Neues Projekt an der Burg Lenzen : Fahrstuhl in die Slawenzeit

Direkt auf dem Burghügel, im Stadtgebiet und bei Lenzen fanden Archäologen mehrere Funde aus der Slawenzeit. Hier eine Keramikscherbe mit Verzierung. Sie wurde 2008 bei Grabungen am Forsthaus Lenzen gefunden.
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Direkt auf dem Burghügel, im Stadtgebiet und bei Lenzen fanden Archäologen mehrere Funde aus der Slawenzeit. Hier eine Keramikscherbe mit Verzierung. Sie wurde 2008 bei Grabungen am Forsthaus Lenzen gefunden.

Burg Lenzen plant Umsetzung einer alten Idee und will ein Museum für slawische Grabungsfunde bauen

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13. Februar 2018, 21:00 Uhr

Nimmt man die Zahl der archäologischen Funde in und bei Lenzen, würde sich allein damit ein kleines Museum gestalten lassen. Der Gedanke ist weder abwegig noch neu, doch jetzt nimmt er konkrete Formen an. Auf der Burg in Lenzen soll unterirdisch eine Ausstellung entstehen. Der Arbeitstitel dazu lautet: Fahrstuhl in die Slawenzeit.

Seit 2009 gibt es diesen Gedanken. Entstanden ist er bei einer Grabung auf dem Burghügel. In mehreren Metern Tiefe fanden Archäologen mehrere Zeugnisse der slawischen Besiedlung. Diese Exponate sollen möglichst an den Originalfundplätzen gezeigt werden. „An dieser Grundidee halten wir fest“, sagt Susanne Gerstner, die noch bis Monatsende Geschäftsführerin der Burg ist.

Lange habe es gedauert, aber nun gebe es Fortschritte. Drei Büros arbeiten zeitgleich an einer Machbarkeitsstudie. „Es geht um ein Grobkonzept für die Ausstellung, es gilt die Architektur des Gebäudes ober- und unterirdisch zu entwerfen und es müssen betriebswirtschaftliche Fragen beantwortet werden“, fasst Gerstner zusammen.

Bis Jahresmitte sollen die Ergebnisse vorliegen und zusammen in einem Konzept gebündelt werden. Dieses werde dann als Vorlage für einen Fördermittelantrag zur Umsetzung dienen. Gerstner spricht von einer zügigen Realisierung. Man wolle keine Zeit mehr verlieren.

Parallel beginnen Gespräche mit dem Landesamt für Archäologie. Dort werden alle Fundstücke gelagert und ausgewertet. Eine Dauerausstellung an Grabungsorten ist keinesfalls der Normalfall. Das weiß auch Gerstner. „Wir müssen sehen, was die Gespräche mit den Wissenschaftlern ergeben werden.“ In jedem Fall können Gerstner und ihre Nachfolgerin Bettina Kühnast auf die Unterstützung des Landkreises zählen.

Zusammen mit dem Tourismusverband hat dieser begonnen, die archäologischen Stätten zwischen Wittstock und Lenzen systematisch für Besucher zu erschließen. Unter dem Titel „Zeitschätze Prignitz“ werden die Orte vermarktet, allen voran das Königsgrab in Seddin. Im Zuge dieser Kampagne ist auch ein hochwertiges Souvenir entstanden: eine Replik des Meyenburger Dreikönigsrings.

Der Fahrstuhl in die Slawenzeit wäre das letzte große Bauprojekt auf der Burg in Lenzen, die dem BUND Niedersachsen gehört. Seit dem Erwerb vor bald 20 Jahren hat der BUND die einst vom Verfall bedrohte Burg in mehreren Etappen saniert. Sie ist heute ein auenökologisches Zentrum mit Seminar- und Hotelbetrieb.

Nicht ausgeschlossen ist, dass in dem Museum auch andere Fundstücke gezeigt werden. Gegraben wurde nicht nur auf der Burg, sondern auch in Lenzens Altstadt und in der näheren Umgebung. Bei nahezu allen Grabungen stießen Archäologen auf Funde wie Schmuck und verzierte Keramik.

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