Festlicher Einzug mit "Mosé in Egitto"

<strong>Von den Balustraden,</strong> wo sich die Sänger unter die Gäste gemischt hatten,  erklang  das 'Dal tuo stellato soglio' aus 'Mosé in Egitto' von Gioachino Rossini. <fotos>Doris Ritzka</fotos>
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Von den Balustraden, wo sich die Sänger unter die Gäste gemischt hatten, erklang das "Dal tuo stellato soglio" aus "Mosé in Egitto" von Gioachino Rossini. Doris Ritzka

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24. Juli 2012, 08:19 Uhr

Perleberg | Es ist vollbracht: Aus dem hässliches Entlein ist ein Schwan geworden. Die Rede ist vom 1844 erbauten Gebäude Großer Markt 12, in dem die Lotte Lehmann Akademie ihr Zuhause hat. "Hammerschläge mit Schalmeienklang", so hieß es am 11. August 2010 im "Prignitzer". Tags zuvor war der Baustart für eine umfangreiche Sanierung. Ein musikalisches Kleinod wie die Akademie sollte damit ein standesgemäßes Domizil erhalten. Neben der kulturellen ist zugleich eine touristische Nutzung des Gebäudes ins Auge gefasst. Multifunktionell könnte man das künftige Innenleben umschreiben, das in erster Linie den Anforderungen des Akademiebetriebes gerecht werde und zugleich auch so konzipiert sei, dass Dritte die Räumlichkeiten nutzen können, sagten die Bauherren in Persona der Stadt damals.

Gestern nun war feierliche Einweihung. Statt Schalmeienklängen erfüllte, wie zur Wiedereröffnung der Mailänder Scala 1946, das "Dal tuo stellato soglio" aus "Mosé in Egitto" von Gioachino Rossini das lichte, mit einer Glaskuppel überdachte Innenhofareal, das von den Balustraden in den Obergeschossen der drei Gebäudeflügel eingesehen und so als Konzertsaal genutzt werden kann. Gleich für Gänsehautfeeling sorgten hier die gewaltigen Stimmen, Akustik und die feierliche Atmosphäre.

Rund 1,8 Millionen Euro waren für das Gesamtprojekt veranschlagt, das zu 75 Prozent, sprich mit 1,2 Millionen Euro, über das Bund-Länder-Programm Aktive Stadt- und Ortsteilzentren gefördert wurde. "Und wir bleiben in dem Kostenrahmen", versichert Architekt Klaus Röpke.

In zwei Jahren wurde das Gebäude komplett instand gesetzt und umgebaut. Das Haupttreppenhaus wurde verlagert, zwei kleinere Konzertsäle mit insgesamt rund 60 Quadratmetern, mehrere Übungs- und Büroräume sowie ein Masken- und ein Leseraum entstanden, heißt es aus dem Ministerium für Infrastruktur und Landwirtschaft. In den Räumen im Erdgeschoss wird eine kleine Präsentation an die Opernsopranistin Lotte Lehmann, die in Perleberg geboren wurde, erinnern. Zur Eröffnung gab es eine kleine Überraschung aus dem Stadt- und Regionalmuseum. Ein Brief und Bilder von Lotte Lehmann, die zu einem Ensemble hinter Glas gestaltet wurden, werden hier zu sehen sein. Es sind private Aufnahmen und Fotografien, die die Operndiva unter anderem in Wien und in Australien zeigen. All das stamme aus dem Nachlass ihres Bruders Fritz, schreibt Nachlassverwalter Eric P. Hvolbøll, der vor einigen Jahren auch veranlasste, dass der Flügel von Lotte Lehmann nach Perleberg ins Museums kam. Dieser wird nun als Dauerleihgabe einen Platz im Akademiehaus erhalten. Der Brief mit den Fotografien trägt den Poststempel vom 22. Juli 2012 und er kam direkt aus Santa Barbara, adressiert an die Stadt Perleberg.

Das Gebäude Großer Markt 12 soll aber nicht nur künstlerisch genutzt werden. Die Stadtverwaltung wird mit dem Sachgebiet für Kultur, Jugend, Sport und Tourismus hier neue Räume beziehen, das Stadtmarketing wird hier angesiedelt sein, heißt es aus dem Ministerium.

Als Ort der Weiterbildung für Sänger und Pianisten, die bereits am Beginn der Karriereleiter stehen, und als Ausbildungsort für den musikalischen Nachwuchs der Lotte-Lehmann-Woche hat die Musik hier nun ein Zuhause. Veranstaltungen im Rahmen der Akademie, die bisher auf die Ferienzeit begrenzt waren, könnten nun ganzjährig stattfinden. Gestern war somit die eigentliche Geburtsstunde der Lotte Lehmann Akademie "als eine internationale Schule", wie Hans Rothbauer, stellvertretender Bürgermeister, betonte.

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