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Der Prignitzer

20. November 2017 | 10:55 Uhr

Feuer vernichtet das Gasthaus Hirte

vom

svz.de von
erstellt am 07.Feb.2012 | 07:09 Uhr

Boberow | Eine fast schon unheimliche Brandserie ereilt die Prignitz. In der Nacht zu gestern trifft es das bekannte Gasthaus Hirte in Boberow. Es ist der zehnte Brand in nur knapp sechs Wochen. In Boberow versuchten acht Feuerwehren die Gaststätte und die Wohnung der Familie Hirte zu retten - vergeblich. Holger Hirte, seine Frau und Tochter kommen mit Verdacht auf Rauchvergiftung ins Krankenhaus.

4.33 Uhr wurde die Karstädter Feuerwehr alarmiert. "Als wir ankamen und das Ausmaß sahen, forderten wir Verstärkung und die Drehleiter aus Perleberg an", erzählt Karstädts Wehrführer Hartmut Gerloff, der die Einsatzleitung über die Wehren und die rund 80 Kameraden übernahm. Boberows Kameraden hatten bereits die Wasserversorgung aufgebaut, mit dem Löschen begonnen. Die nachfolgenden Wehren hatten damit sofort Löschwasser zur Verfügung, so Gerloff. Auch der Tanker aus dem benachbarten Mankmuß war im Einsatz.

Das Feuer, das vermutlich im Saalanbau ausgebrochen war, hatte bereits den Saal und das Dach des Gasthauses erfasst. "Als wir von Nebelin losfuhren, sahen wir schon am Himmel den roten Feuerschein", macht Wehrführer Maik Hortig die Dimension deutlich. Mit gemeinsamer Kraft versuchten die Kameraden, das lichterloh brennende Feuer einzudämmen und ein angrenzendes Grundstück mit Stall, Scheune und Wohnhaus zu retten.

Die zweistelligen Minusgrade machten den Einsatz für Mensch und Technik zu einer Bewährungsprobe. Das Löschwasser gefror an der Schutzbekleidung, der Wasserfilm kroch unter die Sachen, erzählen Männer nach dem Einsatz. Zudem verwandelte das Löschwasser den Asphalt der Straße in einen spiegelblanken Belag. Hilfe kam von der Firma Schreiber, die das Eis mit Sand abstumpfte. Nachbarn brachten den Feuerwehrleuten zum Aufwärmen heißen Tee, Kaffee und Brühe. "Dafür möchten wir uns herzlich bedanken", betont Hartmut Gerloff.

Die 30-jährige Tochter des Gastwirtsehepaars hatte am frühen Morgen zuerst den Rauch bemerkt und die Eltern sowie einen Pensionsgast geweckt, der dienstlich in Mankmuß zu tun hatte und sich jetzt ein anderes Quartier suchen muss. "Wir haben uns bereits um eine Ersatzwohnung in Boberow gekümmert", erzählt Friedhelm Hirte, Bruder des betroffenen Gastwirts. Auch gab es erste Hilfsangebote für Bekleidung, denn mehr als die Sachen, die die Brandopfer auf dem Leib trugen, konnten sie nicht retten.

Das Feuer hat nicht nur eine familiäre Tragödie ausgelöst. In Boberow bricht ein Teil des Dorflebens weg. Der Gasthof war weit mehr als nur Treff, Feier-, Veranstaltungs- und Sitzungsort. Die Gastwirtsfrau kochte täglich auf Bestellung Mittagessen für die Einwohner. All das fällt nun erst einmal weg.

Am kommenden Sonnabend wollte der Boberower Schützenverein im Saal der Gaststätte seinen Königsball feiern. Die Festivität fällt aus und für die Festsitzung mit geladenen Gästen zur 700-Jahr-Feier ihres Dorfes am 15. Juni müssen sich die Boberower einen anderen Feierort suchen. "Auch der Ortsbeirat bedauert sehr, was passierte. Noch am Abend vor dem Brand saßen wir im Tagungszimmer zusammen, berieten als Festkomitee über den Stand der Vorbereitungen unseres Ortsjubiläums", erzählt Ortsvorsteher Gero Schulz.

Vorgestellt hatte da auch Erwin Franke seine bisherigen Arbeiten zur Dorfchronik - darunter historische Fotos vom Gasthaus Hirte. Mit dem Brand könnten Aufnahmen, die vor dem Brand entstanden, 2012 wertvoll werden, denn ob es einen Wiederaufbau des 1853 errichteten bzw. umgebauten Gebäudes geben kann, wird erst mit einem Sachverständigengutachten feststehen.

Laut Polizei kann die Brandruine wegen Einsturzgefahr derzeit nicht betreten werden. Die Kripo ermittelt zur Brandursache. Rettungskräfte brachten einen Nachbarn ins Krankenhaus. Der Mann hatte vermutlich einen Schwächeanfall erlitten.

Der Bereich an der Gaststätte wurde voll gesperrt, der Landesbetrieb Straßenwesen brachte Streusalz auf die Straße. Der Bauhof der Gemeinde wolle die angetauten Eisschichten von der Straße bringen und bei Sicherungsarbeiten am Gebäude helfen, informierte Ordnungsamtsleiter Sven Steinbeck.

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