zur Navigation springen
Der Prignitzer

15. Dezember 2017 | 21:03 Uhr

Fahrgäste und Behörde ausgetrickst

vom

svz.de von
erstellt am 21.Jun.2011 | 07:05 Uhr

Wittenberge/Lübz | Eine Sommerfahrt sollte es gestern werden, den Teilnehmern waren attraktive Geldpreise versprochen worden. Doch das angegebene Ziel hat der Bus nie erreicht. Unsere Zeitung und das Gewerbeamt Wittenberge hatten Mitreisende gewarnt. Und das aus gutem Grund: Die veranstaltende Firma ist bundesweit für ihre unseriösen Fahrten bekannt.

Gabi Wysocki vom städtischen Gewerbeamt war gestern früh am Busbahnhof: "Bereits am Vortag kam eine Bürgerin zu mir und zeigte den Brief mit der Einladung zur Fahrt", sagt sie. Inhalt und Form machten sie sofort stutzig. "Besonders ärgerte mich die aggressive Wortwahl und die Drohung, dass bei Nichtantritt der Fahrt Kosten in Rechnung gestellt werden."

Eine Internetrecherche bestätigte ihren Verdacht. Mehrere Verbraucherschutzorganisationen warnen vor der Firma "Zentrale Gewinnverteilung." Der Lahn-Dill-Kreis schreibt auf seiner Homepage, warum es sich um eine unseriöse Einladung handelt, veröffentlichte ebenfalls den Erfahrungsbericht eines Mitreisenden, der um ein Haar 4000 Euro verloren hätte.

Zeitgleich mit der Stadtverwaltung recherchierte unsere Zeitung und kam zu dem gleichen Ergebnis, ebenfalls die durch unsere Redaktion informierte Polizei. Wir berichteten gestern unter der Überschrift "Falscher Bargeldsegen".

Mit Unterstützung der Polizei sprach Gabi Wysocki gestern Fahrgäste an, teilte ihre Befürchtung mit. "Ich hatte auch Flyer ausgedruckt und verteilte sie." Ebenfalls sei ein Bürger mit der "Prignitzer"-Ausgabe gekommen, habe auf die mögliche Falle hingewiesen.

Die Reaktionen seien unterschiedlich gewesen. Einige wollten aufmerksam bleiben, andere fühlten sich eher belästigt. Eine Frau habe regelrecht verärgert reagiert, sie freue sich auf diesen Ausflug. "Alle acht Personen sind eingestiegen", sagt Gabi Wysocki.

Als Ziel nannte die Busfahrerin Wahlstorf bei Lübz. Darüber informierte Wysocki ihre Kollegen in der dortigen Verwaltung. Sie reagierten und fuhren zu der mutmaßlichen Gaststätte nach Wahlstorf. Doch die war gegen 10.30 Uhr verschlossen. Kein Bus, keine Verkaufsveranstaltung. Eine zweite Kontrolle am Nachmittag blieb ebenfalls erfolglos. Offenbar hat der Veranstalter erst unterwegs den Busfahrer über das genaue Ziel informiert, vermutet die Lübzer Behörde.

Laut Gewerberecht sind mobile Verkaufsveranstaltungen beim Gewerbeamt anzumelden, erklärt Gabi Wysocki. Die Anzeigenpflicht entfalle nur, wenn es sich um eine reine Präsentation handele. Leider würden immer wieder Bürger auf solche Einladungen hereinfallen. Ist erst einmal Geld gezahlt worden, sei es fast unmöglich, dieses zurückzubekommen, denn häufig handele es sich nur um eine Briefkastenfirma.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen