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Der Prignitzer

19. November 2017 | 18:52 Uhr

Experten nach Prognose erleichtert

vom

svz.de von
erstellt am 05.Jun.2013 | 09:15 Uhr

Prignitz/Havelberg | Im Wettlauf gegen das Hochwasser könnte die Prignitz Zeit gewonnen haben. Zu gestern stieg der Pegel auf über fünf Meter an, aber langsamer als vorausgesagt. Das sei ein gutes Zeichen, wertet Hubert Finke, Leiter des Wittenberger Außenbezirk des Wasser- und Schifffahrtsamtes Magdeburg. Noch eine gute Nachricht kam am Nachmittag: Die gesicherte Prognose sagt für Sonntag am Pegel Wittenberge 7,25 Meter voraus und für Dienstag ungesichert 7,55 Meter. Die zuvor befürchteten acht Meter und mehr erscheinen damit unrealistisch.

Das sei keine Entwarnung, so die Experten, aber seit dem Nachmittag sehen ihre Gesichter deutlich entspannter aus. Die jetzt vorausgesagten Werte seien leichter zu beherrschen, als die noch am Vormittag drohenden acht Meter. Aber Fragezeichen bleiben, so Finke, und erklärt das am Beispiel der Saale, die in die Elbe mündet. Sie erreichte gestern in Calbe mit 9,34 Meter einen Pegelwert, der in keiner der vorliegenden Modellkarten verzeichnet sei, so Finke. Auch oberhalb Calbes stiegen die Pegel noch an, so dass Finke eine lange extreme Wasserführung erwartet.

Unterdessen begann bzw. ging gestern das Füllen der Sandsäcke in Lenzen am Hafen, in Wittenberge, Breese und in Bälow weiter. Seit acht Uhr morgens waren die ersten freiwilligen Helfer in Bälow auf den Beinen. In nur zwei Stunden waren 1200 Säcke gefüllt. Das reicht allerdings bei weitem nicht, weiß Rüh städts Bürgermeister Jürgen Herper. "Bei dem Hochwasser 2002 kamen 3,5 Millionen Sandsäcke in Bälow zum Einsatz, aber so viele brauchen wir jetzt nicht", sagt er.

Der 16-jährige Timmy Zahn aus Sigrön schippt Kies, hat dafür schulfrei bekommen: "Ich habe Bilder vom Hochwasser im Fernsehen gesehen und die haben mich sehr mitgenommen", erzählt er. Auch in den kommenden Tagen will Timmy helfen. "Es macht mir nichts aus, auch in meiner Freizeit mit anzupacken. Es kann doch jeden mal treffen."

Genauso hält es Daniel Buck, der am Morgen aus Viesecke kam. "Ich wäre eigentlich mit der freiwilligen Feuerwehr angerückt, aber die Zeiten, zu denen die fahren, passen bei mir nicht", meint der Sozialpädagoge. Bereits 2002 und 2006 hat er geholfen und weiß daher, was Bälow erwartet: "Wenn das Wasser kommt, bekommt man Angst. Dann sieht man, was für eine Kraft dahinter steckt und wie machtlos man selbst ist."

Die einzige Frau, die am Morgen hilft, ist Petra Holländer. "Es werden aber noch viel mehr kommen", versichert sie. Die Altenhilfepflegerin arbeitet im Schichtdienst und hat vor ihrem Arbeitsbeginn noch Zeit. Vor dem, was kommt, hat sie schlichtweg Angst: "Diesmal soll es noch schlimmer werden, und wir bekommen hier die volle Ladung ab. Die Elbdeiche zwischen Bälow und Sandkrug wurden ja noch nicht gemacht. Das ist das Schlimmste für uns. Das ist auch Kritik an die Regierung. Die Leute hier leben in Angst, aber der Flughafen ist wichtiger", sagt sie.

Auf dem Straßendeich zwischen Bälow und Sandkrug haben gestern früh Bauarbeiten begonnen. Die Stützberme, die bisher nur auf einem Teilstück der Strecke angelegt wurde, wird vervollständigt. Ein ziemlicher Kraftakt, meint Christian Schwarz von Strabag: "Das ist keine 08/15-Baustelle. Wir stehen unter Zeitdruck."

Deshalb arbeiten jeweils vier Arbeiter im Schichtdienst Akkord. Da blieb gestern nicht einmal Zeit für eine Mittagspause, erzählte einer von ihnen. Sand wird aus dem Kieswerk in Glöwen angefahren. Verstärkung durch die Bundeswehr wurde angefordert. Die Arbeite gehen gut voran, schätzt der Krisenstab ein.

An Privatpersonen werden zunächst keine Säcke abgegeben, entschied der Krisenstab. Es sei ungewiss, wie viele zum Schutz der Allgemeinheit benötigt werden. Ausreichend Nachschub gebe es aber. Von einem Engpass könne nicht gesprochen werden. Wer privat Säcke benötigt, bekomme die in der Prignitz zu kaufen. Zum Füllen dürfe kostenlos der Sand an den bekannten Plätzen genutzt werden.

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