Feuerwehr und Mieter liegen im Streit

Die Familie wohnt direkt im Anbau des Gerätehauses.Hanno taufenbach
Die Familie wohnt direkt im Anbau des Gerätehauses.Hanno taufenbach

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29. Mai 2013, 08:17 Uhr

Bad Wilsnack | In den Reihen der Bad Wilsnacker Feuerwehr rumort es offenbar kräftig. In einem der Redaktion vorliegenden Schreiben heißt es: "... legt der aktive Teil der Freiwilligen Feuerwehr ab sofort sein Amt nieder". Dem widerspricht Ordnungsamtsleiter Gerald Neu. Weder am Dienstag noch gestern habe ihn eine offizielle Mitteilung der Wehr erreicht. Die Wehrführung selbst will dazu gar keine Stellungnahme abgeben und auch der Amtsbrandmeister Roland Muntau lehnte gestern jeglichen Kommentar ab: "Dazu sage ich nichts."

Grund der Verunsicherung und des Ärgers einiger Kameraden soll eine Mietpartei sein, die über der Feuerwehr wohnt. Offenbar empfindet die Familie es als sehr störend, wenn die Kameraden zu Einsätzen ausrücken. Das verursacht Lärm, beginnend mit dem Öffnen der Rolltore. Hinzu kommen Veranstaltungen, Aus- und Weiterbildungen sowie die Arbeit mit dem Nachwuchs. Selbst beim schlimmen Wohnungsbrand Mitte Januar in Karthan, "fühlte sich der Mieter ... belästigt", heißt es in dem Schreiben.

Weiter heißt es darin, "auch bei Untersuchungen zum Atemschutz, Belastbarkeit usw., die in den Schulungsräumen im Obergeschoss stattfanden, wurde die Eingangstür verschlossen und somit der Zugang verwehrt".

Dem Amt Bad Wilsnack/Weisen als dem zuständigen Träger des Brandschutzes sei bisher keine Lösung des Konflikts gelungen. Dienstagabend hat es ein Treffen mit den Kameraden gegeben, heute soll ein weiteres folgen. Am morgigen Freitag werde sich das Amt äußern, signalisierte gestern Gerald Neu.

Unsere Redaktion erreichte gestern die betroffene Familie telefonisch. Probleme gebe es, räumt sie ein, aber die seien anders, als hier geschildert. "Hier werden Partys bis spät in die Nacht gefeiert", sagt sie. Es gehe nicht darum, das Einsatzgeschehen zu kritisieren, sondern um viele andere Dinge, die sich zusätzlich im und am Gerätehaus abspielen würden. Mehr als einmal hätte die Familie die Polizei gerufen, um aus Mietersicht die nächtliche Ruhestörung zu unterbinden.

Seit 2011 wohnt die Familie in dem Anbau des Gerätehauses, sie hat zwei Kinder, das jüngste eineinhalb Jahre alt. Vermieter ist die Stadt. "Wir zahlen unsere Miete und erwarten, dass die Stadt als Vermieter auch ihren Pflichten nachkommt", sagt die Familie.

Mitglieder der Jugendwehr hätten wiederholt im Gruppenraum Partys bis weit in die Nacht hinein gefeiert, dazu Technomusik gehört, lautet ein Vorwurf. Ein anderer betrifft tatsächlich das Einsatzgeschehen. "Wir haben die Wehr gebeten, nachts das Martinshorn nicht schon bei der Ausfahrt einzuschalten, sondern erst, wenn sie das eigentliche Stadtgebiet erreichen." Direkt am Gerätehaus gibt es keine weitere Wohnbebauung.

Einige Kameraden seien verständnisvoll, würden der Familie entgegen kommen. Andere hingegen nicht. Manches empfinde die Familie mittlerweile als Schikane. Dennoch möchte sie hier wohnen bleiben, hat einen Anwalt eingeschaltet. "Direkt unter uns befindet sich der Rettungsdienst des Kreises. Mit diesem hatten wir noch nie ein Problem", betont die Familie.

Der Landkreis hat nach eigener Aussage keine Kenntnis von dieser Auseinandersetzung. Formal könnten Kameraden ihren aktiven Dienst quittieren, sagt Volker Lehmann, stellvertretender Brandmeister. "Wer in einer freiwilligen Wehr Mitglied ist, kann jederzeit austreten oder den Pieper theoretisch ignorieren", sagt Lehmann. Jeder Kamerad habe auch das Recht, zeitweilig Schulungen nicht wahrzunehmen. In der Realität wisse man bei freiwilligen Wehren nie, wie viele Kameraden tatsächlich zum Einsatz kommen oder wie viele Atemschutzgeräteträger dabei sind.

Wenn eine Wehr längerfristig nicht einsatzbereit sei, könne der zuständige Träger des Brandschutzes eine Pflichtfeuerwehr berufen. Das sei gesetzlich möglich, aber äußerst kompliziert und mit vielen Auflagen versehen.

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