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Von Lenzen nach Pevestorf : „Fähre ist von großer Bedeutung“

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Das Amt Lenzen-Elbtalaue übernimmt nach dem Ausscheiden von Familie Butchereit den Fährbetrieb nach Pevestorf

von
erstellt am 08.Jan.2017 | 05:00 Uhr

Lange war nicht klar, ob die Fähre zwischen Lenzen und dem niedersächsischen Pevestorf auch 2017 über die Elbe verkehrt. Der inzwischen 74-jährige Fährmann und Eigner Erich Butchereit strebte seinen Ruhestand und den Verkauf der „Westprignitz“ an. Das Amt Lenzen-Elbtalaue erwarb die Fähre kürzlich vom bisherigen Betreiber und betreibt nun die Fähre in Eigenregie. Amtsdirektor Harald Ziegeler äußert sich dazu ausführlich im Gespräch mit Prignitzer-Mitarbeiter Torsten Gottschalk.

Was hat das Amt zum Kauf der Fähre bewogen?

Harald Ziegeler: Aus der in den vorhergehenden Monaten festzustellenden Erkenntnis, dass eine Weitergabe des Fährbetriebs unter rein unternehmerischer Betrachtungsweise schwer beziehungsweise nicht möglich erschien, hat das Amt die grundsätzliche und zukünftige Sicherung der Fährverbindung in den Schwerpunkt ihrer Entscheidung gestellt, um im Sinne einer Daseinsvorsorge einen Weiterbetrieb zu gewährleisten.

An dieser Stelle muss ausdrücklich angemerkt werden, dass mit dem Amt alle amtsangehörigen Gemeinden zu nennen sind. Für alle ist diese Verkehrsverbindung von großer Bedeutung.

Die tatsächliche Frequentierung der Fähre, nicht nur durch den Tourismus, sondern auch durch Tagespendler und Gewerbebetriebe, machen diese Einschätzung nochmals deutlich. Vorangegangen sind ständige Gespräche und Abstimmungen mit den benachbarten niedersächsischen Kommunen. Dies erneut, nachdem auch der Fährbetrieb Schnackenburg-Lütkenwisch seinen Betrieb aufgeben möchte, aber bisherige Verhandlungen ebenfalls nicht zum Erfolg geführt haben. In den letzten Tagen wurden erhebliche Anstrengungen von Seiten des Amtes und der niedersächsischen Kollegen im Zusammenwirken mit dem Fährbetrieb unternommen, um diese Verbindung zu sichern.


Es ist bekannt, dass die Familie Butchereit schon seit rund zwei Jahren einen Nachfolger gesucht hat und verkaufen wollte. Warum hat das Amt nicht vorher reagiert?

Familie Butchereit hat das Amt von Beginn an in ihre Absicht zur Veräußerung der Fähre einbezogen. Nicht zuletzt aus Gründen der sogenannten Fährgerechtigkeit, die das Amt hat. Vorrangig wurde eine unternehmerische Veräußerung und ein Weiterbetrieb der Fähre unterstützt. Erst zuletzt dann die Sicherung der Fährverbindung im Sinne einer Daseinsvorsorge, die das Amt zu gewährleisten hat.

Es gab 2015 ein Übernahmeangebot eines niedersächsischen Schiffers, das sich zerschlagen hatte. Vor einigen Monaten waren sich Butchereits dann mit einem privaten Interessenten aus Lenzen einig. Warum legte das Amt dagegen sein Veto ein?

Die Verhandlungen oblagen Familie Butchereit selbst. Weitere Auskünfte können hier aus Gründen des Datenschutzes nicht getätigt werden. Ein Veto wurde nicht wahrgenommen, vielmehr hatte das Amt bereits zu diesem Zeitpunkt die Entscheidung getroffen, nunmehr allein aus Gründen der weiteren Besicherung der Verbindung die beschriebenen Grundlagen zu erreichen.

Wie will das Amt die Finanzierung des Kaufpreises von vermuteten 360  000 Euro für die „Westprignitz“ stemmen?

Zum Kaufpreis erfolgt aus Gründen einer Absprache keine weitergehende Auskunft. Grundsätzlich muss aber von sogenannten Gesamtkosten gesprochen werden, die nicht nur das Fahrzeug selbst betreffen, sondern Bestandteile wie Anlegeeinrichtungen und Schiffsersatzteile. Es ist aber richtig, dass von Seiten des Landkreises eine Förderung aus Mitteln des ÖPNV gewährt worden ist, wofür wir uns ausdrücklich zu bedanken haben. Das macht einmal mehr deutlich, dass für den Landkreis die Fährverbindungen an der Elbe von Bedeutung sind.

Erich Butchereit hatte zuletzt aus Krankheitsgründen nur noch einen Angestellten zur Verfügung. Fachkräfte sind auf dem Arbeitsmarkt nicht üppig vorhanden. Wie will das Amt diesen personellen Engpass bewältigen?

Nicht zuletzt durch die Mithilfe von Familie Butchereit und durch die aktuelle Presseberichterstattung selbst konnten Schiffsführer für eine Tätigkeit auf der Fähre gewonnen werden, worüber wir sehr glücklich sind. Das erfahrene vorhandene Personal wird natürlich übernommen.

Erich Butchereits Frau Gerlinde hat sich um die organisatorischen und buchhalterischen Belange des Fährbetriebes gekümmert. Wer übernimmt diese Aufgaben nun?

Die mit dem Betrieb der Fähre zu leistenden Aufgaben werden durch die Amtsverwaltung erledigt. In den Jahren zuvor mussten die vorhandenen beziehungsweise durch das Amt hergestellten Fähranlegeeinrichtungen und alle mit dem Betrieb im Zusammenhang stehenden behördlichen Aufgaben bereits erledigt werden.

Wie geht es nun weiter? Werden die Fährzeiten so bleiben wie bisher oder plant das Amt Änderungen?

Grundsätzlich ist anzumerken, dass die derzeitigen Fährzeiten den Erfahrungen mit der tatsächlichen Nutzungen angepasst worden sind. Dies sind nicht zuletzt über 20 Jahre Betriebserfahrungen. Es hat ständige Absprachen mit den Butchereits gegeben. Es ist richtig, dass uns in den letzten Tagen vermehrt Verbesserungsvorschläge durch Nutzer mitgeteilt worden sind, die wir prüfen werden. Allein zum Besuch von Veranstaltungen beiderseits der Elbe erreichten uns Vorschläge, die aber auch in den Vorjahren durch beide Fährbetriebe einvernehmlich begleitet worden sind. Hier werden wir uns entsprechend aufstellen.

Vielen Dank für das Gespräch.

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