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Der Prignitzer

20. November 2017 | 20:20 Uhr

Feuerwehr fährt in falsche Richtung

vom

svz.de von
erstellt am 17.Aug.2012 | 06:17 Uhr

Prignitz | Eine schwer verletzte Frau auf der B 5 bei Garlin, Feuerwehren am falschen Einsatzort, aber die Alarmierung sei fehlerfrei gewesen. Der Verkehrsunfall von gestern 9 Uhr wirft eine Reihe von Fragen auf, die längst noch nicht alle beantwortet sind. Und es ist nicht der erste Fall dieser Art. Als Ende Juli zwei Menschen auf der B 189 bei Perleberg sterben, werden die Wehren Weisen und Wittenberge alarmiert, aber nicht Perleberg.

Kurz nach 9 Uhr erreicht der Alarm gestern die Perleberger Feuerwehr. Zwischen Glövzin und Perleberg habe sich ein Verkehrsunfall ereignet, eine Person sei eingeklemmt. So habe nach Recherchen unserer Zeitung die Meldung gelautet. Die Wehren Karstädt und Perleberg rücken aus, treffen sich auf der B 5, aber einen Unfallwagen sehen sie nicht. Dann habe es eine Korrektur gegeben, der Unfall habe sich am Abzweig Richtung Rambow-Lenzen ereignet. Das würde bedeuten, die Karstädter Kameraden sind in die entgegengesetzte Richtung gefahren.

Minuten später treffen die Kameraden am besagten Abzweig ein und sehen wieder kein verunglücktes Auto. Abermals sei daraufhin die Ortsangabe korrigiert worden: Am Abzweig nach Bootz soll der Unfall geschehen sein - etwa drei Kilometer weiter in Richtung Grabow. Jetzt stimmt die Angabe. Eine 57-jährige Verletzte aus Karstädt ist eingeklemmt.

Nach übereinstimmenden Aussagen mehrerer Einsatzkräfte habe sich beim Eintreffen der Feuerwehren noch kein Rettungswagen am Unfallort befunden. Unter den Kameraden seien zwei Rettungssanitäter gewesen, die sich um die Verletzte kümmerten. Das ist auch Kommentaren auf unserer Facebookseite zu entnehmen: www.facebook.com/prignitzer Laut Polizei habe bis zum Eintreffen der Rettungskräfte ein Mann erste Hilfe geleistet, der zuvor die Beamten alarmiert habe.

Bei der Polizei sei der Anruf um 9.02 Uhr registriert. "Es gab Probleme mit der Örtlichkeit", räumt die Pressestelle in Neuruppin ein. Als Unfallstelle sei der Abzweig nach Waterloo genannt worden. 9.16 Uhr hätten die Beamten den Bürger zurückgerufen, nachgefragt. Der Man habe gesagt, er sei nicht ortskundig. Etwa 9.20 Uhr sei die Polizei an der Unfallstelle angekommen. Weitere Anrufe zu diesem Unfall seien nicht protokolliert, hieß es.

Zumindest ein Anrufer habe jedoch den korrekten Unfallort gemeldet. Unserer Zeitung gelang es, mit ihm zu sprechen. Der Mann war nicht nur an der Unfallstelle, sondern sei selbst aktiver Feuerwehrmann und ist überzeugt, den Notruf korrekt abgesetzt zu haben.

Wo also liegt der Fehler? Was ist gestern schief gelaufen? Die für die Prignitz zuständige Leitstelle in Potsdam ist sich keines Fehlers bewusst: "Nach ersten Ermittlungen kann ich Ihnen nur mitteilen, dass seitens der Regionalleitstelle Nordwest nach jetzigen Stand keine fehlerhafte oder verzögerte Alarmierung stattgefunden hat", teilte der Leiter Thomas Maetz unserer Zeitung mit. Mehr Auskünfte könne er nicht geben. Aber er verwies uns an den Landkreis. Der sei für unsere Fragen der richtige Ansprechpartner.

Gegen 10 Uhr baten wir den Landkreis um Aufklärung. Am späten Vormittag erhielten wir die Antwort: Heute keine Stellungnahme. Der Vorfall werde ausgewertet, sagte Erich Schlott hauer, Sachbereichsleiter Brand- und Katas trophenschutz. Am Montag werde es eine Erklärung geben.

Warum die Frau frontal gegen einen Baum gestoßen und sich anschließend überschlagen hatte, ist ebenfalls noch unklar. Ein Rettungshubschrauber brachte sie in eine Klinik. Im Einsatz war auch die Feuerwehr Premslin.

Schwer nachvollziehbar ist auch der Rettungseinsatz am 27. Juli. Auf der B 189 kurz vor der Ausfahrt Perleberg Nord war ein Ehepaar verunglückt. Zum Einsatz wurden die Wehren Wittenberge und Weisen gerufen. Nicht alarmiert wurde Perlberg, deren Anfahrtzeit rund zwei Minuten betragen hätte. Das Ehepaar verstarb noch an der Unfallstelle.

Seit die Rettungseinsätze durch die Leitstelle Potsdam und nicht mehr in Perleberg koordiniert werden, habe es wiederholt Schwierigkeiten mit den Ortsangaben gegeben. Hinter vorgehaltener Hand sprechen Kameraden diverser Prignitzer Wehren darüber. Von offizieller Seite hieß es bisher stets, es gebe keine Probleme.

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