Flohmarkt: gucken, schnattern, kaufen

Was für den einen eine ausgediente Kamera, ist für den anderen ein Liebhaberstück.
Was für den einen eine ausgediente Kamera, ist für den anderen ein Liebhaberstück.

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01. November 2012, 07:19 Uhr

Wittenberge | Zwischen Ständen mit selbstgestrickten Socken, Weihnachtsdeko, Blumenzwiebeln, ausrangierten Büchern, Geschirr, frischem Obst und Gemüse zogen am Mittwoch noch einmal Hunderte über den Parkplatz des WEZ. Waldemar Pänner hatte dort zum letzten Mal in diesem Jahr und vielleicht sogar zum letzten Mal überhaupt in Wittenberge seinen Flohmarkt organisiert. Pänner, wie auch die Stadt Wittenberge, wollen aber, so versichern sie unbedingt, dass es mit dem Flohmarkt weiter geht. Und die Besucher wollen es sowieso. "Eine Schweinerei ist das, uns den Markt zu verbieten", schimpft eine Frau - ihren Namen möchte sie lieber nicht nennen - auf die Stadt Wittenberge, weil die doch den Markt untersagt hätte.

Das ist richtig und falsch zugleich. Fakt ist, bei den Flohmärkte, die Waldemar Pänner aus dem benachbarten Niedersachsen seit einigen Jahren mit wachsendem Erfolg am WEZ organisiert, hatte er sich bislang nicht darum gekümmert, dass das Brandenburgische Ladenöffnungsgesetz den Handel nur an sechs Sonn- bzw. Feiertagen im Jahr gestattet und das auch nur, wenn die Stadtverordneten von Wittenberge die Tage zuvor genehmigt haben. Im Rathaus in Wittenberge hatte man bis vor wenigen Wochen ein Auge zugedrückt (der "Prignitzer" berichtete), bis der Landkreis die Kommune aufforderte, die Gesetzlichkeit herzustellen. Damit war der Flohmarkt am 31. Oktober (erst einmal) der letzte.

"Am 19. November habe ich im Rathaus ein Gespräch. Ich möchte, dass es weitergeht, schließlich habe ich mir hier über die Jahre eine Existenz aufgebaut", sagt Pänner dem "Prignitzer". "Seit ich auf Vermittlung von Herrn Karger aus dem Ordnungsamt sonntags den WEZ-Parkplatz als Stellfläche für die Händler nutzten kann, läuft es gut". "Es hat aber auch so an die zwei Jahr gedauert, bis ich es soweit hatte", erzählt Pänner. Viele Gedanken hat er sich jetzt gemacht, wie es weitergehen kann. Dass der Flohmarkt stattfindet, wenn an genehmigten Sonntagen auch das WEZ geöffnet hat, schließt er aus. "Wo sollen die Händler ihre Stände aufbauen, wo die Autos parken?" Auch ein Platz in der Innenstadt sei im Gespräch, weiß der Marktinitiator, bezweifelt aber, "dass die Leute, die zum WEZ kommen, auch in die Innenstadt fahren".

"Wir suchen unter Einhaltung der gesetzlichen Regelungen zu den Sonn- und Feiertagsöffnungszeiten nach Lösungen, weil wir möchten, dass der Flohmarkt auch künftig stattfindet", sagt für das Ordnungsamt Uwe Karger.

Unbedingt muss eine Lösung gefunden werden, sagen Wilfried Thoms und Wiltraud Hein. Die beiden gehörten am Mittwoch zu jenen, die von Stand zu Stand bummelten. "Gucken, mit Bekannten schnattern und kaufen, so machen es doch alle hier und allen gefällts", sagen sie und wären nach eigenen Worten sehr enttäuscht, wenn das künftig nicht mehr möglich ist. "Zumal man hier auch für kleines Geld etwas kaufen kann", sagt Familie Milatz, die extra aus Richtung Arendsee zum Markt gekommen ist. Aus Arendsee ist auch Heiko Seifert gekommen. Er ist Händler, bietet Socken aller Art und Größe an. "Ich verstehe die ganze Aufregung nicht", meint der Mann. Wenn es nicht anders geht, müssen eben die Gesetze geändert werden, das Verbot sei doch nicht zeitgemäß.

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