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Eichenprozessionsspinner : Forstwirte bangen um Existenz

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Eichenprozessionsspinner mindert Holzqualität und verringert Erlöse / Ganze Bestände im Gadower Forst sind gefährdet

von
erstellt am 19.Feb.2015 | 08:00 Uhr

Das Eichensterben in der Prignitz schreitet voran. Schuld hat der Eichenprozessionsspinner sagen Forstexperten. Doch die Bundespolitik kann sich nicht durchringen, eine Bekämpfung in diesem Jahr zu genehmigen.

„Bis jetzt ist das Mittel Dipel ES nicht zugelassen und auch nicht die Bekämpfung aus der Luft“, sagt Dr. Eberhard Lasson. Das Vorstandsmitglied im Grundbesitzerverband Brandenburg verschaffte sich gestern im Gadower Forst einen Überblick zu den Folgen des letztjährigen Befalls.

Die sind unübersehbar. Holger Galonska, Geschäftsführer der Forstbetriebsgemeinschaft Ferbitz, der größten im Land Brandenburg, zeigt abgeholzte Flächen, absterbende Bäume.  „Rund ein Prozent des Eichenbestandes verlieren wir pro Jahr durch den Schädling“, sagt er.

Am 10. Februar habe in Bonn das jüngste Fachgespräch zu dieser Thematik stattgefunden – ohne Ergebnis. Seit Sommer des letzten Jahres verhandeln Behörden, so Eberhard Lasson. Während das Bundeslandwirtschaftsministerium einer Bekämpfung offen gegenüber stehe, die Entscheidung darüber gerne in Hände der Bundesländer legen würde, komme vom Bundesumweltamt Widerstand.

Die Zeit drängt, mahnt Lasson. Aufgrund des milden Winters müsste die Bekämpfung schon Mitte April stattfinden. Eine effektive Vorbereitung brauche etwa einen Monat. „Bekommen wir binnen zwei Wochen keine Genehmigung, läuft uns die Zeit davon.“

Der Landkreis Prignitz baut dem vor und plant in diesem Jahr erneut eine großflächige Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners. Derzeit läuft eine Ausschreibung, welches Unternehmen den Zuschlag bekommen soll, informiert Pressesprecherin Christel Spenn. Bekämpft werde aus der Luft.

Im Spätherbst wurden die Erfassung der gemeldeten Befallsflächen abgeschlossen und Karten erstellt. Anders als in den Vorjahren gingen diese Karten an die anerkannten Naturschutzverbände. Bis zum 5. März können sie Einwände formulieren. „Diese werden wir bewerten und ggf. Konsequenzen für die Bekämpfung ziehen“, so Christel Spenn. Unterdessen lichten sich die Eichenwälder in Gadow.

 

Tatort Lanz

Ein Eichenwald kurz hinter der Schule ist verschwunden – 200 Bäume, 120 Jahre alt. Gut 40 Jahre hätten sie noch wachsen können. Tatort Deichhinterland: Vor Lütkenwisch stehen einzelne Eichen auf der Wiese. Ihre Schwestern sind gerodet. Tatort Bärwinkel: Mitten in Gadower Forst klafft ein Loch im Wald. Die amerikanische Traubenkirsche wächst, wo einst mächtige Eichen standen. Tatort Gadow: Abgestorben steht mit 1000 Jahren die älteste Eiche des Forstes vor uns. Den Kahlfraß 2014 durch den Eichenprozessionsspinner hat dieses Naturdenkmal nicht überlebt.

„Sieben Hektar Eiche haben wir in den zwei letzten Jahren geschlagen“, sagt Holger Galonska, Geschäftsführer der Forstbetriebsgemeinschaft Ferbitz. Doch nicht nur das Landschaftsbild ändert sich. Waldbesitzer erleiden wirtschaftliche Einbußen: „Erstmals konnte ich gestern das befallene Eichenholz nicht verkaufen“, sagt Galonska. 60 000 Euro sollte der Erlös bringen, jetzt erwartet Galonska 30 bis 40 Prozent weniger.

„Durch den Kahlfraß werden die geschwächten Bäume anfällig für andere Schädlinge, wie dem Eichenkernkäfer. Sie führen letztendlich zum Absterben“, erklärt der Forstexperte. Die Käfer schädigen das Holz, für die Möbelindustrie wird es wertlos. „Jetzt müssen wir es nach China verkaufen“, meint Galonska. Oder als Material für den Bau von Särgen, habe ihm der Händler vorgeschlagen.

Lustig sei das alles nicht. Waldbesitzer Max Heerenman ist frustriert: „Erst hatten wir das Eschensterben, jetzt sterben die Eichen, die Douglasien will der Naturschutz auch nicht mehr haben. Wie sollen wir noch Forstwirtschaft betreiben?“, fragt er.

Auch die Menschen leiden unter dem Schädling, dessen feine Härchen Allergien auslösen. Firmen haben ihren Straßenbau unterbrochen, Einsatzkräfte beim Hochwasser mussten ärztlich behandelt werden – belegte Fälle, die zeigen, dass die Raupen eine ernst zu nehmende Gefahr sind.

Dr. Eberhard Lasson, Vorstandsmitglied im Grundbesitzerverband Brandenburg, kritisiert die Naturschutzbehörden und wirft ihnen Scheinheiligkeit vor. „Alleen werden geschützt, weil es dort Eichen gibt. Vor zehn Jahren haben Naturschützer Kahlschläge in Wäldern verurteilt. Jetzt sterben Allen und wir sind zu Kahlschlägen gezwungen, weil der Naturschutz eine Bekämpfung ganz oder in Teilen verhindert“, klagt er an. Das bisher zugelassene Mittel Dipel ES wirke unstrittig selektiv und schädige fast ausnahmslos den Eichenprozessionsspinner.

Doch all das interessiere manche Naturschützer nicht. „Momentan gilt für sie das Motto: Nur ein toter Baum, ist ein guter Baum“, sagt Dr. Eberhard Lasson.

 

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