Fischer bangen um ihre Existenz

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26. Juni 2012, 09:59 Uhr

Potsdam | 80 Seen hat das Land Brandenburg kürzlich aus Bundesbesitz übernommen. "Wir freuen uns darüber, dass die Seen auch weiterhin öffentlich zugänglich sein werden", sagt Lars Dettmann, seines Zeichens Geschäftsführer des "Landesfischereiverbands Brandenburg/Berlin e.V", dem rund 100 märkische Fischereibetriebe angehören. "Aber wir fürchten die Begehrlichkeiten des Naturschutzes." Die Fischer hätten Angst davor, ausgebootet zu werden: "Man beschränkt die Fischereimöglichkeiten immer weiter, bis es nicht mehr lohnt."

Damit ein Fischereibetrieb in Brandenburg rentabel arbeiten kann, braucht er nach Angaben Dettmanns zwischen 250 und 300 Hektar Wasserfläche zur Bewirtschaftung. Der Verlust eines 70 Hektar großen Gewässers, wie es etwa der Grubensee ist, würde deswegen für viele Brandenburger Fischer zum Problem.

Denn auch der Grubensee im Landkreis Oder-Spree hat kürzlich seinen Besitzer gewechselt: Eigentlich wollte die private Eigentümerin den See an einen Unternehmer aus Königs Wusterhausen verkaufen. Doch das Land Brandenburg zog sein Vorkaufsrecht, übernahm den Grubensee für 160 000 Euro und übertrug ihn an die Stiftung Brandenburger Naturschutzfonds. "Die Stiftung hat uns in einem Schreiben mitgeteilt, dass zunächst die Eigentumsverhältnisse der Stege geklärt werden müssten, bevor wieder Angelkarten ausgegeben werden könnten", sagt Campingplatzbesitzerin Isolde Göhler. Mit dem Ergebnis, dass viele Dauercamper, die nur zum Angeln an den Grubensee kamen, überlegen, ihren Stellplatz am Seeufer zu kündigen.

Noch härter traf es einen den See nutzenden Fischereibetrieb. In einem dem Uckermark Kurier vorliegenden Schreiben teilte die Stiftung den Fischern mit, dass man das Fischereirecht künftig selbst ausüben wolle: "Wir sehen deshalb keinen Bedarf für den Abschluss eines Fischereipachtvertrags."

So ähnlich könnte es künftig auch anderen Binnenfischern im Land Brandenburg gehen, fürchtet Lars Dettmann.

Auch CDU und FDP im Potsdamer Landtag wenden sich gegen die Übergabe der 80 Seen an Naturschutzverbände. "Wir fordern Minister Vogelsänger auf, dass die bald erworbenen Seen für Anlieger, Fischer und Touristen zugänglich und nutzbar bleiben", sagt CDU-Generalsekretär Dieter Dombrowksi. "Eine Übertragung an Naturschutzverbände lehnen wir strikt ab."

Der FDP-Landesvorsitzende Gregor Beyer schlägt vor, dass künftig der Landesbetrieb Forst Brandenburg für die Verwaltung der neu übernommenen Seen zuständig ist. "Dort kümmert man sich schon heute um die völlig im Wald liegenden Seen", sagt Beyer. "Vor allem aber müssen Fischer und Anglerverbände ein Mitspracherecht erhalten, wenn es darum geht, wie die neu erworbenen Gewässer künftig genutzt werden."

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