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Der Prignitzer

18. Oktober 2017 | 20:45 Uhr

Feuer in Lanz fordert ein Todesopfer

vom

svz.de von
erstellt am 29.Dez.2011 | 06:13 Uhr

Lanz | Sirenengeheul kündete in der Nacht zu gestern von einem tragischen Unglück, dessen ganzes Ausmaß erst gut zwei Stunden später offenbar werden sollte. Gegen 0.20 Uhr alarmiert die Leitstelle mehrere Feuerwehren zum Brand eines Wohnhauses in der Lanzer Ortsmitte. Als die Kameraden am Unglücksort eintreffen, steht das Untergeschoss der linken Hausseite bereits in Vollbrand, Stichflammen schlagen aus den Fenstern, bringen die Metalldachrinne zum Schmelzen.

"Das Gebäude war stark verqualmt, die Sichtweite betrug selbst mit Scheinwerfern höchstens 30 bis 40 Zentimeter", sagte Einsatzleiter Steffen Bethke. "Unklar war, ob sich noch Personen in der brennenden Wohnung befinden. Trupps mit Atemschutzgeräten durchsuchten deshalb alle Räume, konnten aber niemanden finden." Zwar sei das Feuer nach einiger Zeit durch die Decke ins Obergeschoss durchgebrochen, einen Übergriff auf den Dachstuhl habe man mittels massivem Löschwassereinsatz aber verhindern können. "Akute Gefahr bestand auch für die zweite Hälfte des Doppelhauses, aber auch hier konnten wir einen Übergriff der Flammen glücklicherweise verhindern", so Bethke.

Erst nachdem das Feuer weitgehend unter Kontrolle ist, wird klar, dass es doch ein Opfer gegeben hat: In der Küche der zum großen Teil zerstörten Wohnung finden die Feuerwehrmänner einen leblosen 55-Jährigen, bei dem es sich offenbar um den Besitzer des Hauses handelt.

Großes Glück hatten indes die Nachbarn in der anderen Hälfte des Doppelhauses. "Wir waren gerade dabei, ins Bett zu gehen, da hat meine Frau den Brandgeruch bemerkt", sagt Ronald Guhl. "Da haben wir nur noch unsere Tochter geschnappt und sind so schnell es ging raus aus der Wohnung. Auch Gäste einer Feier im nahen Gasthof Paesler, die zum Rauchen vor die Tür gegangen waren, bemerkten den Brandgeruch. "Es roch richtig streng nach Feuer, und die Qualmwolke war nicht zu übersehen", beschreibt Sven Gottschalk. "Erst habe ich gedacht, es kommt von einer kleinen Holzhütte am Kindergarten. Als wir aber sahen, dass ein Wohnhaus brennt, sind wir zu dritt hingerannt und haben die Nachbarn rausgeklingelt, die hatten das Feuer aber selber schon bemerkt." Inzwischen ging auch die Sirene. "Da wir nicht wussten, ob in der Brandwohnung selber noch Leute waren, haben wir die Scheiben eingeschlagen und hinein gerufen", beschreibt Gottschalk, selbst Mitglied der Feuerwehr Lanz. "Schließlich habe ich hinten noch die Tür eingetreten, aber da kam mir so viel Qualm entgegen, dass ich nichts weiter tun konnte. Dann kamen auch schon die Feuerwehren."

Erst nach gut dreieinhalb Stunden konnten die 30 Kameraden aus Lanz, Lenzen, Ferbitz und Bernheide den Einsatz beenden und "Feuer aus" melden. Gestern früh begannen Techniker der Kriminalpolizei Potsdam mit den Ermittlungen zur Brandursache. Nach ersten Erkenntnissen können technische Defekte und Fremdverschulden ausgeschlossen werden.

Ronald und Sandra Guhl und ihre fast zweijährige Tochter kommen vorerst bei der Mutter des jungen Mannes unter, die nur ein paar Häuser weiter wohnt. "Die Ereignisse der vergangenen Nacht sind ein absoluter Schock", erzählt Guhl, während er gemeinsam mit seiner Frau die Sachen zusammenpackt, die das Löschwasser halbwegs heil gelassen hat. "Wir wohnen seit sechs Jahren hier und hatten ein sehr gutes Verhältnis zu unserem Vermieter. Zur Geburt unserer Tochter hat er extra ein Zimmer seiner Wohnung an unsere angegliedert. Da wir ja jetzt mehr Platz brauchen, meinte er. Das ist wirklich sehr traurig. Auch sein Hund ist mit ihm gestorben. Den hat man wohl zusammengekauert in einer Ecke gefunden." Zwar schmerzten auch die materiellen Schäden - erst vor einem Jahr hatten Guhls die Wohnung komplett renoviert und sich neu eingerichtet - aber die Versicherung habe schnelle Hilfe zugesichert, sagt Guhl mit Blick auf die großen Löschwasserpfützen.

Ob das Haus weiterhin bewohnbar ist muss ein Baustatiker klären, informierten die Kriminaltechniker vor Ort.

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