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Fleischbranche streitet weiter über Mindestlohn

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Arbeitgeber lassen Verhandlung platzen, lenken jetzt aber ein / Rumänen können sich direkt bewerben

svz.de von
erstellt am 08.Jan.2014 | 00:34 Uhr

Die Fleischbranche ringt weiter um einen Mindestlohn. Während die Bundesregierung verspricht, diesen gesetzlich in Höhe von 8,50 Euro zum 1. Januar 2015 vorzuschreiben, scheiterte die jüngste Verhandlungsrunde im Dezember, informiert Torsten Isernhagen. Als Vorsitzender des Konzernbetriebsrats der VION Food Hamburg GmbH ist der Quitzower Betriebsratsvorsitzende Mitglied der Verhandlungsgruppe der Gewerkschaft NGG und äußert sich in dieser Funktion gegenüber unserer Zeitung.

Der ergebnislose Abbruch der Gespräche kam für Isernhagen überraschend. Zunächst habe die Arbeitgeberseite akzeptiert, dass es keinen Lohnunterschied zwischen West und Ost geben solle. Das war in den ersten Gesprächen noch anders. Da hieß es, im Osten müsse der Lohn niedriger sein. Begründet wurde das mit geringerer Produktivität. „Die damalige Argumentation war inhaltlich völlig aus der Luft gegriffen“, bewertet Isernhagen den Stimmungswechsel.

Nach dieser Hürde wurde eine zweite genommen: „Wir haben acht Euro als Einstieg akzeptiert“, sagt Isernhagen. Allerdings forderte die Gewerkschaft ab Mitte 2015 die 8,50 Euro sowie eine schrittweise Erhöhung bis 2018. Damit konnte sie sich nicht durchsetzen. Für Isernhagen haben die Arbeitgeber damit eine Chance vertan, „aus der Schmuddelecke, in die man sich in den 20 Jahren durch diesen radikalen Verdrängungswettbewerb selbst manövriert hatte, mit diesem ersten Schritt herauskommen zu können“. Der Branche wird Lohndumping und teilweise eine regelrechte Ausbeutung insbesondere der ausländischen Angestellten vorgeworfen.


Vion zahlt bereits über dem Mindestlohn


Den Abbruch der Gespräche nahm Torsten Isernhagen gelassen zur Kenntnis. „Wir glauben der Bundesregierung und rechnen im nächsten Jahr mit dem Mindestlohn.“ Der würde dann auch für ausländische Arbeitnehmer gelten, die derzeit über Werkverträge beschäftigt seien – auch bei Vion in Perleberg. Größtenteils handelt es sich um Arbeiter aus Rumänien. Da sie für eine andere Firma tätig seien, könne Isernhagen nichts zu ihren Arbeitsverträgen sagen.

Da aber für Rumänen seit dem 1. Januar die Arbeitnehmerfreizügigkeit gilt, könnten sie sich schon jetzt direkt bei Vion um einen Arbeitsplatz bewerben. Im Falle einer Zusage würden sie in den Genuss des Tarifvertrages kommen. Laut Isernhagen zahlt Vion in der niedrigsten Entgeltgruppe deutlich über neun Euro. Aber vielleicht lenken die Skeptiker des Mindestlohnes in der Fleischbranche doch noch ein. Gestern gab es überraschend ein Signal, die abgebrochenen Verhandlungen wieder aufzunehmen. Darüber soll am kommenden Freitag gesprochen werden. Grund dafür könnte die Kritik mancher Arbeitgeber an dem Scheitern der Gespräche sein, vermutet Torsten Isernhagen.

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