Jubiläum in Wittenberge : Fleischer will nach 25 Jahren nicht kürzer treten

Fleischermeister Karl-Heinz Vader (r.) mit zwei Mitarbeitern in der Produktionshalle.
Fleischermeister Karl-Heinz Vader (r.) mit zwei Mitarbeitern in der Produktionshalle.

Karl-Heinz Vader hat vor 25 Jahren die Fleischerei seines Vaters übernommen / Bürgermeister und Interessenring gratulieren

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09. März 2020, 22:00 Uhr

Wittenberge | „Mit 55 trittst Du kürzer“ – solche und ähnliche guten Vorsätze hat sich schon manch einer gefasst. „Vergiss es“, sagt Karl-Heinz Vader. „Wo willst du kürzer treten?“ Der Wittenberger Metzgermeister ist im letzten Jahr 60 geworden, und Ruhe ist nicht in Sicht.

Vor 25 Jahre vom Vater übernommen

Am Donnerstag feierte er Jubiläum: Vor 25 Jahren hat er die Fleischerei von seinem Vater übernommen und das Geschäft seitdem weiter vergrößert. Bürgermeister Oliver Hermann, Anke Hahn und Thomas Schneider vom Wittenberger Interessenring, Gabriele Hahn vom Gewerbeamt und Jens Knauer, verantwortlich für Gewerbeansiedlungen, überbrachten dem Jubilar ihre Glückwünsche. Und der Bürgermeister ist durchaus nicht unglücklich darüber, dass Karl-Heinz Vader weitermachen will: „Wir wünschen Dir ein langes Berufsleben“, rief er dem Jubilar zu, der als einer der wenigen Fleischer in der Elbestadt für Regionalität und Verarbeitung vor Ort steht.

Lenzen und Lübbenau standen auch noch zur Auswahl, aber glücklicherweise hat er sich für Wittenberge entschieden. Karl-Heinz Vader

In der Tat werden Fleisch und Wurst hier noch traditionell hergestellt. In dem Reihenhaus in der Johannes-Runge-Straße 32 hat sich einst Vader senior niedergelassen. 1965 kam er nach Wittenberge, davor war er bereits sieben Jahre in Neustadt-Glewe tätig. „Lenzen und Lübbenau standen auch noch zur Auswahl, aber glücklicherweise hat er sich für Wittenberge entschieden“, erzählt Karl-Heinz Vader rückblickend. Seinen Urlaub hat der Vater genutzt, um die Fleischerei auszubauen. Das Material war zu DDR-Zeiten stets knapp, und mit Bier hat er die Arbeiter bei Laune gehalten.

Zweigstelle mit größtem Umsatz

Fünf Jahre nach der Wende hat sein Sohn den Betrieb übernommen und einiges verändert, die Produktionsräume renoviert und dem Stand der Zeit angepasst. Weitere fünf Jahre später wagte er dann einen großen Schritt: In der Rathausstraße, direkt am Marktplatz, eröffnete er eine Filiale. Eigentlich wollte er das dortige Gebäude nur renovieren, am Ende wurde es ein Neubau. Doch die Investition hat sich gelohnt, sind sich Karl-Heinz Vader und seine Frau Martina sicher. Obwohl es bis heute „nur“ eine Zweigstelle ist, wirft sie mittlerweile den größeren Umsatz ab. Neben dem Thekenverkauf gibt es dort Frühstück und Mittagsgerichte, im Obergeschoss steht ein Partysaal zur Verfügung.

Insgesamt ist der Fleischermeister zufrieden mit den Umsätzen, beschäftigt momentan rund 15 Mitarbeiter. „Viele sind schon über zehn Jahre hier“, erzählt er, darunter einige Gesellen, Verkäuferinnen und eine Köchin, die immer für ihn da seien. Nur ein Punkt trübt die Bilanz: Ein Nachfolger ist bisher nicht in Sicht, insbesondere nicht in der Familie. Das liege vor allem an der schwierigen Nachwuchssituation. Karl-Heinz Vader war einige Jahre Lehrlingswart in der Fleischerinnung und ist auch weiter bereit, Lehrlinge auszubilden. Aber sie stehen im Metzgerhandwerk nicht gerade Schlange, kaum jemand bewirbt sich. Und mit zwei, drei Auszubildenden hatte Vader in den letzten Jahren Pech. So muss die Frage, ob der Traditionsbetrieb eine Zukunft hat, momentan offen bleiben.

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