Elbe : Fluss bleibt Spielball der Interessen

Niedrigwasser: Gestern hatte die Elbe nur noch 1,57 Meter am Pegel Wittenberge.
Niedrigwasser: Gestern hatte die Elbe nur noch 1,57 Meter am Pegel Wittenberge.

Ausbau, Naturschutz, Tourismus, Geld – BUND und regionale Vertreter diskutieren über Chancen, Gemeinsamkeiten und Trennendes

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30. Juni 2015, 22:00 Uhr

Eine öffentliche Badeanstalt an der Elbe. In Hamburg existiert eine, hier seien dafür Sand und Wasser ausreichend vorhanden. Mit diesem Vorschlag stößt der BUND-Elbexperte Dr. Ernst Paul Dörfler auf keinen Widerstand. „Das wäre eine tolle Attraktion“, sagt Wittenberges Bürgermeister Dr. Oliver Hermann.

Er wolle sie ernsthaft prüfen, kein Ergebnis vorweg nehmen, aber: „Die Anforderungen an den Betreiber dürften hoch sein, vor allem vom Sicherheitsaspekt her.“ Strömung und Bundeswasserstraße nennt er zwei Punkte, die berücksichtigt werden müssten.

Das Gespräch während der vom BUND initiierten Dialog-im-Boot-Tour am Montag bezeichnet Hermann als konstruktiv. „Naturschutz, Biosphärenreservat, die Bahn als Alternative zum Lkw. Wir haben Gemeinsamkeiten und stellen vielleicht zu oft das uns Trennende in den Mittelpunkt“, meint Hermann.

Aber spätestens, wenn es um Schiffbarkeit und Fahrrinnentiefe geht, hat sich das Gemeinsame erledigt. „Das lange verfolgte Ziel einer ganzjährigen Befahrbarkeit der Elbe für Frachtschiffe mit einer Mindesttiefe von 1,60 Meter wurde inzwischen aufgegeben“, so der BUND.

Das Bundesverkehrsministeriums halte nur noch eine Tiefe von 1,20 bis 1,30 Meter für realistisch. Der Umweltschutzbund geht sogar so weiter und sagt: „Die Bedeutung der Elbe für den Güterverkehr geht objektiv zurück. Das knappe Wasser setzt enge Grenzen. Stattdessen ist ein stärkeres Engagement für den Flusstourismus und für Verbesserungen in Ökologie und Hochwasserschutz in Zukunft gefragt. “ Das sei das Fazit der Bootstour.

Bürgermeister Hermann sieht das anders: „Es geht um Kompromisse. Die Buhnenunterhaltung und der Ausbau von Schwachstellen für die Schifffahrt sind Minimalforderungen.“ Alles andere wäre kein Kompromiss, sondern ein Durchsetzen von Naturschutzdingen.

Wirtschaft und Tourismus müsse als Einheit gesehen werden, macht Hubert Finke, Leiter der Außenstelle Wittenberge im Wasser- und Schifffahrtsamt Magdeburg, deutlich. Er nahm ebenfalls an dem Dialog teil und erklärt: „Immer mehr Sportboote haben einen Tiefgang von 1,40 Meter, flache Schubverbände von nur 80 Zentimetern.“ Damit seien punktuelle Maßnahmen auch für den Tourismus dringend geboten.

Das um so mehr, weil Sportbootkapitäne längst nicht das Fachwissen wie die Berufsschiffer haben. „Letztere haben ein Patent erworben , kennen alle Tücken“, so Finke. Der Wassertourist hingegen braucht einen zuverlässigen Verlauf der Elbe. Und wer bei Tourismus nur an Kanuten denke, blende die Realität aus.

Die Realisierung der 1,60 Meter sei zwar noch nicht gänzlich aus der Diskussion, aber eine geringere Tiefe zeichne sich ab. Welche das sein wird, könne er, so Finke, noch nicht sagen. Er persönlich argumentiert für ökologische Maßnahmen, die zugleich den Wasserstand positiv beeinflussen. So seien vor 80 Jahren bei Lenzen an Niedrigwasserstellen Kopfschwellen eingebaut worden. Damals ein Pilotprojekt, welches aber bis heute wirkt. „Der Wasserstand steigt leicht, die Fließgeschwindigkeit auch, Sediment wird abgetragen.“ An Ernst Paul Dörfler gewandt sagt Hubert Finke, dass es ohne solche Maßnahmen keine Buhnenfelder und keine Sandstrände geben würde. „Dann könnten wir gar nicht über eine Badeanstalt nachdenken.“

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