PUTLITZ : Flüchtlingsfamilien ziehen nach Putlitz

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Behörden informierten auf Bürgerversammlung über aktuelle Entwicklungen

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29. Januar 2016, 22:00 Uhr

Zwei Flüchtlingsfamilien sollen in der kommenden Woche in Putlitz untergebracht werden. Das erfuhren Einwohner am Donnerstagabend auf einer Bürgerversammlung. Insgesamt handelt es sich um neun Personen, die der Landkreis in der Stadt unterbringt. Die beiden Familien, einmal vier, einmal fünf Menschen, sollen in zwei Wohnungen in der Rudolf-Breitscheidt-Straße ziehen.

Bernd Dannemann, Bürgermeister von Putlitz, kündigte zu Beginn der Infoveranstaltung an und mahnte: „Wir wollen hier ausdrücklich nicht über die Politik der Bundesregierung diskutieren.“ Hergen Reker, Direktor des Amtes Putlitz-Berge, erklärte, dass man erst kurzfristig über die konkrete Belegung informiert worden sei. Neben den Wohnungen gibt es noch ein umgebautes privates Gewerbeobjekt im Mertensdorfer Weg, das eine Kapazität für ungefähr zwölf Personen hat. Dieses könnte ab Mitte Februar belegt werden. Mittelfristig rechnen die Behörden insgesamt mit 20 Flüchtlingen in Putlitz.

Jean Haker-Böwe, Koordinatorin für Asylfragen des Landkreises, bestätigte dies. „Die Prignitz hat im letzten Jahr 1021 Flüchtlinge zugewiesen bekommen. Wir schaffen es, diese fast ausschließlich in Wohnungen unterzubringen.“ Über eine Obergrenze für Putlitz zu diskutieren, hielt Dannemann für nicht zielführend. Hergen Reker ergänzte, dass der Landkreis versichert habe, sich bei der Aufnahme an der Größe der Kommunen zu orientieren. „Putlitz hat nicht die Kapazität für 500 Flüchtlinge, also bringen Sie bitte solche Zahlen nicht in die Diskussion ein“, so Reker an die Bürger.

Auch die Kriminalitätsrate von Zuwanderern beschäftigt die Putlitzer. Bodo Zackert, stellvertretender Leiter der Polizeiinspektion Prignitz, bemerkte dazu: „Die Kriminalität liegt nicht höher als unter Einheimischen, hat aber einen etwas anderen Charakter. Wir reden da überwiegend von nächtlicher Ruhestörung, Sachbeschädigung und Ladendiebstahl.“ Differenzen mit der Bevölkerung seien in Gemeinden wie Berge und Baek bisher gering. Ines Franke von der Awo, verantwortlich für die Flüchtlingsbetreuung im Bereich Putlitz, versicherte, dass sie als erste Ansprechpartnerin in ernsten Fällen auch kurzfristig zu erreichen sei. Eines der wenigen Probleme, die in anderen Gemeinden aufgetreten seien, ist laut Franke das fehlende Wissen um die Mülltrennung. „Sie kennen es so nicht. Es dauert eine Weile, aber sie lernen es.“ Auf die Frage, ob die Polizei überhaupt genug Personal habe, antwortete Bodo Zackert: „Wir würden uns natürlich wünschen, dass unsere Personaldecke aufgestockt wird. Der Planspiegel ist in letzter Zeit leicht erhöht worden.“

Berges Bürgermeister Werner Eckel gab Einblicke in die Praxiserfahrungen seiner Gemeinde. „Die Verweildauer bei uns in Berge ist nicht sehr hoch. Erfahrungsgemäß wollen die Flüchtlinge schnell weiter in eine große Stadt.“ Das mache eine Integration auf Dauer schwierig, denn „Freundschaften fürs Leben werden so zwischen Bürgern und Flüchtlingen wahrscheinlich nicht entstehen“, sagte Eckel.

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