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Schadebeuster : Fische ersticken in der Gänsekuhle

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Alter Elbarm speist sich ausschließlich über Grund- und Qualmwasser

svz.de von
erstellt am 13.Aug.2014 | 08:00 Uhr

Tote Fische in der Gänsekuhle. Eine Frau sichtet die verendeten Tiere und verständigt die Kreisverwaltung.

Die Fachabteilung der Kreisbehörde forscht nach den Ursachen und kommt zu dem Ergebnis: Das Fischesterben hat eine natürlich Ursache. Darüber informierte jetzt Pressesprecherin Christel Spenn.

Die Gänsekuhle macht dieser Tage ihrem Namen wenigstens zum Teil alle Ehre. Denn das Gewässer bei Schadebeuster gleicht wirklich einer Kuhle, nur Gänse findet man darauf nicht. Dafür aber bedeckt ein dichter Pflanzenteppich die Oberfläche vollständig, vom Wasser ist nichts mehr zu sehen.

Bei der schwimmenden grünen Masse handelt es sich, so die untere Wasserbehörde, um Wasserlinsen. Diese sowie „die nährstoffreiche Schlammauflage in der Sohle“ in der Gänsekuhle sind laut Wasserbehörde Ursache für eine starke „Sauerstoffzehrung“ in dem Standgewässer. Der fehlende Sauerstoff ist den Fischen zum Verhängnis geworden.

Auf Hinweis der besagten Bürgerin hatten Mitarbeiter der kreislichen Wasserbehörde Proben in der Gänsekuhle genommen und festgestellt, dass der Grund für das Fischesterben „der Sauerstoffmangel im Gewässerkörper“ ist. „Vor Ort wurde ein Sauerstoffgehalt von 0,7 Milligramm je Liter gemessen, während der Mindestgehalt für die Fischfauna bei einem Wert um 4,0 Milligramm je Liter liegt“, so die Wasserbehörde. Und sie kommt zu dem Schluss, dass die Fische „in Verbindung mit einer lang anhaltend niedrigen Wasserführung“ erstickt sind.

In der Gänsekuhle herrscht derzeit im wahrsten Sinne des Wortes Wassermangel. Das Gewässer speist sich nämlich allein über Grundwasser und über das Qualmwasser der Elbe. Der Strom führt seit Wochen wenig Wasser. Auch in der Gänsekuhle fällt der Wasserspiegel. Heike und Holger Jacobi, deren Grundstück in Schadebeuster direkt an die Kuhl grenzt, kennen es nicht anders. Und sie wissen, „dass Fische verenden, wenn zu wenig Wasser im Teich ist“. Anfang der 2000er Jahre, so erinnert sich Holger Jacobi, „war die Gänsekuhle sogar einmal ganz ausgetrocknet“. Der Wasserstand schwanke in Abhängigkeit von der Elbe. Ist es so niedrig wie derzeit, dann hat das Standgewässer – so die fachlich richtige Bezeichnung – auch keine Verbindung mehr zu einer weitern durch eine schmale Landbrücke getrennte Kuhle. Bei normal hohem Wasserstand stehen beide Teiche über ein unterirdisches Rohr miteinander in Verbindung. Hinter diesen beiden existiert noch ein weiterer, dritter Teich.

Jacobis erzählen mit Verweis auf die Chronik von Schadebeuster und auf den Lütjenheider Jürgen Theek, der sich intensiv mit dieser Elbregion befasste, die Kuhlen seien die Überbleibsel eines alten Elbarms. Sie blieben erhalten, als sich die Elbe vor einigen Jahrhunderten ihren heutigen Lauf suchte. Mit der Gänsekuhle befasst sich auch die Verwaltung des Biosphärenreservats bzw. ein von ihm beauftragtes Büro. Rita Rothenstein, bei der Biosphärenreservatsverwaltung für Arten- und Biotopschutz zuständig, berichtet von den Managementplanungen, die derzeit auch für das Flora- und Fauna-Habitat, also Biotop, „Elbdeichhinterland“ stattfinden. In diesem Zuge werde auch die Gänsekuhle begutachtet. Das allein sagt laut Rothenstein aber noch nichts darüber aus, ob es sich bei der Gänsekuhle wirklich um ein Biotop handelt. Sollte das der Fall sein, könnten Maßnahmen zum Erhalt des Habitats eingeleitet werden. Denn darauf ziele das Management.




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