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Unterbringung von Flüchtlingen : Flüchtlinge ziehen ins Gästehaus

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Unterbringung ist für maximal 40 Menschen gedacht

von
erstellt am 28.Okt.2015 | 12:00 Uhr

Der Landkreis beabsichtigt, im Jugendgästehaus in der Perleberger Straße Flüchtlinge unterzubringen. Das sagte gestern auf Nachfrage Christian Müller als Erster Beigeordneter des Landrats und bestätigte damit entsprechende Gerüchte in der Stadt. Mit dem Eigentümer des Gästehauses seien entsprechende Gespräche geführt worden. Müller geht davon aus, dass in den nächsten Tagen die Vereinbarung in Vertragsform fixiert wird.

Das Jugendgästehaus wird privat betrieben. Es gehört der Genesis GmbH. Deren Gesellschafter Lutz Lange sagte dem „Prignitzer“ gestern: „Ja, es hat diese Gespräche mit dem Kreis gegeben.“ Ins Auge gefasst sei eine mehrmonatige Übergangslösung. „Mit Beginn der Sommersaison benötigen wir die Einrichtung selbst wieder, um beispielsweise Teilnehmer von Lehrgängen oder Trainingslagern unterzubringen.“

Vor rund vier Wochen hatte der Landkreis schon einmal versucht, das Jugendgästehaus zu mieten. Lange hatte damals noch einem Absage erteilt.

Woher der Sinneswandel?

Lange sagt: „Bevor der Landkreis Turnhallen wie die des Oberstufenzentrums für die Unterbringen von Menschen nutzen muss und damit der Schul- und Vereinssport ausfällt, muss man umdenken.“ Deshalb habe die Genesis – auch in Absprache mit der Stadt – ihre Absage zurückgezogen.

Für Bürgermeister Dr. Oliver Hermann ist es ganz klar: „Turnhallen müssen so lange wie möglich freigehalten werden, ihre Nutzung für das Einquartieren von Flüchtlingen kann nur als allerletzte Maßnahme ins Auge gefasst werden.“ Dr. Hermann machte gestern gegenüber der Redaktion aber auch keinen Hehl aus seiner Position, dass der Landkreis so lange wie möglich „vorzugsweise auf Wohnungen zurückgreifen sollte, um Flüchtlinge unterzubringen“.

Müller sagt, der Kreis habe seine Position nicht geändert, die Ankömmlinge dezentral unterzubringen. Das stünde auch nicht im Widerspruch zur Nutzung des Jugendgästehauses. Priorität hätte nach wie vor die Belegung von Wohnungen.

Weshalb dann aber das Jugendgästehaus, wenn in Wittenberge genügend Wohnungen leerstehen?

Müller erklärt: Wenn der Bedarf sehr groß sei, „weil wir über die Quote hinaus Menschen aufnehmen müssen“, Wohnungen sich dann nicht so schnell wie erforderlich her- und einrichten lassen, dann sei es gerechtfertigt, auf wohnungsähnliche Unterbringungen zurückzugreifen. Das Jugendgästehaus, in dem maximal bis zu 40 Flüchtlinge untergebracht würden, „weist aus unserer Sicht solche Strukturen auf, weil es über abgeschlossene separate Wohneinheiten verfügt“. Aus Sicht des Ersten Beigeordneten „wäre es auch keine andere Situation, wenn wir den ganzen Aufgang eines Wohnhauses anmieten“. Auch das entspräche dann ja nicht dem Prinzip dezentraler Unterbringung..  

 

 

 

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