Greifvögel aus Norddeutschland : Fischadler vor Abflug nach Spanien

Auf gehts nach Andalusien: In Transportkisten werden die Fischadler aus Brandenburg nach Spanien transportiert. Dort sollen die Greifvögel wieder angesiedelt werden nachdem sie in den 80er Jahren als ausgestorben galten. <foto>klaus-dietmar gabbert/dapd</foto>
Auf gehts nach Andalusien: In Transportkisten werden die Fischadler aus Brandenburg nach Spanien transportiert. Dort sollen die Greifvögel wieder angesiedelt werden nachdem sie in den 80er Jahren als ausgestorben galten. klaus-dietmar gabbert/dapd

Für die Fischadler aus Brandenburg und MV geht es mit dem Flugzeug nach Spanien. Dort sollen die Greifvögel ausgewildert werden, damit sich die Fischadlerbestände in Norddeutschland wieder erholen.

svz.de von
19. Juni 2012, 10:18 Uhr

Gransee | Die beiden jungen Fischadler kuscheln sich eng aneinander in ihrer Transportbox, ab und zu blinkern sie mit ihren großen gelben Augen. Daniel Schmidt vom Vogelschutzzentrum des Naturschutzbundes Nabu in Mössingen greift sich einen der braun-grau gefleckten Vogeljungen, damit die Amtstierärztin es untersuchen kann. Gemeinsam mit 17 anderen Küken wird der junge Greifvogel auf seinen ersten Flug vorbereitet - mit dem Flugzeug nach Spanien. Dort sollen die jungen Adler ausgewildert werden, damit sich die Fischadlerbestände genauso wie vor einigen Jahren in Norddeutschland wieder erholen.

Seit 2004 unterstützen deutsche Tierschützer die Wiederansiedlung von Fischadlern in Andalusien, das Projekt endet in diesem Jahr. Jährlich wurden bis zu 20 Vogeljunge verschickt, die im Süden für Nachwuchs sorgen sollen. Die Adler seien in Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern eingefangen worden, den Bundesländern mit den größten Fischadlerbeständen bundesweit, erzählt Schmidt. "Trotzdem holen wie immer nur ein Junges aus einem Gelege mit mindestens drei Küken." Die jungen Adler wurden für ein paar Tage in einer Aufzuchtstation in Brandenburg beobachtet und auf Krankheiten wie Geflügelpest untersucht, wie die Amtstierärztin Uta Gallitschke vom Veterinäramt Gransee sagte. "Alle Vögel sind gesund und können ausgeführt werden", lautet ihr Urteil nach dem Blick in die Prüfberichte, bevor die Adler in den Transportboxen zum Flughafen Tegel gebracht werden. "Die Boxen sind nicht das ideale Transportmittel für Vögel", sagt Schmidt. Aber die Fluggesellschaften würden darauf bestehen. Die Gitterseite hat Schmidt vorsorglich mit Pappe abgedeckt, damit sich die Adler nicht verletzen und damit es dunkel ist. Eine spezielle Betäubung für den dreistündigen Flug benötigen die Tiere nicht, wie die Tierärztin Gallitschke sagt. "Wenn es dunkel ist, verhalten sie sich auch einfach ruhig, schlafen eben."

Bevor sie das letzte Adlerjunge zurück in die Box legt, kontrolliert sie noch die Ringe an beiden Füßen. "Ein Ring ist von einer der deutschen Vogelschutzwarten, der andere ist bereits ein spanischer Ring, mit dem die Fischadler dort gekennzeichnet werden", erklärt Schmidt. Damit die Tiere den Flug gut überstehen, werden sie von zwei spanischen Vogelschützern begleitet.

In Andalusien werden die Tiere gleich in den Nationalpark Donana gebracht, wo extra für sie Horste errichtet wurden. In den ersten Tagen werden sie zunächst von Menschen gefüttert, natürlich mit Fisch, so wie es die eigenen Eltern auch machen würden. "Das Jagen und auch das Fliegen muss man ihnen nicht beibringen. Das haben sie instinktiv drin und machen es einfach", erklärt Schmidt. Drei Jahre benötigen die Fischadler bis zur Geschlechtsreife, und dann hoffen die Beteiligten auf ein aktives Familienleben.

Dass diese Hoffnung nicht aus der Luft gegriffen ist, kann Schmidt belegen. "Das Projekt geht schon ein paar Jahre. Und es gibt wirklich gute Ergebnisse. So haben sich beispielsweise schon sieben Pärchen in Andalusien niedergelassen, sechs haben bereits den ersten Nachwuchs", erzählt er. Das zeige doch, dass sich die Fischadler auch in Andalusien wieder wohlfühlen, nachdem sie wegen des übermäßigen Einsatzes von Insektiziden seit 1982 als ausgestorben galten.

Es gab aber auch Tiefschläge. So hatte beispielsweise ein spanischer Jäger Fischadler illegal geschossen. "Das hat für viel Aufsehen gesorgt. Die Jägerschaft hat sich zusammen geschlossen und eine Kampagne zum Schutz der Adler gestartet", sagt Projektleiter Schmidt. Zu den Pluspunkten zähle, dass durch das Wiederansiedlungsprojekt weitere Entwicklungen in Gang gesetzt wurden. "So wird jetzt schrittweise für die Entschärfung der Strommasten gesorgt. Also die werden besser isoliert, damit es für Vögel ungefährlicher wird", sagt Schmidt.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen