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Der Prignitzer

23. Oktober 2017 | 02:48 Uhr

Flut: Jeder Handgriff muss sitzen

vom

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erstellt am 21.Okt.2012 | 04:56 Uhr

Cumlosen | Vor allem die jüngeren Feuerwehrleute, Bundeswehrsoldaten und THW-Kräfte benötigten am Sonnabend schon sehr viel Fantasie, um sich an der Elbe bei Cumlosen ein Hochwasser vorzustellen. Die Sonne strahlte vom Himmel, das Wasser war weit entfernt. Bei sommerlichen Temperaturen wurde im Rahmen einer Übung zentnerweise Sand geschippt, wurden Säcke gestapelt, Folien und Faschinen verlegt.

Die mehr als 80 Teilnehmer waren konzentriert bei der Sache - schließlich haben gerade die zurückliegenden zehn Jahre gezeigt, dass an der Elbe und ihren Nebenflüssen nicht immer eitel Sonnenschein herrscht, dass es bei Fluten in diesem Zeitraum mehrfach Spitz auf Knopf stand. "Wir üben die grundlegenden Handgriffe alle drei bis vier Jahre und haben mit diesem Rhythmus gute Erfahrungen gemacht", sagt Karlheinz Elert, Koordinator für Katastrophenschutz in der Kreisverwaltung. 2002 arbeitete er noch ehrenamtlich im Hochwasserstab mit, danach hauptamtlich beim Landkreis, hat also in seiner Position alle hohen Wasserstände der jüngeren Vergangenheit hautnah miterlebt. Die jüngeren Einsatzkräfte beim Hochwasserschutz anzulernen beschreibt er als Kernanliegen der Übung. "Die Feuerwehren sind daran interessiert, dass ihre Aktiven auf solche Ereignisse vorbreitet sind. Man kann nie wissen, wann und in welchem Umfang eine Flut eintritt", macht Karlheinz Elert deutlich.

Trainingswochenenden wie dieses sind übrigens keine Erfindung der "Neuzeit", wie Dirk Günther vom Landesumweltamt klarstellt. "Das war vor der Wende Standard. Im Ergebnis der großen Hochwasserereignisse hat man sich besonnen, die turnusmäßigen Schulungen wieder aufleben zu lassen. In diesem Jahr ist das brandenburgweit schon die achte Hochwasserschutzübung", resümiert Günther, der unter anderem seit Jahren die Sonderbauwerke an der Elbe und den Nebenflüssen betreut, die Prignitzer Flusslandschaft wie seine Westentasche kennt.

Nach 2005 und 2009 ist das die dritte Hochwasserschutzübung in der Prignitz - für Christopher Hensel von der Freiwilligen Feuerwehr Rühstädt die erste. "Live erlebt habe ich die Hochwasserereignisse in den letzten Jahren natürlich, aber als Feuerwehrangehöriger noch nicht aktiv mitgemacht", sagt der junge Mann. Gemeinsam mit Torsten Blüthmann von der FFw Breese trainiert er das effektive Befüllen von Sandsäcken. Die Breeser warten ihrerseits sehnsüchtig auf den lange versprochenen Deich, damit Hilfseinsätze wie der im Januar/Februar 2011 künftig überflüssig werden. Andererseits sind sich gerade die erfahreneren Helfer darin einig, dass man auch bei einem noch neuen und stabilen Deich gewappnet sein müsse, dass die Natur letztendlich unberechenbar bleibt - obgleich man an der Elbe in der Prignitz stets eine relativ lange Vorwarnzeit hat. Und die wird auch künftig dafür genutzt, alle verfügbaren Kräfte zusammenzuziehen und genau die Dinge zu veranlassen, die Samstag geübt wurden.

Zuvor gab es eine theoretische Einführung, in der u. a. die Biberproblematik eine Rolle spielte. Darüber informierte Jürgen Herper von der Naturwacht Rühstädt. Die Deiche vorausschauend vor Schäden zu schützen und die Tiere dennoch nicht zu verdrängen, sei das Ziel.

Die Anregung zum dritten Hochwasserschutztraining dieser Art im Landkreis kam aus dem Amtsbereich Bad Wilsnack/Weisen. Immerhin seien rund zwei Drittel der Hilfskräfte noch nicht direkt mit dem Einsatz bei einer Flut konfrontiert gewesen, argumentierte Ordnungsamtsleiter Gerald Neu im Vorfeld. "Es wäre gut, wenn wir mal wieder üben würden", so Neu.

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