Politiker im Ruhestand : Fast 20 Jahre Stadtverordneter

Hartmut Schneider: Fast 20 Jahre war er Stadtverordneter, jetzt hat er das Mandat zurückgegeben.
Hartmut Schneider: Fast 20 Jahre war er Stadtverordneter, jetzt hat er das Mandat zurückgegeben.

Hartmut Schneider hat SPD-Mandat abgegeben: Die Gesundheit hat sich gemeldet, da muss man Prioritäten setzen

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21. Juni 2016, 21:00 Uhr

Glückwunsch: Hartmut Schneider feiert heute seinen 73. Geburtstag. Die Träne im Knopfloch – nach fast 20 Jahren im Stadtparlament hat er sich aus diesem Gremium verabschiedet. „Die Gesundheit hat sich gemeldet, da muss man Prioritäten setzen. Ich denke, mit 73 Jahren ist es auch legitim, etwas kürzer zu treten.“

Legitim schon, aber warum nicht im Kreistag statt in der Stadtverordnetenversammlung? „Im Stadtparlament war ich Fraktionsvorsitzender, war von gleich auf jetzt gefordert, auf Probleme zu reagieren, Stellung zu beziehen.“ So manches Mal sei er mit großer Unruhe in die Sitzung gegangen. Im Kreistag sitze er heute in der vierten Reihe. „Ich bin trotzdem aktiv dabei, kann und bringe mich ein. Dennoch ist alles etwas ruhiger für mich.“

Kommunalpolitik interessierte ihn schon von Berufs wegen als Lehrer. Der Weg in die Stadtverordnetenversammlung führte für ihn allerdings über den Kreistag. Für ein Jahr war Hartmut Schneider Mitglied des letzten Perleberger Kreistages zu DDR-Zeiten. Vom Kulturbund wurde er auf die Liste gesetzt und vom Bürger gewählt. Im Kreistag nach der Wende war der Kulturbund wieder mit einem Mandat vertreten, Hartmut Schneider war aber „nur“ auf Platz zwei. 1993 dann kandierte er für die SPD, wurde gewählt und sagte auch ja, als 1998 die Wahl der Stadtverordneten anstand – allerdings bestand er auf den letzten Listenplatz. Er war trotzdem drin, beendete die Wahlperiode aber vorzeitig. Fulltime-Job als Schulleiter am Gymnasium, Vorsitzender der Fraktion der SPD im Kreistag und Stadtverordnetenversammlung – „irgendwo wurde das Hemd einfach zu kurz“, räumt er offen ein. Nach der nächsten Wahl saß er aber erneut für die SPD im Stadtparlament. „Da war schon abzusehen, dass ich alsbald in Rente gehe“, ergänzt er schmunzelnd.
In allen Ausschüssen der Stadtverordnetenversammlung habe er mitgearbeitet, die längste Zeit aber im Kultur-, Bildungs- und Sozialausschuss, der ihm wohl auch auf dem Leib geschneidert war als Lehrer und Vorsitzender des Kulturvereins. Sein großes Ziel: „Alle in der Stadt existierenden Schulformen müssen erhalten bleiben.“ Bis jetzt hat es geklappt!

Und worauf ist er als Stadtverordneter besonders stolz? „Auf die Rolandhalle, die einst für das Gymnasium gebaut wurde.“ Nicht jeder auch in der eigenen Fraktion sah darin eine Chance, sondern eher den Fakt, dass auch die Stadt Jahr für Jahr Geld dafür aufbringen muss.

Stolz sei er zudem darauf, dass die Stadt für die Lotte-Lehmann-Woche eingestanden ist, als sich der Kreis aus diesem Projekt zurückgezogen hat. Auch das Gebäude der Lotte-Lehmann-Akademie sei Bestätigung für ihn, hier alles richtig gemacht zu haben. „Eine hässliche Lücke im Stadtkern wurde geschlossen, die sonst niemand angepackt hätte.“ Die Idee vom Akademiebetrieb sei gut, aber eben auch noch ein hartes Stück Arbeit. „Das hat sie mit dem Judenhof gemeinsam.“ Viel Herzblut hänge an diesem, „der unter Schmerzen und vielleicht auch mit zu viel Geld aufgebaut wurde“, räumt Hartmut Schneider ein. Doch mit der Fertigstellung verschwinde nicht zuletzt auch einer der letzten Schandflecke an der Stepenitz, erhalte Perleberg eine Stätte der Begegnung, ein Kleinod.

Friede, Freude, eitler Sonnenschein – dafür steht Perlebergs Stadtverordnetenversammlung wahrlich nicht. Die Personalquerelen um den ehemaligen Bürgermeister und seinen Stellvertreter seien alles andere „als erbaulich gewesen und haben der Stadt letztlich auch sehr geschadet.“ Auch mancher Kompromiss, zu dem er, Schneider, bereit war, fand nicht auf Anhieb in der Fraktion Zustimmung. In seiner letzten Stadtverordnetenversammlung gab es so gar eine Gegenstimme aus der Fraktion als es um die Stellungnahme zur Verwaltungsstrukturreform ging. „Nicht zuletzt steht damit auch die Zukunft Perlebergs als Kreisstadt im Raum. Da sollten wir geschlossen ein- und auftreten.“

Im Rückblick gebe es aber keine Ereignisse, bei denen er sich fragen müsse, warum das so passiert sei. „Waren meine Vorstellungen falsch, dann musste ich mich eben eines Besseren belehren lassen.“ Dabei verhehlt er nicht, dass es schon etliche schlaflose Nächte gab, aber „ich habe keinen Tag bereut“.

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