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Der Prignitzer

25. November 2017 | 12:44 Uhr

Fleißiges Jungvolk eingeschwärmt

vom

svz.de von
erstellt am 17.Jul.2013 | 09:14 Uhr

Perleberg | Gestern hat die Gärtnerei der Lebenshilfe Zuwachs bekommen - gar ein ganzes Volk "und ein überaus fleißiges noch dazu", ergänzt Jana Spielberg, sie arbeitet seit 2011 in der Gärtnerei. Ein äußerlich eher unspektakulären Kasten zieht sogleich die Blicke auf sich. 300 000 bis 500 000 Bienen können darin wohnen, "ich habe sie nicht gezählt", fügt Helmut Nohr schmunzelnd an. Er kommt vom Imkerverein Perleberg und Umgebung 1884 e. V. Mit jenem hat die Gärtnerei nun einen Kooperationsvertrag. Ein Jungvolk, "die Bienen stammen aus diesem Sommer", ergänzt der Fachmann, hat er mitgebracht.

Noch etwas zögerlich, als ob sie sich erst einmal neu orientieren müssen, verlassen die Bienen den Stock zu ihrem ersten Ausflug vom neuen Standort auf dem grünen Areal der Gärtnerei aus. "Es ist ihnen offensichtlich noch zu frisch", erläutert der Imker, der sich seit rund 50 Jahren diesem Hobby verschrieben hat.

Die Bienen sind Natur pur, und nur diese bestimmt ihren Lebensrhythmus, so Helmut Nohr. Der Mensch könne zwar begleitend eingreifen, doch Kraftfutter verabreichen, damit eine gute Honigernte unterm Strich heraus komme, das klappt nicht. Und so gibt es in diesem Jahr auch relativ wenig Rapshonig, "es war einfach zu kalt für die Nektar-Absonderung". Doch dieses Auf und Ab mit dem Wetter sei normal, komme alle Jahre wieder vor - "eben der Lauf der Natur".

Mit drei Honigernten im Jahr rechnet der Imker, pro Stock kommen da im Durchschnitt an die 35 Kilo Honig zusammen. "Die besten Völker schaffen auch schon mal 100 Kilo", weiß der Fachmann.

Auch wenn für dieses Jahr die eigentliche Honigernte abgeschlossen ist, auf das Jungvolk wartet im nächsten Frühjahr ausreichend Arbeit. Denn in der Gärtnerei selbst rechnet man vor allem auch mit ihrer Bestäubungsleistung, wie Daniela Dörfel, Projektleiterin, sagt. Zudem sei die Imkerei eine neue Herausforderung für die Mitarbeiter. Jana nickt zustimmend. Sie werde sich in erster Linie um das Volk kümmern. "Natürlich nicht allein, dafür weiß ich noch zu wenig darüber." Zwar habe sie im Vorfeld schon in etlichen Büchern geblättert, bei einem Imker über die Schulter geschaut und selbst auch schon eine Wabe herausgenommen, "doch es gehört einfach noch mehr dazu", gesteht sie. Man spürt förmlich, wie Jana für das Bienenprojekt brennt. "Früher hatte ich zumindest einen Heidenrespekt, eher noch Angst, vor allem, was ähnlich aussah wie Bienen. Heute habe ich Respekt vor den Tieren, die mich einfach faszinieren. Ihr Summen ist für mich Entspannung, ich kann sie stundenlang beobachten."

Mit Helmut Nohr hat Jana da einen Fachmann par excellence an der Seite. Von ihm erfährt man sogleich auch, dass ein Imker mit Argusaugen beobachtet, wenn sein Volk sich anschickt auszuschwärmen, denn das ist ein sicheres Zeichen dafür, dass der Stock für alle zu klein geworden ist. Nicht von ungefähr zählt die Imkerei zur Landwirtschaft, denn auch hier wird geerntet, doch davor steht die Arbeit. Jetzt die Behandlung gegen die Varrohmilbe, dann Fütterung mit Zucker für die Vorbereitung auf den Winter, praktisch als äquivalent für den Honig, den sich der Mensch nun schmecken lässt.

Natürlich werde man im nächsten Jahr auch in der Gärtnerei der Lebenshilfe das erste Mal selbst Honig ernten, "doch erst einmal, um die Früchte der Arbeit selbst zu genießen. Auch für den Wachs habe man bereits kreative Verwendungsmöglichkeiten", gesteht Daniela Dörfel.

Schritt für Schritt wollen die Mitarbeiter der Lebenshilfe aber zu allererst lernen, die neuen Mitbewohnern der Gärtnerei kennen zu lernen. Dazu gehört eben auch das Wissen, um Lebensbedingungen und Haltung der Tiere. Und wenn alles klappt, dann wollen sie vielleicht ihre Kooperation mit dem Imkerverein so gar aufstocken. Dafür schwebt Jana und ihren Kollegen ein Schulbienenstock vor, an den Kita- und Schulkinder live verfolgen können, was sich so alles in einem Bienenstock tut.

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