Vorbereitet auf die Rückkehr der Störche : Frühjahrsputz bei Adebars

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Storchenclub überprüft Horste in Rühstädt und schafft wohnliche Atmosphäre für die Sommergäste

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16. März 2015, 08:00 Uhr

Mitunter ist es Millimeterarbeit, wenn Jörg Dummer den Korb der Arbeitsbühne an ein Storchennest heran führt. Dummer aber hat die Ruhe weg – und die Routine von 23 Jahren Horstputz in Rühstädt.

„Ich war 1992 zu Besuch in Rühstädt und habe mich gefragt, wie man zum Putzen an die Horste kommt. Ein älterer Herr antwortete: ,Beschwerlich.‘ Das war Walter Fritze, Rühstädts Ur-Storchenvater. Als Vermieter von Arbeitsbühnen wurde ich so zum Mittäter und komme seitdem zum Horstputz und zur Beringung her.“

Rund 15 Nester hatte sich der Storchenclub für den Samstag vorgenommen. „Und es ist fast schon traditionell Scheißwetter zu diesem Termin“, kommentierte Uwe Weltin sarkastisch. „Wir begutachten jedes Jahr rund ein Drittel der Horste, führen eine Sichtkontrolle durch, ob das Untergestell und gegebenenfalls auch der Teil des Gebäudes, auf dem es befestigt ist, noch stabil sind“, erklärt er.

Dann gehe es an die Reinigung. Neben allerlei Hinterlassenschaften der Nestbewohner des Vorjahres müsste auch so manch unnatürlicher Baustoff entfernt werden. „Schlüpfer, Handschuhe, ein Büstenhalter und sogar Kondome haben die Störche schon in ihre Nester verflochten“, sagt Weltin. „Das muss natürlich raus.“ Besonders gefährlich seien Bindfäden und Angelschnüre, da sich die Jungtiere daran verletzen könnten.

„Einer der Störche hatte sich im vergangenen Jahr sogar mit Sandsäcken ausgestattet, vielleicht, um sich vor einem neuerlichen Hochwasser zu schützen“, fügt Jürgen Herper von der Rühstädter Naturwacht hinzu, der ebenfalls bei der Aktion dabei ist.

Derweil sind Carola Benson und George Mannion in den Korb geklettert und bearbeiten einen Horst auf einem Scheunendach. Mit Hacken und Rechen lockern sie die Oberfläche auf, nehmen Unrat aus dem Nest. Anschließend wird der Horst mit Gras ausgekleidet, damit es die Jungstörche in ihrer Kinderstube weich haben.

George und Carola haben im August 2013 die alte Schule in Bälow gekauft, nachdem sie über viele Jahre immer wieder in der Prignitz Urlaub gemacht haben. „Es ist einfach wunderschön hier, die Ruhe, die Natur.“ George hat 55 Jahre in England gelebt, in Sheffield in der Stahlindustrie gearbeitet. Am Donnerstag haben sie in Bad Wilsnack geheiratet. Dann ging es aber nicht etwa in die Flitterwochen, sondern nach einem gemeinsamen Essen nach Rambow, um das Einfliegen der Kraniche zu beobachten. „Wir fühlen uns wohl hier und wollen uns einbringen“, sagt George.

Nachdem der Horst geputzt und ausgekleidet ist, wird am Nachbarhaus ein Kranz aus Zweigen auf den Horst aufgesetzt. „Das ist mehr Kosmetik, damit es für die Besucher schön aussieht“, kommentiert Jörg Dummer. „Der Storch braucht das nicht, der baut sich sein Nest auch ohne Hilfe des Menschen.“

Mit der Reinigung und Kontrolle der Horste allein ist es allerdings nicht getan. „Wir reinigen darüber hinaus die Schneefanggitter und auch die Dachrinnen, damit der Dreck nichts verstopft und Regenwasser ordentlich abfließen kann“, erklärt Jürgen Herper. Der Storchenclub sei bemüht, die Besitzer von Häusern und Scheunen weitgehend von Dreck und Schäden, die die Sommergäste hinterlassen, zu entlasten. „Es soll sich niemand von den Störchen gestört fühlen.“  

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