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Vor-Ort-Besuch in Baek : Flüchtlinge verlassen bald ihre Wohnungen

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Sozialarbeiterin Ines Franke von der Arbeiterwohlfahrt Prignitz ist mit Herz und Seele bei der Flüchtlingsbetreuung.

svz.de von
erstellt am 12.Mär.2017 | 12:00 Uhr

Ines Franke von der Arbeiterwohlfahrt (Awo) Prignitz betreut die zwei Familien sowie die fünf allein reisenden Männer, die im Groß Pankower Ortsteil Baek leben. Sie alle kommen aus Afghanistan. Früher lebten auch Syrer hier, doch diese sind nach der Anerkennung in andere Wohnungen gezogen.

Wir treffen die Migrations-Mitarbeiterin bei einem ihrer Vor-Ort-Besuche. Sie betreut seit langem die Baeker Flüchtlinge, sie kennt ihre Probleme, weiß, welche Ärzte gebracht werden und was für einen Schul- oder Kita-Besuch notwendig ist. Je länger man Ines Franke zuhört, um so deutlicher wird, dass sie in ihrem Job aufgeht. Das spiegelt sich auch später bei den Besuchen in den Familien wider.

„Es sind die letzten Wochen, die die Flüchtlinge hier wohnen“, erzählt Ines Franke. „Auf Grund der zurückgehenden Zahlen der Asylbewerber trennt sich der Landkreis von angemieteten Wohnungen. Da auf den Dörfern einiges an Infrastruktur fehlt, kündigt man zunächst die Wohnungen hier.“

Zum Jahresbeginn gab es auch organisatorische Veränderungen. Der Landkreis stellte zwei Mitarbeiter als Beauftragte Migration ein, sodass die Awo jetzt nur noch die Flüchtlinge betreut, die mit Stichtag 1. Januar Bezüge nach dem Asylbewerberleistungsgesetz vom Sozialamt erhalten.

Inzwischen haben auch alle Antragsteller, die in Baek wohnen ihre Bescheide bekommen. Einer der Männer hat eine Anerkennung für drei Jahre, die anderen vier Männer klagen jetzt gegen ihre Ablehnung, eine Familie hat subsidiären Schutz (subsidiärschutzberechtigt sind Menschen, die stichhaltige Gründe dafür vorbringen, dass ihnen in ihrem Herkunftsland ein ernsthafter Schaden droht und sie den Schutz ihres Herkunftslands nicht in Anspruch nehmen können oder wegen der Bedrohung nicht in Anspruch nehmen wollen) erhalten und die andere eine Ablehnung mit Abschiebeverbot. Also geht es für Ines Franke weiter darum, den Alltag der ihr anvertrauten Menschen zu begleiten. Da geht es um Arzttermine, das Besorgen von Behandlungsscheinen, Kontakt zu den Behörden, Probleme in Kita und Schule bis hin zur Wohnungssuche. Vieles wird im Pritzwalker Büro besprochen, wo Franke in der Regel montags bis freitags von 8 bis 13 Uhr zu erreichen ist oder eben bei den Besuchen.

Diesel Mal geht es zur Familie Uryakhil, die einst in Kundus lebte und seit Mai 2015 in Baek. Die Familie hat sechs Kinder, das siebente ist unterwegs. So geht es bei den Gesprächen hier um den Kindergartenplatz für den jüngsten Sohn Djahed und den nächsten Arzttermin der Mutter. Dabei sitzen alle auf dem Teppich und trinken Tee.

Vater Hamid lobt das Wirken der Sozialarbeiterin. „Sie ist gut, sie ist immer für uns da“, sagt er, während er mit Ines Franke den Antrag für den Kita-Platz ausfüllt und unterschreibt. Die elfjährige Tochter Kreshma hilft, wenn ihrem Vater die Worte fehlen. Schnell wird noch die aktuelle Post gesichtet. Der Alltag ist für die Familie nicht immer leicht zu bewältigen, wie Hamid Uryakhil berichtet. Allein fahrtechnisch ist er in der Woche jeden Tag drei Stunden unterwegs. Dann steht der Besuch des Deutschkurses auf dem Plan. Anschließend Behördenbesuche und Einkäufe und mit den vollen Taschen wieder zurück nach Baek.

Weiter geht es zur sechsköpfigen Familie Safi aus Kapisa. Hier werden aktuelle Informationen zur Wohnungssuche ausgetauscht.

Zum Abschluss zeigen die Safis noch ihren kleinen Garten, den sie im vergangenen Jahr auf traditionelle afghanische Weise anlegt haben.

In Baek waren sie alle integriert. Es gab gute Kontakte zu den deutschen Nachbarn, die Männer und Jungen gingen montags zum Fußball auf den Sportplatz oder in der Sporthalle. Auch ein Grund, warum die jungen Männer eigentlich gern in Baek wohnen bleiben würden, aber da der Landkreis die Wohnungen kündigen will, müssen auch sie demnächst ihre Sachen packen und in eine der drei Städte, Perleberg, Pritzwalk oder Wittenberge ziehen.

Nun, nach dem Umzug gilt es, neue Kontakte zu knüpfen und sich in den Städten einzubringen.

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