Fleißarbeit in Lack und Chrom

<strong>Christa und Eberhard Eickhoff</strong> mit ihrem Mercedes 280 SL, Baujahr 1981, den Eberhard in fast dreijähriger Bauzeitwiedervöllig neu  aufgearbeitet und zusammegebaut hat. <fotos>Petra Ferch/Privat</fotos>
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Christa und Eberhard Eickhoff mit ihrem Mercedes 280 SL, Baujahr 1981, den Eberhard in fast dreijähriger Bauzeitwiedervöllig neu aufgearbeitet und zusammegebaut hat. Petra Ferch/Privat

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01. Januar 2013, 05:54 Uhr

Lindenberg | Der Keller im Einfamilienhaus ist schon fast wieder aufgeräumt. In einigen Regalen lagern die nicht mehr verwendbaren ursprünglichen Einzelteile des Mercedes, der jetzt als schickes Cabriolet auf der Auffahrt steht. Ein Mercedes 280 SL, Baujahr 1981. Fast drei Jahre hat Eberhard Eickhoff daran gewerkelt, hat den völlig verrosteten Wagen zunächst in alle Einzelteile zerlegt und dann in mühevoller Kleinarbeit wieder zusammen gebaut, Ersatzteile besorgt, zum Teil selbst aufgearbeitet. Am 4. November 2009 begann er mit den Arbeiten auf seinem Grundstück im Wittenberger Ortsteil Lindenberg. Und noch Anfang 2011, als wir den Tüftler aus Leidenschaft das erste Mal besuchten, war kaum zu ahnen, dass daraus einmal wieder ein Auto wird.

Doch der Oldtimerfreund, der seit über 20 Jahren Mitglied im gleichnamigen Perleberger Verein ist, hatte ein festes Ziel im Auge: Den Saisonstart 2012, also zum Frühjahr. Da gab es zwar dann wirklich die erste Ausfahrt, allerdings anders als gedacht. Denn Eberhard und Ehefrau Christa zogen die Karosse im wahrsten Sinne des Wortes per Hand zum Lackieren. Doch richtig chauffieren konnte Eberhard seine Christa erst später, denn die Zulassung des Oldtimers erfolgte erst am 29. August. Danach aber ging es schon des öfteren auf Tour. Denn eigentlich gilt die große Fleißarbeit ja der Ehefrau. "Weil Christa nicht auf mein Oldtimer-Motorrad steigt, mit dem ich bislang an den Ausfahrten unseres Vereins teilnahm. Und allein auf Tour gehen, wollte ich nicht länger", gesteht der 73-Jährige lächelnd.

Wie viele Stunden er schraubte, schweißte, zusammen fügte, organisierte, hat er nicht gezählt. Das tun die Schrauber wohl auch ohnehin nicht, viel zu sehr nimmt sie ihr Hobby in Bann. Da wird nicht auf die Uhr geschaut. Und Eberhard Eickhoff ist ja schon fast ein Profi in Sachen Pkw-Aufarbeitung. Denn seit 1960 hat der Verkehrsmeister so manchen alten Wagen flott gemacht ob Opel, Wolga oder Mercedes. Aber das Cabriolet war ein ganz besonderer Traum. Nicht ohne Stolz fährt der Lindenberger es aus der Garage. Der Lack glänzt, die Chromteile funkeln. Eberhard Eickhoff kennt jedes Teil, weiß, dass er solide Arbeit geleistet hat, wie ihm ja auch das Vollgutachten der Dekra bescheinigt, ohne das er kein H-Kennzeichen für den Oldtimer erhalten hätte. "Der hat jetzt auch entprechenden Komfort, mit ihm können wir uns im heutigen Straßenverkehr gut bewegen, trotzdem kraftstoffsparend und materialschonend fahren", betont der Tüftler. Denn zum Verkehrshindernis wollte er keinesfalls werden, es sollte schon ein Oldtimer sein, der heutigen Ansprüchen genügt.

Und was folgt als nächstes? Ein Autoaufbau nicht mehr. "Wenn ich 20 Jahre jünger wäre, dann ja, aber mit 73, da wollen die Knochen nicht mehr so, um unters Auto zu kriechen", bekennt der Lindenberger. Einen Wunsch hat er allerdings trotzdem noch, einen tschechischen Kleintraktor mit Knicklenker. TZ4K14C heißt das gute Stück fachlich korrekt. Den will sich der Lindenberger noch beschaffen für die Arbeiten auf dem Grundstück. Aber ein solches altes Stück wieder in Gang zu bringen, sei lange nicht so aufwändig wie der Oldtimer, ist sich der Schrauber sicher. Und seine Christa hofft das auch, damit ihr Eberhard auch etwas mehr Zeit für sie hat.

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