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Der Prignitzer

20. Oktober 2017 | 16:35 Uhr

Feuerwehren sind auf Irrfahrt

vom

svz.de von
erstellt am 28.Dez.2012 | 03:56 Uhr

Prignitz | Es sind schwarze Wochen in der Prignitz, es sind tödliche Wochen auf Prignitzer Straßen. In nur sechs Wochen verlieren bei Verkehrsunfällen acht Menschen ihr Leben. Bei den Einsätzen kommt es zu Fehlern, Feuerwehren fahren in die falsche Richtung oder werden gar nicht erst alarmiert. Kritische Fragen zur Arbeit der Regionalleitstelle in Potsdam werden gestellt.

Tiefe Betroffenheit löst vor allem der Tod eines Motorradfahrers aus. Der Prignitzer stieß mit seinem Krad auf der B 5 bei Schönfeld mit einem Pkw zusammen. Dessen Fahrer war alkoholisiert, stand unter Drogen und war zu schnell gefahren. Nur einen Tag später überschlug sich ein 71-Jähriger mit seinem Auto. Tragisch auch der Tod eines Archäologen in Laaske bei Putlitz. Ein Kleinwagen eines privaten Pflegedienstes war in eine Baugrube gefahren und hatte den dort arbeitenden 39-Jährigen so schwer verletzt, dass dieser noch an der Unfallstelle verstarb.

Für die Öffentlichkeit nicht Nachvollziehbares geschieht am 10. August. Eine Frau wird auf der B 5 bei Garlin schwer verletzt. Die Wehren Karstädt und Perleberg rücken aus, suchen das Opfer zwischen Glövzin und Perleberg vergeblich. Die Angabe zum Unfallort wird korrigiert und erweist sich wieder als falsch. Erst der dritte Einsatzort stimmt und dann ist klar: Die Karstädter Wehr ist in die falsche Richtung gefahren, hätte viel früher bei der Verletzten sein können.

Nur Tage später erneutes Kopfschütteln. Recherchen unserer Zeitung ergeben, dass zu dem tödlichen Motorradunfall auf der B 5 nicht die Quitzower Wehr alarmiert wurde, obwohl sie nur knapp 1,5 Kilometer von der Unfallstelle entfernt ist und somit den kürzesten Anfahrtsweg gehabt hätte. Die Leitstelle hatte Quitzow in ihrem Computer aber als nicht einsatzfähig programmiert. Falsch, sagte Perlebergs Stadtwehrführer Thomas Gäde. Er selbst hatte die Wehr bereits Sonnabendabend in der Leitstelle einsatzfähig angemeldet - also drei Tage vor dem Unfall.

Der Landkreis reagiert, es kommt zu einem Treffen mit der Leitstelle, die kritisierten Einsätze werden ausgewertet, die Leitstelle legt Protokolle offen. Falsche oder ungenaue Ortsangaben der Anrufer hätten zu den aus Sicht der Öffentlichkeit teils unkoordinierten Rettungseinsätzen geführt. Die Leitstelle Potsdam habe richtig gehandelt. Es sei auch ausgehend vom Zeitpunkt der richtigen Ortsangabe nicht zu einem Überschreiten der vorgeschriebenen Hilfsfrist gekommen.

Allerdings muss die Leitstelle nach Vorwürfen in unserer Zeitung zu einigen Punkten auch Schwächen eingestehen. So sei der Fall der Quitzower Feuerwehr tatsächlich ein Fehler des Disponenten gewesen. Er habe es versäumt, sie zurück in den Status einsatzbereit zu stufen. Ebenfalls muss die Leitstelle eingestehen, dass es bei den Qualifikationen ihrer Mitarbeiter Nachholbedarf gibt. 26 Disponenten und sieben Schichtführer arbeiten in der Leitstelle. Zehn Mitarbeiter hätten noch nicht den geforderten Abschluss als Rettungsassistent.

Auch bei der Feuerwehr-Qualifikation hätten noch nicht alle Angestellten den geforderten Abschluss. Allein dieses Jahr seien sechs Kollegen neu eingestellt worden. Drei von ihnen hätten bisher auch nicht die Disponentenausbildung absolviert und würden daher mit Mentoren zusammenarbeiten.

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