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Der Prignitzer

24. November 2017 | 19:57 Uhr

Flut 1888: Kaiserin besucht Opfer

vom

svz.de von
erstellt am 17.Jul.2013 | 09:06 Uhr

Wittenberge | Mit dem Hochwasser kommen die Herrschenden zu Visiten zu den mit der Flut kämpfenden Menschen. Das ist heute so, siehe Angela Merkels Besuch auf der Ölmühle, und das war früher so. Heute fliegen die Politiker mit dem Hubschrauber ein. Vor 125 Jahren kamen sie mit Extrazug und Kutsche. Im April und Mai 1888 hatten vor allem die Bewohner unterhalb von Wittenberge bei Lenzen und in der Wische mit einer großen Elbflut zu kämpfen.

Aus Berlin kam am 3. Mai , so berichtet die Wittenberger Chronik, Kaiserin Auguste Viktoria mit einem Extrazug nach Wittenberge, "um von hier auf der Elbe in das Überschwemmungsgebiet bei Lenzen weiterzureisen".

Der Wittenberger Mario Sembritzki hat sich mit diesem Besuch der Kaiserin näher befasst und stieß in Chroniken wie auch im Internet auf interessante Details. Es herrschte wohl nicht gerade Kaiserwetter, als am Morgen des 3. Mai 1888 der Hofzug seiner Majestät auf dem Wittenberger Bahnhof einfuhr. Es war grau, trübe und es regnete. "Doch Wittenberger brachten trotz des Wetters gute Laune mit zum Bahnhof und jubelten unter den Regenschirmen ihrer Kaiserin und deren Gefolge zu", hat Mario Sembritzki herausgefunden. Der Grund des kaiserlichen Besuchs, so Sembritzki, war nicht nur Wittenberge. Ihre Majestät wollte sich einen Überblick im Überschwemmungsgebiet um die Gemeinde Lenzen und Dömitz verschaffen. Einige Dörfer sollen damals komplett unter Wasser gestanden haben.

Vor dem Bahnhof stand ein geschlossener Wagen zur Weiterfahrt bereit. Trotz der Regenschauer soll die Kaiserin darauf bestanden haben, dass das Verdeck der Kutsche aufgeschlagen wird, da sie den Wittenbergern die Freude, ihre Kaiserin zu sehen, nicht nehmen wolle. Die Kaiserin und ihre Begleitung wollten zum Wittenberger Hafen. Sembritzki schreibt: "Unterwegs gab es einen kurzen Aufenthalt an der Gemeindeschwesternstation. In Wittenberge wurden über 700 Gerettete aus den Überschwemmungsgebieten aufgenommen und betreut.

Dort wurde die Kaiserin von den Damen des Unterstützerkomitees begrüßt." Im Hafen soll ein aus schwarz-weiß-roten Fahnen gestaltetes Zelt als Eingang zum kaiserlichen Schiff gestanden haben. Durch das Zelt schritt die Kaiserin an Bord der festlich geschmückten "Hermes". Mit ihr und weiteren ebenfalls geschmückten Dampfschiffen ging es dann stromab. An den Deichen standen Menschen und grüßten trotz Regens die Kaiserin.

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