Kreiskrankenhaus : Familienglück auf neuer Station

Glücklich über ihren Nachwuchs und zufrieden mit der neuen Klinik: Olivia und Roland Banse mit der kleinen Lena in einem der neuen Familienzimmer.
Glücklich über ihren Nachwuchs und zufrieden mit der neuen Klinik: Olivia und Roland Banse mit der kleinen Lena in einem der neuen Familienzimmer.

Klinik für Geburtshilfe und Gynäkologie neu errichtet / Kleine Stationen werden zu einer finanziellen Belastung

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19. Juni 2015, 21:30 Uhr

Familienglück im Krankenhaus. Olivia und Roland Banse verbringen die ersten Tage mit ihrem Nachwuchs Lena auf der neuen Station für Geburtshilfe und Gynäkologie im Kreiskrankenhaus Perleberg. „Unser Mädchen kam in der Nacht zur Welt und eigentlich wollte ich nach Hause fahren“, sagt der junge Papa. Doch noch im Kreißsaal überlegten sie es sich anders. Ein Anruf auf der Station und fix war das Familienzimmer vorbereitet, standen die beiden Betten nebeneinander.

„Für mich war das sehr angenehm, ich war nicht alleine, konnte auch mal schlafen zwischendurch“, sagt Olivia Banse. Sie seien zufrieden mit der Klinik, hätten sich anderweitig auch nicht umgeschaut. „Wir wohnen erst seit kurzem in Weisen und wollten so nah wie möglich entbinden“, sagen sie.

Geschäftsführer Karsten Krüger hört diese Worte gern. 1,3 Millionen Euro hat das Haus in die Station in einem neuen Anbau investiert. Optisch unterscheidet sie sich von allen anderen Stationen: Auslegware statt kühles Linoleum, Frühstücksraum für Mütter, größere Zimmer für nur zwei Betten mit Bad. Krüger spricht von einem Hotelcharakter. „Schwangere sind ja nicht krank.“ Die werdenden Eltern wünschen sich solche Bedingungen und darauf habe man reagiert. Dennoch gibt es die üblichen Behandlungszimmer, da die elf Betten auch für Patientinnen vorgesehen sind.

Die Bauzeit betrug nur neun Monate, ausschließlich regionale Firmen waren beauftragt. „Das lief wunderbar, besser geht es nicht“, sagt der Geschäftsführer. Notwendig wurde der Anbau in Sichtweite zur Kinderklinik, weil im August eine völlig neue Abteilung öffnet: die Geriatrie.

Dennoch habe man sich die Entscheidung nicht leicht gemacht. Kleine Abteilungen seien zunehmend unrentabel. Neben der Geburtshilfe/Gynäkologie mit rund 1000 Fällen im Jahr, darunter etwa 330 Geburten, betreffe das die Kinderklinik. „Betriebswirtschaftlich sind sie eine Herausforderung“, sagt Karsten Krüger. Deutlicher noch: Die Abteilungen erwirtschaften ein Minus, welches durch andere Bereiche kompensiert werden müsse. Unter anderem liegt das an dem hohen Personalaufwand, allein für die Geburtenstation müssen stets zwei Ärzte gleichzeitig rund um die Uhr im Dienst sein.

Karsten Krüger sieht die Politik in der Pflicht. Als Regelkrankenhaus mit dem Auftrag einer regionalen Versorgung müsse und wolle man solche Stationen vorhalten. Die nächsten Kinderkliniken gibt es in Parchim, Schwerin oder Neuruppin.

„Die Politik müsste uns einen Sicherstellungs-Zuschlag gewähren“, fordert Krüger. Bisher gebe es diesen nur, wenn ein ganzes Krankenhaus finanziell in Schieflage gerät, aber nicht bei einzelnen Stationen. „Und gesamtwirtschaftlich geht es uns gut“, stellt Krüger klar. Man wolle auch nicht von alleine am Fortbestand solcher kleinen Stationen rütteln, „aber es gibt Häuser, die von sich aus schließen“.

Zu einem gewissen Anteil habe es die Bevölkerung selbst in der Hand: „Wer sich für unser Haus entscheidet, unterstützt eine wohnortnahe medizinische Versorgung“, so der Geschäftsführer. Von der Qualität der Geburtenstation können sich Interessierte kommende Woche auf dem schwedisch angehauchten Midsommar Fest überzeugen.

Dann werden auch Ärzte und Schwestern vor Ort sein, unter ihnen der leitende Oberarzt Dr. Volkmar Hübel. Seit 2008 arbeitet er auf der Station. Zum achtköpfigen Ärzteteam gehört auch der junge Oberarzt Georgi Marinov. In Bulgarien studiert, in Jena seine Facharztprüfung erfolgreich abgelegt, arbeitete er zunächst in Gardelegen und seit Anfang des Jahres in Perleberg. „Ich fühle mich hier wohl, auch weil es viele Landsleute von mir gibt“, sagt er in gutem Deutsch.

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