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Der Prignitzer

25. November 2017 | 04:53 Uhr

Tauchprojekt : Experten weisen Kritik zurück

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Tauchmediziner Dr. Christian Berndt und der erfahrene Tauchlehrer Michael Schmitt äußern sich zu Vorwürfen

von
erstellt am 19.Okt.2017 | 21:00 Uhr

Die Kritik an dem Tauchprojekt der Lebenshilfe wollen die Beteiligten nicht gelten lassen. In unserer Donnerstagsausgabe äußerte Tauchlehrer Chris Roemer seine Bedenken zu dem Pilotprojekt, bei dem Menschen mit Handicap Tauchen lernen können, um sich dann auch mal im Tauchturm auf dem Ölmühl-Gelände zu versuchen.

„Jeder hat das Recht, Kritik zu äußern, aber was Herr Roemer sagt, ist unsachlich“, stellt Dr. Christian Berndt klar. Er ist Sport- und Tauchmediziner und Gründungsmitglied des Notärztevereins Prignitz. So sei Hilfe im Notfall natürlich ohne Weiteres möglich. „Wir haben, was einen möglichen Notfall im Tauchturm betrifft, schon während des Umbaus des Tauchturms eine Rettungskette installiert. Rettungskräfte wie Notarzt, die Leitstelle und auch die Feuerwehr vor Ort wissen genau, was zu tun ist und wie eine Rettung dort erfolgen kann“, so Berndt. Dass Roemer ihm die fachliche Kompetenz abspreche, empfinde er als persönlichen Angriff.

Dr. Christian Berndt erläutert, dass es klare Kriterien gibt, wer an dem Pilotversuch teilnehmen kann. „Ich entscheide als Mediziner nach einer eingehenden Untersuchung, wer dabei sein darf. Nicht geeignet sind Epileptiker, Menschen mit ausgeprägten psychischen Erkrankungen, schweren Herz-Kreislauf-Erkrankungen und schweren Organschädigungen. Auch Menschen mit einer Querschnittslähmung werden wir nicht für das Projekt zulassen.“ Darüber hinaus betont Berndt, dass Roemers Feststellung, Menschen mit Handicap seien kälteempfindlicher, nicht zutreffe. „Das ist meines Erachtens nicht verbrieft. Außerdem tragen sie im Tauchturm Neoprenanzüge. Und wenn man friert, gibt man ein Zeichen.“

Die Initiative der Lebenshilfe Prignitz solle dazu dienen, Menschen mit Handicap Spaß zu bereiten. Dass das funktioniert, ist an Maik Körner und Dennis Wendt zu erkennen.

Die zwei Tauchneulinge haben beim Grundausbildungskurs am Donnerstag in der Badewelt Prignitz sichtlich Spaß. „Es ist toll und es klappt schon sehr gut“, sagt Maik Körner. Einige Freunde erkundigten sich gelegentlich, wie es laufe, fügt Dennis Wendt an. Tauchlehrer Michael Schmitt ist sichtlich stolz auf seine Schützlinge.

Schmitt taucht seit 40 Jahren, seit 30 ist er Tauchlehrer und als solcher zertifiziert. „Sie machen sich beide sehr gut“, fasst Schmitt zusammen, der als Armee- und Berufstaucher mehr als 20  000 Tauchgänge absolvierte. „Maik und Dennis lernen, unter Wasser durch den Mund ein- und ausatmen. Das muss man üben.“

Bevor es ins Wasser geht, bauen die Schüler und ihr Lehrer die Tauchausrüstung zusammen, machen dann Trockenübungen, wie zum Beispiel das Mundstück aus dem Mund zu nehmen und wieder einzusetzen. „Und wenn sie den Grundkurs beendet haben, können sie sich im Tauchturm versuchen.“ Vorher durchlaufen Maik Körner und Dennis Wendt jedoch eine intensive Untersuchung bei Dr. Christian Berndt, bei der unter anderem das Blut untersucht wird, sie geröntgt und ein EKG angefertigt wird.

Michael Schmitt erklärt, dass beide die Grundlagen erlernen, später also in Begleitung eines Tauchlehrers in das Wasser können. „Aber nicht allein, immer mit einer Begleitperson“, so Schmitt. Roemer stellte indirekt dessen Eignung als Tauchlehrer für Menschen mit Handicap infrage.

„Michael Schmitt ist einer der erfahrendsten Taucher, die ich kenne. Er hat die Befugnis, mit Menschen mit Handicap zu arbeiten“, sagt Fred Schneidewind von der weltweit operierenden Ausbildungsorganisation für Taucher, SSI, über die Schmitt zertifiziert ist.

 

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