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Suche nach Ahnen in Wittenberge : Familie findet ihren Ort zum Trauern

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Nach vielen Jahren des Suchens stehen Titovs am Grab ihres Verwandten / Er war hier KZ-Häftling

Welche Gefühle mögen Mykola Titov und seine Tochter Iryna Horpynych bewegt haben, als sie nach vielen Jahren der Suche endlich am Grab ihres Onkels bzw. Großonkels Iwan Titov stehen konnten, sich persönlich davon überzeugten, dass er auf dem sowjetischen Ehrenfriedhof am Rathaus eine würdige letzte Ruhestätte gefunden hat?

Man kann die Antworten nur erahnen, denn der Besuch der beiden Ukrainer in der vergangenen Woche erfolgte eher unauffällig. Zwar hatte Heidburg Behling als Mitglied im Vorstand des Freundeskreises der KZ-Gedenkstätte Neuengamme vor der Visite von Familie Titov der Stadtverwaltung geschrieben, dass es schön wäre für die Gäste, sie könnten vor Ort jemanden treffen, der sich mit der Geschichte des Ehrenfriedhofs und des KZ-Außenlagers Wittenberge auskennt, aber der Ruf blieb weitgehend ungehört. Stadtgeschichtler Günter Rodegast beispielsweise hätte Auskünfte geben können, hat er doch über Jahrzehnte zu diesen Themen recherchiert.

Mykola Titov und Iryna haben auf den verschiedensten Wegen versucht, etwas über das Schicksal und vor allem die letzte Ruhestätte ihrer Verwandten zu finden.

„Wir haben der Familie schließlich weiterhelfen können“, sagt Dr. Reimer Möller. Er ist in der KZ-Gedenkstätte Neuengamme tätig, ist einer von sechs Mitarbeitern, die mit Forschung und Archivarbeit betraut sind. Unstrittig ist nach Möllers Worten, dass Iwan Titov Häftling im KZ Neuengamme war und im Außenlager Wittenberge zur Zwangsarbeit in der Zellwolle eingesetzt war. Noch nicht einmal 20-jährig, verstarb der junge Mann am 21.Oktober 1943. Meist führten die unmenschlichen Arbeitsbedingungen und Unterernährung zum Tode, erklärt der Forscher aus der Gedenkstätte, die jährlich an die 3300 Anfragen erhält, weil Menschen ihre Angehörigen suchen, über deren Schicksal etwas wissen, eine Stätte zum Trauern finden wollen. Familie Titov war anhand eigener Recherchen davon ausgegangen, dass Iwan im KZ in Salzgitter eingesetzt war. Aber es war in Wittenberge. Eine Anfrage beim hiesigen Friedhofsverwalter Ingo Lipinski mit Abgleich der Daten bestätigte diesen Fakt. „Im zweiten Gräberfeld des Friedhofs, Reihe 1, Grab 9 ist Iwan Titov mit Sterbedatum vom 21.10.1943 beigesetzt“, sagt Lipinski. Das widerspricht allerdings der hier allgemein gängigen Auffassung, die auch Stadtgeschichtler Rodegast in einer Publikationen zum Ehrenfriedhof vertritt, dass nämlich am Rathaus fast ausschließlich Militärangehörige beigesetzt worden seien. Reinhard Jaap als ehemaliger langjähriger Friedhofsverwalter weiß aus seiner Tätigkeit, dass „dort auch Menschen ruhen, die irgendwo begraben waren und dorthin umgebettet wurden“. Lob gab es von Familie Titov für den gepflegte Friedhof.  



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