Perleberger Firmengeschichte : Familienbetrieb feiert Jubiläum

Bürgermeisterin Annett Jura und Christian Fenske, Geschäftsführer der Technologie- und Gewerbezentrum Prignitz GmbH (r.), gratulierten zum Jubiläum und machten sich ein Bild von der Firma, hier im Gespräch mit Andreas Höpcke.
Bürgermeisterin Annett Jura und Christian Fenske, Geschäftsführer der Technologie- und Gewerbezentrum Prignitz GmbH (r.), gratulierten zum Jubiläum und machten sich ein Bild von der Firma, hier im Gespräch mit Andreas Höpcke.

Vor 25 Jahren schlossen sich drei Brüder unter dem Dach Naturstein Höpcke zur GmbH zusammen. Geburtsstunde schlug bereits 1886

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10. April 2018, 05:00 Uhr

Vor 25 Jahren schlossen sich drei Brüder unter dem Dach Naturstein Höpcke zu einer GmbH zusammen. Karl-Heinz betrieb in Güstrow eigenständig eine Niederlassung. Inzwischen genießt er bereits seinen wohlverdienten Ruhestand. Jürgens Metier war der Grabsteinverkauf und Andreas baute den Bereich Naturstein im Wohnambiente aus. Treppen, Arbeitsplatten, Fußböden, Wandverkleidungen aus Naturstein sprich Granit, Marmor oder eben auch Keramik gehören heute zur Produktionspalette. „Von der Bahnhofstreppe bis zum modernen Bad fertigen wir alles“, so Andreas Höpcke. Derzeit werden in seiner Werkstatt unter anderem 500 Meter Treppe für den Neubrandenburger Bahnhof produziert. Verbaut wurde auch ein Gesellenstück aus seinem Hause in der Dresdener Frauenkirche, berichtet er nicht ohne Stolz und fügt in diesem Zusammenhang an, dass man auch künftig weiter gern ausbilden möchte.

Die Tradition des Familienunternehmens, das auch die GmbH immer bleiben möchte, reicht jedoch bis ins Jahr 1886 zurück. Karl Höpcke legte den Grundstein für eine Familiendynastie in Perleberg. Vom Vater auf den Sohn wurden Handwerk und Geschäft weitergegeben und das bis in heutige Tage.

Von der Marienstraße zog der Handwerksbetrieb 1899 in die Hamburger Straße. Alteingesessene Perleberger dürften sich noch an das Haus mit den Grabsteinen im Vorgarten erinnern. Hinterm Haus befand sich die Werkstatt, aber nicht nur, denn die Stein- und Bildhauerei war faktisch nur eine Art Nebenerwerb. Parallel dazu hatte man Landwirtschaft, sprich Tiere auf dem Hof, Wiesen und Weiden. 1922 dann übernahm Karl-Wilhelm den kleinen Handwerksbetrieb. Mit Pferd und Wagen ging es auf die Dörfer, wurden die Grabsteine geliefert. Bezahlt wurden diese nicht selten mit Eier und Rüben.

Sohn Erich schickte sich beizeiten an, in die Fußstapfen des Vaters zu treten. Er erlernte das Handwerk und machte 1945 seine Meisterprüfung. 1958 dann trat er das väterliche Erbe an. An seiner Seite seine Grete, eine überaus geschäftstüchtige Frau, weiß Nadja Schwark, die Schwiegertochter, zu berichten. Durch eine schwere Kriegsverletzung gehandicapt, widmete sich Erich Höpcke dem kreativen Part des Geschäftes. Er entwickelte gar eine eigene Schrift. Seine Arbeit wurde sehr geschätzt. Die Steine zum Friedhof aber brachte seine Frau und sie stellte sie auch auf. Übrigens, Grete Höpcke war eine der ersten Frauen in Perleberg, die einen Führerschein hatte. Mit Moskwitsch und Hänger machte sie sich auf den Weg zu den Kunden. Und sie war auch Geschäftsfrau, machte die Buchhaltung und sorgte für Material. Letzteres war alles andere als einfach, doch nicht von ungefähr hieß es: Geh zu Höpcke, der hat immer eine Auswahl an Grabsteinen. Das Kontingent war allerdings beschränkt, für Private noch um vieles mehr. So war Grete Höpcke ständig auch unterwegs, um alte Grabsteine abzuräumen. Firmen im Elbsandsteingebirge gaben für vier alte einen neuen, weiß Nadja Schwark aus Erzählungen ihrer Schwiegermutter.

Andreas, der Jüngste, zeigte schon als Stift, dass die Stein- und Bildhauerei sein Ding ist. Er wurde Steinmetz, machte seinen Meister und dann zog es ihn in den Westen. Karl-Heinz studierte und auch Jürgen ergriff einen ganz anderen Beruf. Als die Frage stand, wer führt den elterlichen Betrieb weiter, da sattelte Jürgen beruflich um, machte seinen Steinmetz und auch den Meister.

Die Wende krempelte auch bei den Höpckes einiges um und führte letztlich alle wieder im elterlichen Betrieb zusammen. Die Werkstatt hinterm Haus war inzwischen längst zu klein, die Maschinen immer größer geworden. Ein Umzug sah Mutter Grete damals aber mehr als skeptisch. Autos waren rar, alles fuhr mit dem Bus und im Industriegebiet Quitzow hielt nun mal keiner. So entstand in der Hamburger Chaussee erst einmal eine Halle für die große Brückensäge und Natursteinbearbeitungsmaschinen. 2001 war das Bürogebäude fertig und mit Mann und Maus wurde umgezogen. Autos waren mittlerweile kaum noch ein Thema, fast jeder hatte eins.

Heute schickt sich bereits die fünfte Generation an, das Unternehmen von Karl Höpcke weiter zu führen. Jeweils ein Sohn von Jürgen und Andreas haben ihren Steinmetz schon in der Tasche. Auch wenn modernste Technik, wie CNC- oder automatische Kantenbearbeitungsmaschinen hier längst zum Alltag gehören, die urwüchsige Kunst der Sandsteinbearbeitung mit Spitz- und Schlageisen ist und bleibt Teil der Ausbildung. Wie sagt Andreas Höpcke: Eine richtige Schrift muss geschlagen sein.“ Allerdings passiert das heute mit Pressluft und nicht mehr per Hand.

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