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Asylbewerber in der Prignitz : Fahrdienst für Flüchtlingskinder

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Kita Kinderland in Karstädt ausgelastet / Lösung nach Fahrdienst für Flüchtlingskinder aufs Dorf gesucht

von
erstellt am 28.Jan.2015 | 08:00 Uhr

Gestern kamen zwei weitere syrische Asylbewerberfamilien nach Karstädt. Jeweils zwei Erwachsene mit drei Kindern finden dort eine neue Bleibe. Von den sechs Kindern befinden sich drei im schulpflichtigen und drei im Kindergarten-Alter. Mittlerweile hat die Gemeinde Karstädt seit Sommer 2014 neun Flüchlings- und Asylbewerberfamilien aufgenommen. Untergebracht sind sie in Wohnungen. Die Betreuung wird durch die Awo Prignitz als Dienstleister des Landkreises gewährleistet. Der Betreuungsschlüssel, der vom Landkreis wesentlich besser ist, als der vom Land vorgegebene, liegt bei einem Betreuer für 60 Asylbewerber. „Wir werden durch einen besseren Vertrag mit dem Landkreis, weitere Sozialarbeiter einstellen können“, erklärte gestern Susanne Seidel, Sozialarbeiterin im Bereich Migration bei der Awo Prignitz, die immer im Rahmen ihrer Möglichkeiten den Karstädtern hilft.

Susanne Seidel gehörte zu der gestrigen Gesprächsrunde, die Karstädts Bürgermeister Udo Staeck zu einem Erfahrungsaustausch kurzfristig geladen hatte. „Wir wollen, dass die Flüchtlinge und Asylbewerber hier aufgenommen werden“, so Staeck. Aber dazu gehört die Integration.

„Das größte Problem ist die Verständigung. Es fängt mit Kleinigkeiten an, dass man den Muttis erklären muss, was die Kinder für den Sport mitbringen müssen“, berichtete Marita Krohn, Kita-Leiterin aus Karstädt. „Sie haben uns schon darum gebeten, alles in Druckbuchstaben in deutsch aufzuschreiben, sie haben eine App, die das übersetzen kann“, so Krohn weiter.

Ebenfalls Sprachprobleme gibt es in der Grundschule. Doch da stellt sich das als wesentlich komplexer dar. Es geht um den Deutschunterricht, speziell um die Förderstunden, die dem eigentlichen Zweck verloren gehen. „Da muss das Schulamt tätig werden. Es kann alles nicht zu Lasten unserer Kinder gehen, die die Förderstunden benötigen. Das Land muss kurzfristig in Bezug auf den Lehrermangel seine Hausaufgaben machen“, so Staeck.

„Bei uns haben sich zwei Muttis bereit erklärt, mit Flüchtlingskindern deutsch zu lernen. Sie machen das alles ehrenamtlich“, informierte Gabriele Starr, die derzeit die Schule leitet. Hilfe bot gestern auch Beate Haas-Neukirch, Leiterin der Tagesgruppe Brügger Hof in Dallmin an: „Wir haben Therapeuten, Erzieher und Erfahrungen. Zwar nicht direkt mit Flüchtlingskindern, aber es geht immer um die Eingliederung in den Schulalltag.“

Gabriele Starr konnte aber auch berichten, „dass es nach den Winterferien anders werden soll. Dann ist ein zentraler Unterricht für diese Kinder in Perleberg in der Rolandschule vorgesehen, wie das Schulamt uns informierte. Es gibt dort auch Überlegungen, dass man vielleicht eine Gruppe in Karstädt aufmacht.“ Wenn aber nicht, wird es über das Schulamt einen Fahrdienst nach Perleberg geben.

Und einen Fahrdienst wird auch für die Kita-Kinder vonnöten sein. Denn das Kinderland in Karstädt mit einer Kapazität von 140 Plätzen ist ausgelastet. Eine Lösung würde sich in Premslin bieten. Dort habe man bis zum Sommer erst einmal noch sechs freie Plätze. Konkret liegen von den Asylbewerbern die Anträge zweier kleiner Kinder aus der russischen Förderation vor. „Ich habe mir von Frau Krohn Erst-Informationen geholt“, so die Premsliner Kita-Leiterin Inge Pietsch, die alldem positiv gegenüber steht. „Bei den anderen Familien wissen wir noch nicht, ob sie ihre Kinder in eine Kita schicken wollen“, sagte Hauptamtsleiterin Beatrice von Lentzke. Wenn die Kita Premslin ausgelastet ist, wäre die nächste Ausweichmöglichkeit Nebelin.

Doch die Kleinen müssten aber nach Premslin kommen. Christian Müller, 1. Beigeordneter des Landrates Torsten Uhe, der bei der Gesprächsrunde ebenfalls anwesend war, stellte in Aussicht, „dass ich mich informieren werde, was vom Landkreis her möglich ist. Wir haben ja einen Fahrdienst für Eingliederungskitas“. Müller informierte die Runde auch darüber, dass in diesem Jahr mehr Flüchtlinge und Asylbewerber in den Landkreis kommen werden, als 2014. Da kamen rund 240.

Karstädts Bürgermeister gab ihm noch mit auf den Weg. „Der Landkreis muss gegenüber dem Land auch mal Härte zeigen, und Gelder einfordern, damit sie verteilt werden. Das Land reicht einiges nicht weiter“, meint Staeck deutlich.

 

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