Freie Fahrt mit Sonnenenergie

<strong>Wirtschaftsgespräch beim Unternehmerball:</strong> Enon-Geschäftsführer Thomas Becken (r.) skizziert Ministerpräsident Matthias Platzeck das Projekt der Eisenbahn-Strecken-Elektrifizierung zwischen Neustadt (Dosse) und Güstrow. <foto>Doris Ritzka</foto>
Wirtschaftsgespräch beim Unternehmerball: Enon-Geschäftsführer Thomas Becken (r.) skizziert Ministerpräsident Matthias Platzeck das Projekt der Eisenbahn-Strecken-Elektrifizierung zwischen Neustadt (Dosse) und Güstrow. Doris Ritzka

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24. Juli 2012, 10:21 Uhr

Putlitz | Das Land Brandenburg muss Geld sparen, will wenig ausgelastete Eisenbahnstrecken für den öffentlichen Schienennahverkehr abbestellen, mit anderen Worten schließen, beispielsweise die von Neustadt (Dosse) über Meyenburg in Richtung Güstrow. Dort sollen eigentlich mit dem Fahrplanwechsel im Herbst nur noch Busse eingesetzt werden.

Thomas Becken, Geschäftsführer der Enon GmbH, die auch die Infrastruktur dieser Strecke besitzt, will das verhindern. Denn ist so eine Eisenbahnstrecke erst einmal abbestellt, werde sie nie wieder aktiviert, ist sich der Prignitzer Eisenbahner sicher. Natürlich muss auch Enon mit seinen Tochterunternehmen für den Güter- und Personennahverkehr, für Infrastruktur und Serviceleistungen vor allem auch auf den rund 400 Kilometer eigener und angepachteter Infrastruktur, sprich Eisenbahnstrecken, effektiv wirtschaften. Becken spricht von rund 1,9 Millionen Euro Umsatz, die benötigt würden, um die Strecke Neustadt (Dosse)-Meyenburg rentabel zu führen. Das erreiche man keinesfalls nur mit dem Personenverkehr. Deshalb der Gedanke, diese Strecke auch für den Gütertransport interessant zu machen. Konkret gehe es um gut 50 Prozent Auslastung über den Güterverkehr. "Wir müssen täglich fünf bis sechs Züge auf die Strecke bekommen", rechnet Becken vor.

Bereits Ende März beim Prignitzer Unternehmerball hatte Becken seine damals noch Visionen Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck im wahrsten Sinne des Wortes skizziert. Zwar nicht auf dem sprichwörtlichen Bierdeckel, aber auf einem kleinen Blatt Papier. Später wurde ein Konzept daraus entwickelt, dem zuständigen Ausschuss des brandenburgischen Landtages vorgestellt. Mit Erfolg: "Das Land gibt uns zwei Jahre Zeit", freut sich Becken, wohl wissend, dass die eigentliche Arbeit jetzt erst richtig beginnt.

Worum geht es?

Die Strecke muss für den Güterverkehr elektrifiziert werden, denn "wer von Berlin oder noch von südlicher kommt, fährt elektrisch. Dieselloks verbrauchen das Vierfache an Energie. Es wird aber kein Kunde in Neustadt (Dosse) die Lok wechseln, um unsere Strecke zu benutzen, obwohl sie einen schnellen Anschluss an den Überseehafen Rostock bietet", erklärt Becken. Und er fügt auch gleich an, wie sich Enon diese Elektrifizierung vorstellt. So soll ganz umweltbewusst Strom aus Windkraft- oder Photovoltaikanlagen eingespeist werden. Der Putlitzer ist sich sicher, dafür entsprechende Partner zu finden.

Ein anspruchsvolles Ziel, immerhin spricht Becken hier von einem 110-Millionen-Euro-Projekt. Damit aber könnte die Strecke von Güstrow bis Neustadt (Dosse) elektrifiziert werden. Es müsse jetzt eine Machbarkeitsstudie erstellt werden, eine konkrete Kosten-Nutzen-Rechnung zur Investition, der Strom-Durchleitung und dem Erlös. "Wir müssen auch Möglichkeiten der Förderung prüfen", macht der Enon-Geschäftsführer deutlich. Brandenburgs Wirtschaftsminister Ralf Christoffers habe das Projekt schon sehr "wohlwollend registriert, auch Finanzminister Helmut Markov", sagt Becken nicht ohne Stolz.

Schließlich gehe es bei diesem Vorhaben ja auch nicht allein ums Geld. "Es hängen 50 Arbeitsplätze an dieser Strecke", stellt der Enon-Geschäftsführer klar. "Wen man uns in der Prignitz noch die Infrastruktur wegnimmt, dann können wir hier alles zuschieben", spitzt er das Problem der strukturarmen Region zu. Betont aber gleichzeitig, "wir zeigen ja, dass es geht, sind deutlich günstiger als die Deutsche Bahn".

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