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Stillstand wegen Niedrigwassers : Fähre droht eine Zwangspause

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Lenzen fährt seit Montag nicht mehr / Niedrigwasser und Versandung sind die Ursachen

Wer in dieser Woche mit dem Auto oder dem Rad in Lenzen über die Elbe setzen will, muss umkehren. Die vorerst letzte Überfahrt war am Sonntagabend gegen 21 Uhr. „Die Elbe ist zu niedrig, wir können nicht mehr fahren“, erklärt Gerlinde Butchereit, deren Mann seit rund 20 Jahren die Fähre fährt.

Bei einem Wasserstand von 1,33 Meter gestern Nachmittag am Pegel Wittenberge ist das für die Fähre eine Premiere. „Sonst sind wir noch bei knapp 90 Zentimetern gefahren, aber das geht jetzt nicht mehr“, so Butchereit. Zwei Ursachen nennt sie.

Anfang Juni erfolgten Umbauarbeiten an der Landeklappe. Auf ihr befestigte Fallpoller müssen seitdem beim Anlanden die Fähre in Schlitze arretieren. „Bei dem jetzigen Wasserstand ist das nicht mehr machbar“, erklärt Gerlinde Butchereit. Der Anleger sei sowieso zu kurz, müsste gut einen halben Meter weiter ins Flussbett hinein ragen. Die Arretiervorrichtung mache es noch komplizierter.

Als zweiten Grund nennen Butchereits die zunehmende Versandung der Buhnenbereiche. „Nach einem Hochwasser war das immer ein Problem, aber mittlerweile haben wir dauerhaft damit zu kämpfen“, sagt Gerlinde Butchereit. Sie vermutet als eine mögliche Ursache die Deichrückverlegung bei Lenzen. Das Wasser fließe durch die erste Flutrinne, nehme dort Sedimente auf und spüle diese direkt auf den Anlegerbereich am Westufer.

Die ausbleibenden Niederschläge lassen keine schnelle Veränderung der Situation erkennen. Auch die Havel fließt seit Freitag nicht mehr in die Elbe ab. Dadurch allein sei der Pegel bereits um knapp 30 Zentimeter gesunken, schätzen die Fährleute.

Das bestätigt Hubert Finke, Leiter des Wittenberger Außenbezirks des Wasser- und Schifffahrtsamtes Magdeburg. Am Freitag sei das Wehr in Gnevsdorf geschlossen worden, könne die Havel nicht mehr abfließen. Das wirke sich erheblich auf den Elbpegel aus.

„Vom Süden kommt kein Wasser nach. Bis Tschechien haben wir fallende Pegel und auch die Saale führt nur wenig Wasser“, sagt Finke. Damit sei zumindest kurzfristig kein Pegelzuwachs zu erwarten.

Butchereits geäußerte Vermutung zur Deichrückverlegung und dem damit verbundenen Sedimentaufwuchs im Anlegerbereich bezeichnet Finke als eine Theorie, für die es noch keine Beweise gebe. „Unstrittig ist aber, dass beim Hochwasser 2013 enorme Sedimentmengen bewegt wurden, Uferbereiche stark aufgewachsen sind“, so Finke. Diese werden nicht abgebaggert, könnten allenfalls bei einem erneuten Hochwasser wieder abgetragen werden.

Die Fahrrinne selbst sei nicht betroffen und der reguläre Schiffsverkehr damit auch nicht. Allerdings komme dieser bei der Entwicklung des Wasserstands ebenfalls zum Erliegen. Leerfahrten hält Finke noch für möglich.

Damit müssen Butchereits auf die Havel hoffen. Doch ab wann die wieder in die Elbe fließen wird, ist unklar. „Zunächst bleiben die Wehre geschlossen. Im Berliner Raum gibt es wenig Wasser, deshalb soll die Havel nicht abfließen“, erklärt Finke.

Vor dem Schließen der Wehre flossen noch etwa 60 Kubikmeter pro Sekunde in die Elbe hinein. Zehn Kubikmeter machen rund fünf Zentimeter am Elbpegel aus, so Finke weiter. Das erklärt, warum der Pegel fast schlagartig um 30 Zentimeter gesunken sei.


 

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erstellt am 25.Jun.2014 | 12:00 Uhr

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