Chirurg aus Pritzwalk in RTL II Reality-Doku : "Extrem Schön!" und extrem nah

<strong>Der doppelter Doktor:</strong>  Christian Roessing an seinem Arbeitsplatz, während  eine Szene aus der RTL II Dokumentation läuft. Foto: Felix Alex
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Der doppelter Doktor: Christian Roessing an seinem Arbeitsplatz, während eine Szene aus der RTL II Dokumentation läuft. Foto: Felix Alex

Der Chirurg Christian Roessing ist derzeit neben seiner Arbeit im Pritzwalker KMG Klinikum jeden Mittwochabend in der Reality-Doku "Extrem schön! - Endlich ein neues Leben" des Senders RTL II zu sehen.

svz.de von
26. März 2013, 06:02 Uhr

Pritzwalk | Das Gefühl, ein Gesicht schon einmal irgendwo gesehen zu haben, ist wohl jedem bekannt. Beim Bäcker oder in der Apotheke kreuzen sich die Wege zweier Menschen, ein kurzer verschüchterter Blick und die Fragen: War das nicht? Der sieht aber aus wie ... Kann das sein? - Was meist der großen überregionalen Prominenz vorenthalten bleibt, erlebt, zugegeben in abgeschwächter Form, derzeit der plastische Chirurg des Pritzwalker KMG Klinikums Christian Roessing. Wenn er dieser Tage durch seinen Arbeitsort geht, sind diese Blicke berechtigt. Denn zusätzlich zur Arbeit in der Klinik und seiner Berliner Praxis, ist er aktuell jeden Mittwochabend in der Reality-Doku "Extrem schön! - Endlich ein neues Leben" des Senders RTL II zu sehen.

Seit August 2011 ist Roessing im Pritz walker Klinikum und mittlerweile leitender Arzt der plastischen Chirurgie. Doch während er es im Fernsehen meist mit Nasenkorrekturen, Brustvergrößerungen und Fett absaugen zu tun bekommt, liegt der Schwerpunkt in Pritzwalk eher auf der rekonstruierenden Chirurgie. "Haut-Tumore und -verpflanzungen bilden den Kern, auch wenn ästhetische Eingriffe zunehmen", erzählt der 42-Jährige, der vor allem das riesige Einzugsgebiet und die zentrale Lage als Gründe für diese Steigerung anführt. Und auch das Ansehen und die Nachfrage wandeln sich ständig. "Alle denken immer nur an Brustvergrößerung, aber jede Woche kommen mehr Patienten, wo ich genau sage, die gehören in die plastische Chirurgie. Dazu gehören zum Beispiel Hauttumoren im Gesicht oder Diabetes-Füße. Kein offener Fuß muss mehr so bleiben", erklärt Roessing, der auch aufgrund dieser Spezialisierung nach Pritz walk kam.

In der Berliner Gemeinschaftspraxis, die er mit einem Kollegen betreibt, nimmt die Schönheitschirurgie jedoch 90 Prozent der Fälle ein. Aber auch hier liegt das Hauptaugenmerk auf der Rekonstruierung. So schildert Roessing die Geschichte einer Frau, deren Gesicht nach der Chemotherapie viel älter aussah, als ihr biologisches Alter und die sich deshalb für ein Facelift entschied. Hierbei ist es auch wichtig, die Erwartungen der Patienten im Vorfeld einzuordnen, so der Facharzt für plastische und ästhetische Chirurgie, der über 60 Prozent seiner Arbeitszeit in Pritzwalk verbringt. "Denn man sieht danach nicht 15 Jahre jünger aus, sondern eher erholt und frischer", schildert der promovierte Arzt, der unter anderem bereits in Köln, Aachen und Bonn arbeitete.

Mit der Kamera im OP

In die ohnehin knapp bemessene Freizeit stießen dann die Dreharbeiten. Auch wenn der Weg zum Privatsender RTL II und seiner Dokumentation, bei der in jeder Folge eine Person bei zahlreichen Schönheitsoperationen begleitet wird und das Ergebnis am Ende präsentiert bekommt, nicht leicht war. "Wir wurden 2011 angefragt, ob wir bereit wären und waren etwas skeptisch", so der Facharzt, der die Sendung selbst vorher nie vollständig gesehen hatte. Da aber seriöse Ärzte aus Wiesbaden und der Uni-Klinik Bonn ihre Mitarbeit zugesagt hatten, gab es dann auch die Einwilligung aus Berlin. Doch war es zur täglichen Arbeit eine ziemliche Zusatzbelastung, die sich auch auf die Wochenenden ausdehnte.

Insgesamt waren drei plastische Chirurgen während der Dreharbeiten für die 20 Kandidaten zuständig, die vorher bereits vom Narkosearzt und Psychologen untersucht wurden. "Im Endeffekt entscheidet dann aber der Chirurg, ob die drei bis vier Operationen durchgeführt werden", erklärt Roessing. Denn meist stehen Brustimplantate und Nasenkorrekturen ebenso auf dem OP-Plan wie Zahnbehandlungen und diverse Straffungen. Doch steht auch hier die Sorgfalt an erster Stelle. Die Kandidaten sind oft bis zu vier Monate von zu Hause weg und werden entsprechend betreut. Während diese im Fokus der Aufmerksamkeit stehen, sieht man den behandelnden Arzt meist nur innerhalb des Vorgesprächs und während der Operation. "Das war zu Beginn schon sehr gewöhnungsbedürftig, denn neben dem Kameramann waren oftmals auch Betreuer, Tontechniker und Regisseur im Operationssaal. Schon allein logistisch war das problematisch, da der Patient dadurch nicht mehr aufgeregt werden durfte und alle Bestimmungen eingehalten werden mussten", verdeutlicht Roessing.

Was am Schluss jeder Episode folgt, die Enthüllung der Veränderung vor einem Spiegel, ist auch in der Realität ein Glücksmoment wie der Doku-Doktor beschreibt: "Die Patienten kreischen wirklich los. Das ist nicht gestellt, denn die Produzenten achten bei den ersten Verbandswechseln penibel darauf, dass sich die Kandidaten dann wirklich zum ersten Mal sehen."

Christian Roessing, der während seines wöchentlichen Pritzwalk-Aufenthalts ein Pensionszimmer bewohnt, spürte nach der Ausstrahlung eine Veränderung. "Eine erhöhte Anfrage-Frequenz war zu merken, beim Bäcker wurde ich ebenfalls schon auf meine Fernsehpräsenz angesprochen", verrät er. Und auch in Zukunft wird es wohl wenig freie Stellen in Roessings Terminkalender geben. Denn neben der Chirurgie-Arbeit erhält er mittlerweile häufig Anfragen für Auftritte vor TV-Kameras. So wurde eine Spiegel TV Reportage gerade abgedreht, das "Verstehen sie Spaß?"-Team hatte den Chirurgen ebenso im Visier.

Also könnte es in Zukunft wohl öfter heißen: Ein kurzer verschüchterter Blick und die Fragen - war das nicht? Der sieht aber aus wie ... Kann das sein?

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