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Der Prignitzer

23. Oktober 2017 | 15:42 Uhr

Es treten an: Fleisch gegen Gemüse

vom

svz.de von
erstellt am 24.Dez.2012 | 09:55 Uhr

Prignitz | Alle Jahre wieder... kommt der Weihnachtsbraten auf den Tisch. Umgeben von Lichterglanz und Tannenduft rücken jegliche Gedanken an Massentierhaltung in weite Ferne. Wenn das liebliche Aroma der knusprig gebratenen Festtagsente durch die Wohnung zieht, denkt wohl niemand gern an die Herkunft seiner Mahlzeit. Und doch gibt es sie - Menschen, die der Versuchung widerstehen und bewusst auch an Weihnachten weder Fleisch noch Fisch anrühren: die Vegetarier.

Zu ihnen gehört Henning Klotz, Landwirt-Azubi auf dem Siebengiebelhof in Drenkow. Seit drei Jahren ernährt sich der aus dem Sauerland stammende 27-Jährige vegetarisch. Auch an Weihnachten macht er keine Ausnahme: "Heiligabend gibt es bei uns Haferflocken-Bratlinge", verrät er. Klingt nicht unbedingt nach Gourmet-Essen, aber "die sind wirklich lecker", versichert er. Ein Problem habe damit in seiner Familie keiner, denn auch sein Bruder sei Vegetarier, ihre Mutter esse ohnehin nur wenig Fleisch. "Ich kann mir gar nicht mehr vorstellen, jemals wieder Fleisch zu essen", sagt er.

Dabei hat er früher sehr viel davon gegessen. Doch als er sich während seines Studiums für Greenpeace engagierte, kamen ihm erste Zweifel: "Ich habe dort viel von den Hintergründen der Massentierhaltung mitbekommen, zum Beispiel, welche Auswirkungen der hohe Fleischkonsum auf die Umwelt hat." Seinen eigenen Konsum schränkte er schnell ein, schließlich ließ er es ganz bleiben. Dass Henning Klotz trotzdem eine Ausbildung auf einem Bauernhof absolviert, mag paradox klingen, für ihn war es dennoch die richtige Wahl: "Der Siebengiebelhof ist ein Biobauernhof, die Haltungsbedingungen sind wesentlich besser als in konventionellen Betrieben. Außerdem habe ich nicht grundsätzlich etwas dagegen, wenn Tiere für den menschlichen Verzehr gehalten werden. Ich kann es nur nicht mit meinem Gewissen vereinbaren. Aber wer das kann, soll Fleisch essen. Ich wünsche mir nur, dass der Fleischkonsum allgemein reduziert wird, auch der Umwelt zuliebe. Einmal die Woche ist doch völlig ausreichend."

Wenn es schon Fleisch sein soll, dann doch bitte in Maßen und qualitativ hochwertig, findet auch Reiner Polei, Chef der Neudorfer Fleischerei GmbH. "Lieber selten hochwertig Fleisch und Wurst kaufen, als ständig die Billigvarianten, in denen kaum noch tierisches Eiweiß steckt." Bei seinen Kunden beobachte er ein verändertes Qualitätsbewusstsein: "Die Leute greifen für gute Fleisch- und Wurstwaren zunehmend tief in die Tasche. Gerade zu Weihnachten." Am meisten nachgefragt werde Ente. Aber auch Lachs, Rinderfilet, Kaninchen, selbst die hochpreisige Gans gehen gut weg. Qualität setze sich eben durch: "Du bist, was du isst, an diesen Satz halte ich mich selbst seit Jahren. Wer nur minderwertiges Zeug konsumiert, das mit Aroma- und Ersatzstoffen vollgepumpt ist, der beißt früher ins Gras, davon bin ich überzeugt", sagt Polei.

Nicht ganz so drastisch drückt es Anett Behrendt, Ernährungsberaterin des Kreiskrankenhauses Prignitz, aus: "Ich empfehle, zwei Mal die Woche Fleisch zu essen." Zu viel fettes Fleisch verursache Krankheiten wie Diabetes oder Gicht. Eine vegetarische Ernährung sei hingegen nicht ungesund für den Körper. "Dass Vegetarier unterversorgt sind und an Eisenmangel leiden, ist ein Märchen. Sie müssen nur aufpassen, dass sie genug Nährstoffe, vor allem Eisen, zu sich nehmen. Aber das gilt auch für viele Nicht-Vegetarier, denn Eisen steckt hauptsächlich in Innereien und rotem Fleisch."

Ob nun Fleischliebhaber oder Vegetarier - an Weihnachten kann es ruhig mal ohne Tier auf dem Teller sein, ohne dass der gute Geschmack darunter leidet. Kultkoch Knut Diete beweist das. Im Kranhaus kredenzt er dieses Jahr als vegetarische Festtagsvariante Teltower Rübchen mit Schwarzwurzeln in "Märkischem Sand". Dazu gibt es Steinpilze gefüllt mit Tomatenmarmelade, Rosenkohl in Mohn oder Wirsingkohl in Rahm. Der Chefkoch selbst ist überzeugter Omnivore. "Ich toleriere vieles und Vegetarier können bei mir garantiert sehr gut essen. Ich möchte trotzdem nicht zu ihnen gehören. So ganz ohne Fleisch, das wäre für mich kein schönes Leben."

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