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Mindestlohn : Fleischbranche: Mindestlohn gilt ab dem 1. Juli

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Erstmals kam es in der Fleischbranche bundesweit zu einer tariflichen Vereinbarung.

Erstmals kam es in der Fleischbranche bundesweit zu einer tariflichen Vereinbarung. Die Tarifkommission der Fleischwirtschaft hat am Montag einen Mindestlohntarifvertrag vereinbart, teilt der Verband der Fleischwirtschaft mit.

Mit diesem wird ein Mindestbruttolohn bundeseinheitlich ab 1. Juli 2014 von 7,75 Euro/Stunde und ab 1. Dezember von 8 Euro/Stunde vereinbart. Ab 1. Oktober 2015 steigt der Lohn auf 8,60 Euro und ab 1. Dezember 2016 auf 8,75 Euro/Stunde. Der Vertrag tritt am 1. Juli 2014 in Kraft.

„Für mich war der Verzicht auf eine Ost-/Westdifferenzierung besonders wichtig, und das haben wir auch durchgesetzt“, sagt Torsten Isernhagen, der als Vorsitzender des Konzernbetriebsrats der Vion Food Hamburg GmbH und als Quitzower Betriebsratsvorsitzende Mitglied der Verhandlungsgruppe der Gewerkschaft NGG ist.

Mit diesem Tarifvertrag werde eine untere Grenze gezogen, die Dumpinglöhne zukünftig unmöglich machen soll. Der Wettbewerbsvorteil, den sich einzelne Unternehmen durch den massiven Einsatz von Werkvertragsunternehmen verschafft haben, werde kleiner, so Isernhagen.

Für ausländische Arbeitnehmer, die über Werkverträge häufig zu skandalösen Bedingungen eingestellt wurden, gelte nun ebenfalls der Mindestlohn. Auch in Quitzow gibt es Werkverträge, deren Details aber weder Vion noch Isernhagen kennen.

Angestellte der größeren Unternehmen werden wohl nicht von dem Abschluss profitieren, da sie genau wie Vion-Mitarbeiter bereits jetzt höhere Löhne erhalten, „aber wir erhoffen uns, dass das Tarifniveau in den Haustarifverträgen insgesamt gehoben werden kann“, sagt Isernhagen.

Er spricht von einem Nachholbedarf, denn die Branche hinke in der Lohnentwicklung gegenüber anderen Branchen deutlich hinterher. Die Folgen seien spürbar: Personal sei schwer zu finden, Ausbildungsplätze bleiben unbesetzt.

Mittelfristig erhofft er sich eine höhere Tarifbindung der Marktteilnehmer, „weil sich die Erkenntnis durchsetzt, dass der Erfolg eines Unternehmens in hohem Maße auch von der Zufriedenheit der Beschäftigten abhängig ist“. Gerade in Zeiten des demographischen Wandels müssten Unternehmen ihre Attraktivität deutlich erhöhen, um Arbeitskräfte für sich zu gewinnen. „Und gute Tarifverträge tragen deutlich zu einer höheren Attraktivität bei“, sagt Isernhagen.

Natürlich werde sich das Produkt an der Theke nach diesem Tarifabschluss verteuern. „Angesichts der Schleuderpreise, zu denen Fleisch teilweise verramscht wurde, ist dies sicher in dem zu erwartenden Rahmen tolerierbar“, stellt der Betriebsratsvorsitzende klar.

Für Isernhagen ist dieser Tarifabschluss nur ein Anfang. Zu diskutieren sei, wer die Einhaltung der Tarifverträge flächendeckend kontrolliert. „Nachfolgend werden auch Mindestarbeitsbedingungen für die Werkvertragsunternehmen zu regeln sein, nicht dass der Mindestlohn durch Abzüge für Wohnung, Arbeitskleidung und Werkzeug wieder ausgehebelt wird“, sagt er.

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erstellt am 15.Jan.2014 | 08:00 Uhr

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