Zukunft ungewiss : Finanzloch in vier privaten Kitas

Das Geld in vier privaten Kindertagesstätten scheint knapp.
Das Geld in vier privaten Kindertagesstätten scheint knapp.

Wittenberge und Perleberg suchen mit Einrichtungsleitung Mernitz und mit Verwaltergesellschaft nach Lösungen

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20. November 2017, 21:00 Uhr

Der Betrieb von drei Kindertagesstätten in Wittenberge soll in Gefahr sein. Das bestätigte auf Redaktionsanfrage Waltraud Neumann, stellvertretende Bürgermeisterin und Hauptamtsleiterin, dem „Prignitzer“.

Es handele sich um die Kitas, die sich in freier Trägerschaft von Bärbel Mernitz befinden. Anlass für die Sorge gibt nach den Worten von Waltraud Neumann ein Schreiben an die Stadtverwaltung, in dem unter anderem von der Kündigung der Betreuungsverträge die Rede ist.

Grund sollen nach Recherchen des „Prignitzers“ Finanzierungslücken im Bereich der Betriebskosten sein. „Wir sorgen uns um die Kinder und deren Eltern, von einer Kündigung wären an die 60 Mädchen und Jungen betroffen“, sagen Wittenberges Bürgermeister Oliver Hermann und die Hauptamtsleiterin.

Bärbel Mernitz betreibt in Wittenberge drei Einrichtungen. Diese befinden sich in der Quitzowstraße, in der Parkstraße und in der Kyritzer Straße. Eine weitere Kindereinrichtung betreibt Bärbel Mernitz in Perleberg.

Verwaltet werden die vier Einrichtungen von einer Gesellschaft mit Sitz in Hamburg, und zwar der AviaFund Solution GmbH. Bei dieser Gesellschaft soll der Kita-Betreiber Mietrückstände haben. David Rietschel, Mitarbeiter der Gesellschaft, mochte dem „Prignitzer“ auf Nachfrage dazu nichts sagen. Per E-Mail teilte er aber mit, „dass wir selbst erst vor kurzem erfahren haben, dass es Abstimmungsprobleme zwischen der Mieterin (Bärbel Mernitz – Anm. d. Red.) und der Stadt bezüglich der Betriebskostenförderung gibt“. Und Rietschel versichert: „Es liegt natürlich in unserem Interesse, dass die KiTas erhalten bleiben und wir sind bereits mit den Behörden vor Ort im Gespräch.“

Wissen muss man dazu, dass Kindertagesstätten in freier Trägerschaft anerkannte Betriebskosten als Zuschuss von der jeweiligen Kommune erhalten. Kommt die Stadt Wittenberge dieser gesetzlichen Verpflichtung nicht nach? Hauptamtsleiterin und Bürgermeister widersprechen einer solchen Annahme. „Die Stadt kommt ihren Verpflichtungen restlos nach, wir halten uns an die gesetzlichen Vorgaben nach dem Kitagesetz.“

Bemühungen des „Prignitzers“, die Betreiberin der Kitas für nähere Auskünfte zu erreichen, scheiterten bisher.

Und die Finanzierungslücken? „Wir sind nicht im Detail informiert, uns liegen keine konkreten Zahlen vor“, sagt Waltraud Neumann. Die Stadt stehe aber in Kontakt mit dem Betreiber und der Verwaltergesellschaft, um über Lösungen zu sprechen, so Hermann. 60 freie Kitaplätze sind in Summe allerdings derzeit in Wittenberge nicht verfügbar. „Das Wichtigste für uns ist die Unterbringung dieser Kinder, damit die Eltern ihrer Arbeit nachgehen können“, betonen Hermann und Neumann.

Der Landkreis, bei dem Eltern ihren Rechtsanspruch auf einen Kitaplatz geltend machen, hält sich erst einmal zurück.

Kreissprecher Frank Stubenrauch teilte auf eine Redaktionsanfrage am Montag mit, noch sei alles hypothetisch und spekulativ. Aus diesem Grund wolle sich Geschäftsbereichsleiterin Danuta Schönhardt erst zu diesem Thema äußern, wenn der freie Träger „seine Ankündigung ernsthaft der Kreisverwaltung gegenüber formuliert hat“. „Niemand hat etwas davon, jetzt schon Szenarien zu produzieren“, so der Kreis.

Auch in der Mernitz-Kita in Perleberg scheint es Finanzierungssorgen zu geben. Wie Bürgermeisterin Annett Jura am Montag auf Nachfrage sagte, „haben wir ein Schreiben der Kitaleitung erhalten“. Darin werde um eine Betriebskostennachzahlung im fünfstelligen Bereich gebeten. Der Brief zähle mehrere Gründe auf, ohne Begründungen zu nennen, so die kreisstädtische Bürgermeisterin. Sie habe der Kita-Leitung geantwortet, sie beispielsweise gebeten, das Mietverhältnis offen zu legen und die Leitung zu einem Gespräch eingeladen.

Auf die Frage, ob für die Städte Betriebskostenzahlungen außer der Reihe in Frage kommen, sagen beide Bürgermeister, dazu äußern sie sich in diesem Stadium nicht. „Denn dazu wissen wir momentan noch viel zu wenig“, so Oliver Hermann.

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