Marschalek in Quitzow : Firmentür schließt sich für immer

Klaus Marschalek (l.) und sein langjähriger Mitarbeiter Horst Hennig.
Klaus Marschalek (l.) und sein langjähriger Mitarbeiter Horst Hennig.

Klaus Marschalek, Inhaber der gleichnamigen Bauelementefirma, kam vor 25 Jahren zurück in die Prignitz und geht nun in Ruhestand

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19. August 2016, 21:00 Uhr

Geboren ist Klaus Marschalek im Perleberger Ulmenhof und bis 1959 war das auch das Zuhause des heute 67-Jährigen. „Dann nahm meine Mutter mich und meinen Bruder an die Hand und ging in den Westen.“ In der Nähe von Bremen wohnten sie fortan, hier hatte Klaus Marschalek später auch seine kleine Tischlerei. Als dann die Grenze fiel, beschloss er spontan, sich zum 70. Geburtstag des Onkels, der immer noch im Ulmenhof lebte, zum Kaffee einzuladen, erzählt er schmunzelnd.

Als Tischler hat man da natürlich nicht nur Augen für die Geburtstagstafel. So wurde dem damals ersten West-Baumarkt in der Stadt gleich ein Besuch abgestattet. Das Angebot an Türen, Fenster sei alles andere als überzeugend gewesen, drückt er es recht diplomatisch aus. Und da war sie, die Idee. „Meine Frau hatte förmlich darauf gewartet“, gesteht er mit dem ihm eigenen Schalk.

Wieder zu Hause, führte ihn sein erster Weg zu seinem Lieferanten. „Ich wollte sehen, was er an Sonderposten auf Lager hatte“, berichtet er. Drei Stunden sei er mit dem Juniorchef durch die Hallen marschiert, anschließend hatte er drei Lkw-Züge voller Zimmertüren. Mit einer Tür stellte er sich in Perleberg an die Lanzer Chaussee. „Die war ich schneller los, als ich gucken konnte.“ Ein Trabi mit Hänger nach dem anderen hielt, im Nu war der große Sonderposten verkauft und der Bauelementehandel Marschalek geboren.

Vier bis fünf Wochen habe er im Ulmenhof verkauft. Die Nachfrage war groß und der Hof dafür einfach zu klein. So schaute sich der ehemalige Perleberger nach einem größeren Anwesen um und wurde in Quitzow fündig. Ein alter, großer Bauernhof mit Scheune und Nebengelass – „das war es“. Allerdings war einzig die Scheune in Ordnung. Hier hatte die LPG bis dato Baumaterialien und dergleichen gelagert, weiß Horst Hennig. Auch er kam, um eine Tür bei Klaus Marschalek zu kaufen, der erkannte dessen Verkaufstalent und stellte ihn ein.

Derweil waren Hof und Scheune Verkaufsraum, das eigentliche Haus eine Baustelle. Faktisch in Eigenregie machte der Neu-Quitzower aus der Ruine wieder ein Haus mit drei Wohnungen– zwei vermietete er, die dritte nutzte er die Woche über selbst. Denn die Familie blieb in der Nähe von Bremen. So pendelte Klaus Marschalek all die Jahre 300 Kilometer pro Strecke zwischen altem und neuen Zuhause hin und her.

Während er vielleicht anfangs noch argwöhnisch im Dorf beäugt wurde, so gab sich das genauso schnell. „Ich fühle mich hier nicht nur zu Hause, ich war es“, fügt er an. Als er 1998 seine Silberhochzeit feierte, waren viele aus dem Dorf dabei, „das sagt doch mehr als viele Worte“.

Alles, was den Bau schließt, wie er es umschreibt, gab es bei Marschalek Bauelemente in Quitzow. 25 Jahre lang, denn nun ist Schluss. „Ich bin jetzt 67 Jahre, habe das Alter und meine Frau, meine Familie möchte auch noch was von mir haben.“ Ein Nachfolger wäre ihm auch lieber, doch es fand sich keiner. Sein langjähriger Mitarbeiter Horst Hennig wird sich nun um eine neue Arbeit bemühen. „Ich war noch nie arbeitslos und werde sicher auch wieder was finden“, gibt er sich recht optimistisch.

Für Klaus Marschalek ist es kein Abschied auf Nimmerwiedersehen. „Dafür ist mir Quitzow einfach zu sehr ans Herz gewachsen. Und dann sind da auch noch die Wohnungen, die ich vermietet habe.“ In regelmäßigen Abstand werde er vorbei schauen, dann allerdings werde im Motel genächtigt, denn die eigenen vier Wände in Quitzow sollen nun auch einen Mieter finden.

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