Massensterben nahe des Rudower Sees : Fisch-Drama in Lenzen

Fische in jeder Größe treiben bäuchlings an der Oberfläche.
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Fische in jeder Größe treiben bäuchlings an der Oberfläche.

Übler Gestank am Wochenende: Anglerverein sammelt etwa 200 Kilo tote Fische aus künstlichem Gewässerarm des Rudower Sees

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01. August 2016, 21:00 Uhr

Es stank gestern früh noch extrem an der Wohnhaussiedlung im Mühlenweg, im Volksmund auch „Papageiensiedlung“ genannt, in Lenzen. Grund ist ein extremes Fischsterben in dem Privatgewässer, das in den 1990er Jahren im Zuge der Erschließung des Baugebiets angelegt worden ist. Das Gewässer ist nur durch einen schmalen Zufluss mit dem Rudower See verbunden und mündet in den Seeabfluss, der Flut.

„Das ging schon am Freitagabend los. Überall trieben tote Fische, lagerten sich direkt unter den Terrassen und Stegen ab“, erzählt Jens Karius, der direkt an dem überdimensionalen Gartenteich wohnt. „Über das Wochenende wurden es immer mehr. Es hat schon bestialisch gerochen.“ Jens Karius, selbst Vorstandsmitglied im Angelverein Lenzen, war genervt vom beißenden Gestank. Am Sonntag bat er schließlich Mitglieder der Ortsgruppe um Hilfe und verständigte die Behörden.

Mit Booten und Keschern „bewaffnet“ ging es an die Beräumung des Areals, „auch wenn wir für dieses eigenständige Gewässer gar nicht zuständig sind“, wie Ralf Behrens vom ortsansässigen Angelverein erklärt. In mühevoller Kleinarbeit fischten die Petrijünger vor allem verendeten Weißfisch aller Größen, aber auch prächtige Zander und Hechte aus dem trüben Gewässer. „Am Ende mögen es vier, fünf Zentner toter Fisch gewesen sein“, schätzt Jens Karius.

Doch woran sind die Tiere gestorben? Bernd Lindow, Chef des Natur- und Gewässerschutzes beim Landkreis, stellt gegenüber dem „Prignitzer“ folgende Vermutung an.: „Die Fließgeschwindigkeit in dem Gewässer war wohl zu niedrig. Deswegen war der Sauerstoffgehalt für die Fische zu gering.“ Um die Fließgeschwindigkeit zu erhöhen, sei vom Wasser- und Bodenverband das Wehr am Hotel „Alte Wassermühle“ so reguliert worden, dass mehr Wasser durch den Seitenarm strömt. Auf Anfrage bestätigt Birger Stockmann, beim Wasser- und Bodenverband Prignitz für den Bereich Lenzen zuständig, dass die Lage außergewöhnlich war. „So ein massives Fischsterben hatten wir in diesem Bereich noch nicht.“ Generell habe das Gewässer derzeit sehr viele Algen, so Lindow. Die Sichttiefe betrage nur 30 Zentimeter. Er benachrichtigte am Sonntag den amtstierärztlichen Bereitschaftsdienst. „Nun wird überprüft, ob eine Erkrankung der Grund für dieses Massensterben ist“, so Lindow. Er rechne aber nicht damit. Zu den Kollegen des Bereitschaftsdienstes gehört Andrea Desens. Sie sammelte einige tote Exemplare ein. Diese werden nun im Landeslabor Berlin/Brandenburg in Frankfurt/Oder untersucht. „Mit einem Ergebnis ist etwa kommende Woche zu rechnen“, so Desens, die ein Fischsterben in diesem Ausmaß bisher noch nicht erlebt habe.

 
 

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