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Perleberg hilft : Feste Anlaufstelle für Flüchtlinge

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Initiative „Perleberg hilft“ kann fortan Begegnungsstätte der Awo in der Krummen Straße nutzen für Sprachkurse und Beratung

von
erstellt am 01.Apr.2016 | 11:38 Uhr

Buchstabe für Buchstabe malt Aimal Nizami seinen Namen. Lesen und schreiben hat er nie gelernt. Zuhause in Afghanistan gebe es keine Schulpflicht. Er kommt aus der Provinz Kundus, „da ist überall Krieg. Mal sind die Schulen offen, dann wieder geschlossen“, erzählt der 23-Jährige. In der Landwirtschaft habe er gearbeitet und war dann beim Militär. Für beides brauche man in Afghanistan keinen Schulabschluss. Dann aber musste er fliehen, denn junge Menschen und vor allem solche, die beim Militär waren, müssen um ihr Leben flüchten. „Meine Eltern sind alt, die lässt man in Ruhe.“ Es fällt ihm sichtlich schwer, darüber zu sprechen, denn die Heimat, die Eltern fehlen ihm. Sein derzeitiges Zuhause ist Sükow, und Deutschland solle es werden, so sein größter Wunsch. Hier würde er gern in der Landwirtschaft arbeiten, zuvor eine entsprechende Ausbildung machen. Doch dazu muss er das erste Mal in seinem Leben die Schulbank drücken, muss lesen und schreiben lernen.

Aimal Nizami wird dabei sein, wenn in den Räumlichkeiten von „Perleberg hilft“ demnächst ein Kurs für Analphabeten startet. Seit Freitag hat die Initiative von Ehrenamtlern selbst ein Zuhause. „Wir können kostenlos die Räumlichkeiten der Awo-Begegnungsstätte in der Krummen Straße nutzen.“ Die Freude darüber ist Elisabeth Pietzsch anzumerken. Wieder ein kleiner Erfolg. Gemeinsam mit Ingrid Schindler hat sie „Perleberg hilft“ aus der Taufe gehoben. Keine leichte Geburt, wie sie einräumt. Denn für alles braucht es Genehmigungen, immer wieder muss im Internet gescheckt werden, welche Möglichkeiten es gibt und wie man an diese kommt.

Inzwischen sind sie an die 17 Ehrenamtler, die sich in unterschiedlichen Projekten engagieren, in der Schollschule Flüchtlingskindern spielerisch die Sprache ihres derzeitigen Zuhauses beibringen, Sprachhilfestellung in der Kita „Piccolino“ geben.

In Sükow ist Tom Hölzer dabei, im Keller des Neubaublocks eine Fahrradwerkstatt aufzubauen, wo die Asylbewerber mit ihm gemeinsam ihre Räder, die sie von der Stadt bekommen haben, reparieren können.

Übrigens, gestern zur Eröffnung der Anlaufstelle in der Awo-Begegnungsstätte in der Krummen Straße waren Ahmad Fahim Panahi und die anderen natürlich mit dem Fahrrad da. Damit sie sich sicher auch auf unseren Straßen bewegen, gab es Verkehrsunterricht mit der Polizei. Theorie und Praxis, und demnächst geht es auch noch in den neuen Verkehrsgarten. Auch das organisieren die Ehrenamtler.

Mit der festen Anlaufstelle für Flüchtlinge und Asylbewerber hat die Initiative nun nicht nur eine Bleibe, „wir können jetzt noch andere Projekte anbieten“, erläutert Ingrid Schindler. Der Kurs für Analphabeten sei nur eines, Beratungen bzw. Vermittlung derartiger Hilfe bei der Wohnungssuche für anerkannte Flüchtlinge, aber eben auch Deutschkurse sind geplant. Man habe mittlerweile Kontakte zu vielen Behörden und Ämter aufgebaut, die einiges erleichtern, aber eben nicht alles. Ohne immer wieder nachzuhaken und eigener Recherchen wüssten auch sie vieles nicht. So gebe es jetzt die Maßnahme „Perspektiven für Flüchtlinge“, über die jene intensiv Deutsch lernen und ein Praktikum absolvieren. Auch sie haben jetzt Flüchtlinge in diese Maßnahme bekommen. „Wenn wir aber alles das verwirklichen wollen, was uns vorschwebt, geht das über unsere Kräfte“, räumt Elisabeth Pietzsch offen ein. Denn mehr seien sie nicht geworden.

 

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