, ließ die Wut der Kameraden überkochen. Feueralarm im Kreiskrankenhaus Perleberg. "Wir rückten mit 20 Kameraden aus, auch unser altes Löschfahrzeug war dabei", erzählte Friedrich Ziegler von der Wehrführung. Auf der offenen Ladefläche hockten zehn Männer, als sich während der Fahrt ein Feuerschweif bildete. "Das war nicht nur peinlich, sondern gefährlich", so Ziegler. Der Motor ging aus, alle Sicherungen brannten durch. Nicht einmal mehr die Warnblinkanlage funktionierte.

Es hätte noch viel schlimmer kommen können. Glücklicherweise wurde niemand verletzt. Und was noch viel größeres Glück war: Im Krankenhaus hatte es einen Fehlalarm gegeben. "Im Ernstfall hätten wir nicht helfen, hätten keine Patienten mit unserem Auto befördern können", sagte Ziegler und fragte weiter: "Was würde passieren, wenn wir im Sommer zum Waldbrand ausrücken und dabei selbst einen Feuerschweif verursachen?"

Im Namen der Gruppenführer formulierte Michael Meyer eine unmissverständliche Forderung an die Gemeinde, das Amt und den Kreis: "Wir erwarten eine konkrete Zeitangabe, wann wir ein neues Auto bekommen." Weder technisch noch vom Sicherheitsaspekt her sei dieses Fahrzeug für die Kameraden länger zumutbar. Die aufgelaufenen Reparaturkosten stünden schon jetzt in keinem Verhältnis mehr. Ersatzteile seien so gut wie nicht zu bekommen. "Es gibt nicht einmal mehr Reifen für dieses Fahrzeug", sagte Michael Meyer.

Während der Fahrt bestehe keine Funkverbindung zur Leitstelle, der Motor mache jede Verbindung unmöglich. "Damit können wir nicht reagieren, wenn sich beispielsweise der Einsatzort ändert", erklärte Meyer. Wie schnell das passieren kann, erlebten Prignitzer Einsatzkräfte im vergangenen Sommer mehrfach. Nicht auszudenken also, wenn das Auto weiter zu einem Einsatzort fährt, aber die Opfer ganz woanders auf Hilfe warten.

Bürgermeister Berndt Wiechert wolle gerne helfen, aber die Gemeinde werde es wohl nicht können. "Wir haben noch keinen Haushaltsplan, kennen noch nicht alle Zahlen. Aber es sieht wohl nicht gut aus", sagte er am Rande der Versammlung. Der Feuerwehrhaushalt stehe fest, die laufenden Kosten seien gedeckt. Aber für ein neues Auto reiche das Geld nicht. Am 25. Februar werde über den Haushalt beraten. Nachzudenken sei über einen Kompromiss, um zumindest die Transportfähigkeit für die Kameraden zu gewährleisten.

Auch Gerald Neu, Ordnungsamtsleiter im Amt Bad Wilsnack-Weisen, hält den benötigten Eigenanteil der Gemeinde für nicht realistisch. Glücklicherweise sei die Förderrichtlinie für die Neuanschaffung verlängert worden, so dass 50 Prozent der Kosten vom Land getragen würden. Aber für 2013 und 2014 seien die Mittel bereits anderweitig im Kreis gebunden, dämpfte Holger Rohde als Vorsitzender des Kreisfeuerwehrverbandes auch diese Hoffnung. Vor 2015 gehe nichts mehr über diesen Fördertopf.

Alternativ regte Gerald Neu an, ein gebrauchtes Fahrzeug zu erwerben, so wie es Breese gemacht habe. Das würde rund 35 000 Euro kosten und wäre eher zu finanzieren. Minimallösung wäre ein reines Transportfahrzeug, ergänzte Rohde. Mit Blick auf die Fahrzeugtechnik der umliegenden Wehren Wittenberge, Breese und Bad Wilsnack könnten dann zumindest Weisens Kameraden zu Einsätzen gefahren werden.

Kopfschüttelnd reagierte die Wehrführung auf diese Äußerungen. "Die Gemeinde hatte Geld für den Landmarkt, für neue Straßen und jetzt auch noch für einen großen Spielplatz, aber nicht für ihre Feuerwehr", sagte ein sichtlich enttäuschter Friedrich Ziegler. Dem stimmte auch Wehrführer Dietmar Schulze zu. Seit 2006 werde über ein Ersatzfahrzeug gesprochen, doch nichts geschah. "Wir sind außen vor."

Erbost darüber ist auch Mario Dahse, Chef des Fördervereins der Feuerwehr. Bis 2016 sei im Amtshaushalt kein Geld für ein neues Fahrzeug eingeplant. Und wenn wie üblich die Gemeinden selbst die Finanzierung stemmen müssen, stehe Weisen in der Pflicht. Der Förderverein habe ja schon eine Menge erreicht, konnte die Wehr mit Technik versorgen. "Aber ein Feuerwehrauto können wir nun wirklich nicht finanzieren", sagte Dahse.

Zur ständigen Mahnung an diese Situation prangt jetzt ein Schriftzug an dem alten Auto. "Wie lange wollt ihr mich noch quälen", steht darauf geschrieben. Auf Einsätzen und Ausscheiden dürfte das kein Aushängeschild für die Gemeinde sein. Das machte der deutlich hörbare Beifall der Kameraden bei der Enthüllung mehr als deutlich.

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