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Elblandfestspiele Wittenberge : Festspiele suchen neuen Kurs

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Neue Programmelemente, neue Partner – Präsident Michael Hansen sagt: „Vieles steht auf dem Prüfstand“

von
erstellt am 21.Jul.2016 | 21:00 Uhr

Der Termin steht zwar, aber anders als in den Vorjahren haben die Elblandfestspiele im nächsten Jahr noch kein Thema. Dass sie auch nach 17 Jahren kein Selbstläufer sind, hat Festspielpräsident Michael Hansen sehr deutlich auf den Galaabenden formuliert. Mit ihm und dem Pressesprecher Lutz Lorenz sprach Redakteur Hanno Taufenbach über die Zukunft und neue Ideen.


In diesem Jahr erlebte das Publikum die 17. Elblandfestspiele Wittenberge. Kommt da nicht Routine auf?
Lutz Lorenz: Das hat auch positive Seiten: wenn unser Festspielbüro auf der Ölmühle drei Wochen vor den Konzerten öffnet und die Versorger und Gewerke aus der Region schon bereitstehen, dann ist das eine sehr positive Routine.
Meine Frage geht eher in künstlerische Richtung…
Michael Hansen: In der Opern- und Operettenmusik sind bleibende Werke genau so selten, wie heute in der Popmusik. Überlegen Sie einmal, wie viele Titel unserer Zeit in hundert Jahren noch Bestand haben werden.

Ähnlich ist es in der Klassik: vieles davon wurde als Auftragskomposition im Akkord geschrieben. Was bis heute gerne gehört wird, haben wir natürlich schon gespielt, auch mehrfach. Aber wirklich gute Musik kann man immer wieder hören.
Wie reagiert das Publikum auf solche Wiederholungen?
Hansen: Wir überlegen sehr wohl, in welchem Abstand wir alle paar Jahre die Renner aus der Opern- und Operettenwelt spielen. Das Publikum nimmt das positiv auf. Beliebte klassische Stücke werden sogar gezielt nachgefragt. Wir bekommen Briefe, in denen uns die Festspielgäste auf Werke hinweisen, die zu unserem Motto passen und die sie gerne wieder einmal hören würden.
Für 2017 haben Sie noch kein Motto veröffentlicht…
Hansen: Hier durchbrechen wir die Routine. Bislang stand das Motto der nächsten Festspiele schon zum Vorverkaufsstart fest. Jetzt nehmen wir uns dafür mehr Zeit. Wir wollen mögliche Themen genauer überlegen, mit den Redakteuren vom Fernsehen abstimmen und darüber nachdenken, was man noch bieten könnte: Elemente der Artistik, des Theaters, was auch immer.
Sie machen sich also von den Quoten des Fernsehens abhängig?
Hansen: So ist es nicht. Aber die Einschaltquoten sind das wichtigste Argument für die Zusammenarbeit mit dem rbb im nächsten und den Folgejahren. Unsere Festspiele haben sich derart entwickelt, dass sie ohne die Kooperation mit dem Fernsehen nicht mehr denkbar sind, zumindest nicht in dieser Qualität.
Was hat die Qualität der Festspiele mit dem Fernsehen zu tun? Der rbb zeichnet doch auf, was Sie vorher auf die Bühne bringen, oder?
Hansen: Der rbb unterstützt uns finanziell. Er übernimmt das Honorar und die Übernachtungskosten für die knapp 60 Musiker des Deutschen Filmorchesters. Würde der rbb das nicht tun, könnten wir uns so ein populäres Top-Orchester gar nicht leisten.

Auch viele Solisten fordern geringere Gagen, wenn man ihnen dafür einen Auftritt im Fernsehen anbietet. Wir könnten also nur Künstler verpflichten, die unserem Stellenwert als einem der führenden Musikfestivals in Norddeutschland nicht entsprechen.
Also bleibt alles, wie es war?
Lorenz: Ganz sicher nicht. Neben den Überlegungen zum Programm haben wir und wollen wir neue Kooperationen eingehen, erstmals haben wir mit der Freien Volksbühne eine Vertriebskooperation begonnen und treffen nächste Woche Mike Laskewitz, den neuen Geschäftsführer des Tourismusverbandes Prignitz.

Im Herbst laden wir unsere Sponsoren und Arbeitspartner erstmals zu einer Art Ideenkonferenz ein, die auch für die Prignitzer öffentlich sein wird.
Die wichtigste neue Kooperation starten wir mit dem Projekt „Kurs Elbe“ der Metropolregion Hamburg, mit dem Ziel, die Fahrgastschiffer und ihre Gäste, die Elbetouristen und die Anwohner der nördlichen Elbstädte für unsere Festspiele zu interessieren.
Hansen: Vielleicht ergibt sich daraus auch ein neuer künstlerischer Aspekt. Ich kann mir Musiker und Sänger der norddeutschen Bühnen sehr gut auch auf unserer Elblandbühne vorstellen.

Oder eine Inspiration in Bezug auf die Programme: Musik des Nordens, Wassermusiken, das alles könnte mit den Hamburger Kollegen sehr spannend sein.
Wir werden also vieles auf den Prüfstand bringen, um Neues und Bewährtes bei unserem Konzept in Einklang zu bringen.

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