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Der Prignitzer

23. November 2017 | 08:51 Uhr

Fabelhafter Karneval

vom

svz.de von
erstellt am 11.Okt.2007 | 11:16 Uhr

Der Nobelpreis für Literatur des Jahres 2007 geht an die englische Schriftstellerin Doris Lessing. Die alte Dame erfuhr gestern nach dem Einkaufen von der Auszeichnung und freute sich sehr.
Der Börsenverein freute sich, auch die Kritikerin Elke Heidenreich und natürlich Doris Lessings deutscher Verlag Hoffmann und Campe. Nur Marcel Reich-Ranicki gab sich grummlig-enttäuscht über die Entscheidung der Schwedischen Akademie.
Alles keine sonderlich überraschenden Reaktionen.
Auch die Nobelpreisträgerin ist keine große Überraschung, seit 30 Jahren wird Doris Lessing als Anwärterin gehandelt. Zu Recht. Sie ist eine der wichtigsten Autorinnen der Gegenwart, hat mit „Das Goldene Notizbuch“ (1962) ein Kultbuch der Frauenbewegung geschrieben und mit ihren 50 kompromisslosen Romanen ein stilistisch und thematisch breit gefächertes Werk geschaffen.
Viel interessanter ist ein Blick auf den Nobelpreis selbst.
Sicher, in einer chaotischen Welt ist er eine beruhigende Kons-tante, er kommt Jahr für Jahr zur gleichen Zeit, wie der Weihnachtsmann. Doch wer den Preis bekommt, ist genau genommen egal, wenn auch nicht für den Geehrten selbst. Denn warum soll eine Jury aus 18 Schweden so genial sein, den besten Schriftsteller der Welt zu erkennen? Es ist wohl so, wie Horace Engdahl, der Vorsitzende der Schwedischen Akademie, vergnügt gestand: Die Zeremonie um den Nobelpreis ist „ein fabelhafter, leicht absurder Karneval, ein Narrenspiel“. Und also fast ein Stück Literatur.

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