Insolvenzantrag von Firma in Weisen : Fenster As kämpft ums Überleben

Es gibt Aufträge, die Produktion läuft, sagt Geschäftsführerin Stefanie Geisler.
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Es gibt Aufträge, die Produktion läuft, sagt Geschäftsführerin Stefanie Geisler.

Weisener Betrieb hat Insolvenz beantragt: Geschäftsführerin Stefanie Geisler ist aber optimistisch

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14. März 2016, 21:00 Uhr

Ja, die Firma Fenster As in Weisen hat Probleme. Ja, am 9. Februar wurde ein Insolvenzantrag beim Amtsgericht in Neuruppin eingereicht. Aber die Produktion läuft, es gibt Aufträge und die Prognose sei günstig. So fasst Geschäftsführerin Stefanie Geisler die Situation zusammen.

Sie stimmt einem Gespräch mit unserer Redaktion zu, will auf Gerüchte mit Fakten antworten und nichts beschönigen, denn die wirtschaftlichen Schwierigkeiten seien enorm. Dafür gebe es nicht den einen ausschlaggebenden Grund, sondern eine ganze Reihe, die dazu geführt hätten.

„Bereits in den Jahren 2013 und 2014 gab es einen massiven Liquiditätsabbau, unsere Kapitaldienstfähigkeit war stark gefährdet“, sagt Stefanie Geisler, die seit 2010 im Betrieb arbeitet, seit August 2015 alleinige Geschäftsführerin ist. Ein Großauftrag in Norddeutschland sei verspätet ausgeführt worden. Das Verschulden liege nicht bei Fenster As. Der Kunde habe technische Anforderungen gestellt, die teils erst noch entwickelt werden mussten. Das habe gedauert und ungeplante Mehrausgaben verursacht.

„Am Ende hat der Kunde einen sechsstelligen Betrag der Vertragssumme nicht ausgezahlt“, sagt Geisler. Mit diesem Fall sei jetzt ein Gericht befasst. Beide Seiten hätten eine unterschiedliche Sicht auf die Details des Auftrags.

Hausbank und Gesellschafter hätten zu Fenster As gestanden, finanzielle Lücken überbrückt. Man blieb optimistisch, vor allem im Jahr 2014. Die Kunststoffanlage wurde erweitert und modernisiert: neue Halle, neue EDV – im Prinzip eine komplett neue Fertigung. Die Investitionssumme betrug 1,2 Millionen Euro, rund 300 000 Euro kamen von der Landesinvestitionsbank (ILB) als Fördermittel.

Damit seien jedoch Forderungen verbunden gewesen. „Wir sollten neue Dauerarbeitsplätze schaffen“, so Stefanie Geisler. Statt der 40 Mitarbeiter und zwei Azubis sollten es 45 Angestellte mit sieben Lehrlingen werden. „Und wir sollten Forschungsarbeit leisten.“

Diese Vorgaben seien nicht erreicht worden. „Wir haben es ernsthaft probiert, Fachkräfte gesucht, auf jeder regionalen Messe um Lehrlinge geworben, aber es war nicht zu machen“, sagt die Geschäftsführerin. Mit der ILB sei kein Kompromiss erzielt worden: „289 000 Euro mussten wir zurückzahlen.“

Noch einen dritten Grund für die Schieflage spricht Stefanie Geisler an. Im Unternehmen sei ein Fall von jahrelanger Veruntreuung entdeckt worden, der ebenfalls einen erheblichen finanziellen Schaden angerichtet hätte.

„Wir hatten einen Sanierungskurs eingeschlagen, den Fuhrpark verkleinert, Versicherungen auf ein Mindestmaß reduziert, Sponsoring eingestellt, die Lagerhaltung optimiert“, fasst Geisler zusammen. Schritte, die durchaus eine positive Wirkung gezeigt hätten, aber letztendlich sei die Rückzahlung an die ILB bei der ohnehin angeschlagenen Finanzsituation nicht mehr zu kompensieren gewesen.

„Uns drohte die Zahlungsunfähigkeit“, gesteht Stefanie Geisler. Der Insolvenzantrag sei unvermeidlich gewesen, um dem Unternehmen nicht jegliche Zukunftschance zu verbauen.

Die Chancen gibt es und sie lassen die Mitarbeiter hoffen. „Produktion und Montage funktionieren, wir haben keine Probleme in der Akquise, können die Kunden bedienen.“

Der vorläufige Insolvenzverwalter habe eine positive Prognose abgegeben. Löhne würden weiter gezahlt, das Ziel sei eine „zügige und fachgerechte Sanierung“. Dazu zähle auch ein Abbau von Mitarbeitern. Wie viele Stellen gestrichen werden, sei noch offen.

Am 1. Mai wird das reguläre Insolvenzverfahren eröffnet. Die beteiligten Gläubiger und Banken seien aus Geislers Sicht kooperativ, sie sieht die Chance für einen Neuanfang: „Wir haben das technische Niveau, um in der ersten Liga zu bleiben.“

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