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Der Prignitzer

25. November 2017 | 10:46 Uhr

Experimente mit dem Knieper

vom

svz.de von
erstellt am 17.Feb.2012 | 04:27 Uhr

Lenzen | Es sei für sie nur ein Hobby, aber sie beherrschen die Kunst des Kochens auf hohem Niveau, bescheinigt Küchenchef Knut Jessen seinen Gästen Klaus Meier und Peter Bronhold. Sie sind aus Wolfsburg in das Burgrestaurant nach Lenzen gekommen, um ihre Künste weiter zu verfeinern. Es geht nicht um Rehrücken und nicht um verführerische Desserts. Knieper steht auf dem Stundenplan.

"Bis vor zwei Tagen wussten wir nicht, was das ist", gesteht Peter Bronhold und setzt die Kochmütze ab. Bei ihnen in Niedersachsen wird Grünkohl gegessen und wird die Grünkohlkönigin gewählt. Aber Knieper? "Kaum hatten wir das erste Glas geöffnet, haben wir unsere Nasen wieder weggedreht. Der säuerliche Geruch hat uns überrascht", erzählt Klaus Meier. Aber aus ihrer jahrzehntelangen Kochleidenschaft wissen sie, dass kulinarisch die verrücktesten Kombinationen geschmacklich überraschen und überzeugen können.

Knut Jessen schlägt ihnen Flammkuchen mit Knieper vor. Diese Spezialität aus dem Elsass kann ähnlich wie Pizza mit den unterschiedlichsten Zutaten belegt werden. Schnell ist der Teig vorbereitet und ausgerollt, der bereits gekochte Knieper darauf verteilt. Minuten später kommt die erste Kostprobe aus dem Ofen. "Lecker, das ist wirklich gut", sagen sie. Auch der folgende Knieperkuchen, basierend auf dem Rezept eines Zwiebelkuchens, besteht die kulinarische Prüfung. Ganz am Ende erwartet sie die wohl ausgefallenste Kreation: Kniepereis, zusammen serviert mit Kartoffelpudding im Schokoladengitter.

Auch für Knut Jessen sei dieser Nachmittag ein Kochexperiment. Das Kniepereis hatte er bereits auf der Grünen Woche angeboten, "es fand reißenden Absatz". Dabei habe es mehrere Versuche bedurft, bis er mit dem Produkt wirklich zufrieden war. Flamm- und Knieperkuchen seien aber auch für ihn heute neu. "Ich bin selbst immer wieder überrascht, was alles aus Produkten machbar ist. Wer hätte gedacht, dass aus dem säuerlichen Knieper ein leckeres Eis wird", sagt Jessen. Genau diese Überraschungen sind es, die ihn immer wieder zum Experimentieren verleiten und das mache er sehr gerne auch mit Gästen.

Seit vier Jahren bietet Knut Jessen jeweils in den Wintermonaten Kochkurse an. Nur dann habe er Zeit dafür. "Wer Interesse hat, kann sich gerne melden. Wir machen auch richtige Küchenpartys, kochen unser Abendbrot selbst und vor allem soll der Spaß dabei nicht zu kurz kommen." Nebenbei seien diese Kurse zugleich eine Weiterbildung für die eigenen Angestellten. Außer Neugier und Lust am Kochen müssen die Teilnehmer keine weiteren Voraussetzungen erfüllen. Ob Anfänger oder erfahrener Hobbykoch, jeder sei willkommen.

Für Klaus Meier und Peter Bronhold wird es mit Sicherheit nicht der letzte Besuch gewesen sein. Überhaupt seien sie oft und gerne in Lenzen. Einerseits hätten sie als BUND-Mitglieder die Sanierung der Burg von Beginn an mit verfolgt, andererseits gefalle ihnen die Region hier. "Ob wir beim nächsten Mal wieder mit Knieper kochen werden, wissen wir nicht. Uns interessiert sehr vieles, wir mögen auch klassisch deutsche Gerichte wie Königsberger Klops", sagt Peter Bronhold.

Er ist längst kein reiner Hobbykoch mehr, hat gar schon für einen Koch im Restaurant die Urlaubsvertretung übernommen. "Wichtig sind die Zutaten. Sie müssen frisch sein", sagt er. Und er koche nur mit Bioprodukten. Dafür sei er immer gerne von Wolfsburg nach Lenzen gefahren. "Der Hofladen hatte stets ein gutes Angebot, vor allem das Rindfleisch. Aber jetzt ist er leider geschlossen", bedauert der Niedersachse.

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